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Gefragtes Gut: Sharp stellt wegen Coronavirus Fabrik um - und baut nun Atemmasken statt Fernseher

Wegen des Coronavirus sind Atemschutzmasken gefragt wie nie und entsprechend kaum zu bekommen. Der TV-Hersteller Sharp reagiert darauf ungewöhnlich - und stellt eine seiner Fernseher-Fabriken um.

Frau mit Mundschutz

Auch in Deutschland sind die Atemschutzmasken heiß begehrt (Symbolbild)

Picture Alliance

Einen Mundschutz zu tragen, brachte noch vor wenigen Wochen skeptische Blicke mit sich. Doch seit das Coronavirus die Schlagzeilen beherrscht, sind die Atemschutzmasken ein viel gefragtes Gut. Der japanische Hersteller Sharp zeigt sich nun besonders geschäftstüchtig. 

Ideale Bedingungen in der TV-Fabrik

Eine Fabrik des Herstellers in der japanischen Stadt Kameyama soll nun vollständig auf die Herstellung von medizinischen Mundschutzen umgestellt werden, berichtet die amerikanische Nachrichtenagentur AP. Demnach plant Sharp, zum Ende des Monats 150.000 Masken am Tag produzieren zu können, die Produktion soll dann auf bis zu 500.000 Masken täglich gesteigert werden. Pläne zu Preisen oder dem Vertriebsweg gäbe es aber noch nicht.

Dass Sharp nun eine Fernseher-Fabrik als Produktionsstätte wählt, ist kein Zufall. Um Produktionsfehler auszuschließen, müssen die sonst in der Fabrik hergestellten Displays unter extrem sauberen Bedingungen konstruiert werden. Bei der Herstellung der Mundschutze sei das ein enormer Vorteil, schreibt der Tech-Blog "The Verge". 

Coronavirus-Krise lähmt die Wirtschaft

Durch die fortschreitende Verbreitung von Corona ist die weltweite Nachfrage nach den Atemschutzmasken enorm gestiegen. Selbst in Deutschland sind sie schwer zu bekommen, werden auf Plattformen im Internet zu völlig überhöhten Preisen gehandelt. Amazon sah sich schon zum Durchgreifen gegen Wucherpreise gezwungen. Wie die Nachfrage den Alltag einer Apothekerin veränderte, erfahren Sie hier. 

Prof. Dr. med. Johannes Knobloch

In Japan ist die Situation ungleich dramatischer. Zum einen sind die Masken dort ohnehin schon beliebt. Zum anderen ist das Land besonders stark von Corona-Erkrankungen betroffen. Mit fast 300 Fällen ist Japan das Land mit den fünftmeisten Erkrankten, hinzu kommen über 700 Corona-Kranke auf dem vor Japan geankerten Kreuzfahrtschiff Diamond Princess.

Wochenlanger Krisen-Modus

Neben dem akuten Bedarf an Masken könnte noch ein zweiter Grund hinter Sharps Umstellung stehen. Durch die wochenlange Quarantäne sind viele chinesische Fabriken nach wie vor außer Betrieb oder arbeiten nur auf Sparflamme. Selbst wenn man produzieren könnte, ist das oft gar nicht möglich: Weil auch die Zulieferer ausfielen, sind zahlreiche Komponenten schwer oder gar nicht mehr zu bekommen. Ob auch die genannte TV-Fabrik vom Teile-Mangel betroffen ist, ist aber nicht bekannt.

Sharp war einst einer der bekanntesten Tech-Konzerne. Seit 2016 gehört das Unternehmen zum Foxconn-Konzern. Der ist vor allem als Endfertiger für zahlreiche Unternehmen bekannt und baut unter anderem für Apple in verschiedenen Fabriken rund um die Welt das iPhone.

Quelle: AP, The Verge

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