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Gespräche mit Musikdienst Spotify: Facebook sucht ein Einbau-Radio

Facebook lernt vielleicht bald singen: Offenbar startet das Onlinenetzwerk in Kürze eine Kooperation mit dem Musik-Streamingdienst Spotify. Direkt in Facebook soll man dann mit Freunden gemeinsam Musik hören können - ohne auf die eigene Songsammlung beschränkt zu sein.

Das ist für viele Musik in ihren Ohren: Facebook tut sich einem Medienbericht zufolge mit dem Streaming-Dienst Spotify zusammen, um seinen Nutzern Musik übers Internet anzubieten. Der Service könne schon in zwei Wochen an den Start gehen, schreibt das Magazin "Forbes" in einem Blog unter Berufung auf Verhandlungskreise. Als Name des Angebots seien "Facebook Music" und "Spotify on Facebook" in der Diskussion. Keines der Unternehmen hat die Gespräche bisher bestätigt.

Nach Angaben von "Forbes" soll ein Spotify-Symbol bei Facebook erscheinen, und die Nutzer können dann alleine oder gemeinsam mit Freunden Musik übers Internet anhören. Facebook würde sich damit immer mehr als Unterhaltungszentrale etablieren. Spiele gehören schon lange zum Repertoire, zuletzt testete das Hollywood-Studio Warner Brothers auch ein den Online-Videoverleih via Facebook.

Deutschland hört noch nichts

Spotify bietet Zugriff auf einen Katalog, der bereits jetzt mehr als 13 Millionen Songs umfasst und ständig wächst. Die Musik wird ausschließlich über das Netz gestreamt, Downloads gibt es nicht. Außerdem kann man sehr einfach einzelne Musikstücke und ganze Playlisten mit Freunden teilen. Ein Feature, das sehr gut zu Facebook passt. Das Angebot lässt sich auf drei Arten nutzen: bis zu zehn Stunden pro Monat kostenlos mit Werbeeinblendungen oder als kostenpflichten Dienst für monatliche knapp fünf oder zehn Euro.

Spotify hat mit den meisten großen Musikfirmen und vielen kleinen Labels Nutzungsverträge abgeschlossen – die immer nur für einzelne Länder gültig sind. Zurzeit ist das Angebot nur in Finnland, Norwegen, Schweden, Spanien, Frankreich, den Niederlanden, und Großbritannien verfügbar. Deutschland und auch die USA müssen sich noch gedulden. In Deutschland gibt es allerdings Simfy, das Spotify vom Prinzip her sehr ähnelt.

Mehr Reichweite für beide

Facebook hat rund 600 Millionen Nutzer, was es für Unternehmen als Vertriebsplattform hochinteressant macht. Spotify könnte durch einen Deal mit Facebook die Zahl seiner zahlenden Kunden massiv steigern - und seine Position in Gesprächen mit der Plattenindustrie stärken. Umgekehrt erhofft sich Facebook von mehr Inhalten auch noch mehr Nutzer, die dann noch länger verweilen. Schließlich will Facebook unser Wohnzimmer im Netz ersetzen.

Eine Partnerschaft zwischen Facebook und Spotify würde anderen Unternehmen einen Schlag versetzen: Firmen wie Amazon, Google und Apple arbeiten intensiv daran, Musik aus der Cloud anzubieten. Googles "Music Beta" und Amazons "Cloud Drive" haben allerdings einen entscheiden Nachteil gegenüber Spotify: Die Nutzer können nur die Musik hören, die sie selbst hochgeladen haben.

san/DPA / DPA
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