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Datenkrake, na und?: Google ist zu dumm, um mir Angst einzujagen

Google ist eine Datenkrake. Der Konzern sammelt alles über seine Nutzer, was er finden kann. Trotzdem muss man keine Angst vor ihm haben - denn Google bleibt erschreckend dumm.

Ein Kommentar von Malte Mansholt

Google sammelt jede Menge Nutzerdaten. Angst zu haben, ist trotzdem unnötig.

Google sammelt jede Menge Nutzerdaten. Angst zu haben, ist trotzdem unnötig.

Geht es nach deutschen Datenschützern, müssten die meisten Riesen des Silicon Valley ihr Geschäftsmodell einstampfen. Google und Konsorten verdienen ihre Milliarden in erster Linie durch das massenhafte Sammeln von Kunden-Daten. Mit denen erstellen sie dann Benutzerprofile und bombardieren die User dann mit auf sie zugeschnittener Werbung. In der Theorie zumindest. Trotzdem gibt es zumindest aktuell keinen Grund, Angst vor Google zu haben. Der Gigant scheint mit den Unmengen an Daten nämlich eigentlich gar nichts anfangen zu können: Google ist einfach zu dumm.

Das Geschäftsmodell von Google ist schnell erklärt: Der Konzern bietet einige der besten Internet-Dienste der Welt an - ohne von seinen "Kunden" dafür Geld zu verlangen. Die zahlen stattdessen mit ihren Daten. Denn wer Gmail, Google Maps, Android oder eines der anderen, stets sehr gut gemachten, Angebote nutzen will, kann das am besten, wenn er dafür immer denselben Account benutzt. Die Krönung des Ganzen ist Google Now: Google bündelt hier alle gesammelten Informationen und gebiert sich als Allwissender, digitaler Assistent. So präsentiert Google Now dem Nutzer an seinen Interessen ausgerichtete Artikel, verfolgt automatisch in Gmail entdeckte Sendungsnummern, empfiehlt Restaurants in der Nähe und unzähliges mehr.

Google Now wird nicht schlau

Wenn man ernsthaft damit anfängt, Google Now zu benutzen, fällt vor allem eines auf: So viele Daten der Konzern auch sammelt, wirklich schlau wird er aus ihnen nicht. Google Now erkennt an den gesammelten Bewegungsdaten schnell, wo man arbeitet und schlägt morgens vor, eine Route zum Arbeitsplatz zu suchen. Das passiert aber jeden Tag. Auch, nachdem ich über Monate hinweg meinen Aufenthaltsort mit Google teilte, konnten die Server offensichtlich nicht verarbeiten, dass ich niemals am Wochenende zur Arbeit fahre. Vielleicht liegt das am fehlenden Verständnis für die faulen, deutschen Online-Journalisten, die anders als fleißige Programmierer im Silicon Valley (oder die emsigen Kollegen im News Room) selten Nacht- und Wochenendschichten schieben.

Viel besser sieht es auf anderen Feldern aber auch nicht aus. Die Internet-Suche ist eigentlich die Kernkompetenz von Google. Der Konzern speichert ständig alle meine Suchen, auf dem Desktop bekomme ich bereits auf dem Smartphone gesuchte Begriffe vorgeschlagen. Eine Liste der eigenen Suchen findet man etwa unter diesem Link. Daraus generiert Google dann eine Sammlung von Themengebieten die mich interessieren. Theoretisch jedenfalls. Denn beim besten Willen habe ich keine Ahnung, wie Google auf die Idee kommt, dass ich mich für Niedersachsen interessiere. Ohne damit jemandem zu nahe treten zu wollen: Als in Hamburg lebender Hesse ist dieses Bundesland für mich weitgehend Durchreisegebiet. Mysteriös: "Musikpreise" steht ebenfalls auf meiner Interessenliste. Scheinbar suche ich regelmässig nach den Gewinnern von MTV Awards und ähnlichem. Bloß: Ich erinnere mich nicht daran.

Kosten gegen Nutzen

Solange Google die vielen Informationen, die ich mit dem Konzern teile, nicht mal so auswerten kann, dass ich einen Nutzen davon habe, brauche ich wohl keine Angst vor dem Griff der Datenkrake zu haben. Natürlich kann sich das jederzeit ändern. Paranoid zu sein, bringt uns nicht weiter. Ich habe trotzdem das Tracking durch Google abgeschaltet. Aus einem deutlich banalerem Grund: Es kostet mich zu viel wertvolle Akkulaufzeit - und bietet dafür zu wenig Mehrwert.

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