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Internetadressen: Mit anderen Zeichen zum selben Ziel

Wer eine Internetadresse im Browser eingibt, muss lateinische Buchstaben benutzen. Mittelfristig soll sich das ändern, die Internetverwaltung Icann startet erste Tests mit URLs in Schriften wie Chinesisch oder Arabisch. Ein schwieriges Unterfangen.

Bis Ende des Jahres werden erstmals Internet-Adressen in Sprachen mit einem anderen Zeichensatz als dem lateinischen Alphabet getestet, also zum Beispiel auf Chinesisch oder Arabisch. Dies gab die Internet-Adressverwaltungsorganisation ICANN auf einer UN-Konferenz in der griechischen Stadt Vouliagmeni bekannt.

Die Einbeziehung nichtlateinischer Zeichensätze sei keine einfache Aufgabe, sagte ICANN-Präsident Paul Twomey. "Wenn wir da etwas falsch machen, können wir das Internet dauerhaft zum Zusammenbruch bringen." Die in diesem Jahr beginnenden Tests sollten sicherstellen, dass es keine störenden Nebenwirkungen gebe, sagte Internet-Pionier Vincent Cerf der Nachrichtenagentur AP.

Der an der Umsetzung des Projekts beteiligte Ingenieur Patrik Falstrom vom Netztechnikunternehmen Cisco erklärte, dass es in etwa zwei Monaten eine Zusammenstellung von weltweit verwendeten Zeichensätzen für die Online-Nutzung geben werde. Falstrom sagte, es müsse verhindert werden, dass es zu einer Fragmentierung des Computernetzes komme. Dann würde der Aufruf einer bestimmten Internet-Adresse in verschiedenen Landen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Großer linguistischer Graben

Vor allem afrikanische Delegierten drängten auf der ersten Nachfolgekonferenz des Weltinformationsgipfels von 2005 in Tunesien auf eine Reform der Internet-Verwaltung. "Der digitale Graben ist nicht so bedeutend wie der linguistische Graben", sagte der Präsident der Akademie für afrikanische Sprachen in Mali, Adama Samassekou. Es gebe einen riesigen Anteil der Weltbevölkerung, der wegen der Dominanz der englischen Sprache aus dem Internet ausgeschlossen sei.

AP / AP
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