Japander.com Promi-Blamage auf Japanisch


Sie leben im Luxus, sind reich und berühmt. Nie im Leben würden Hollywood-Stars sich für schlechte Werbung hergeben, die ihren Ruf ruinieren könnte - es sei denn, der Preis stimmt. Geheimhaltung der Spots ist dank des Internets fast unmöglich.
Von Andrea Gläser

In der TV-Serie "24" ist Kiefer Sutherland als knallharter, kompromissloser Agent Jack Bauer im Kampf gegen den Terror unterwegs. Er vereitelt Mordanschläge und Bombenattentate und bringt seine Familie in Sicherheit. Ortswechsel in die japanische Untergrundbahn zur Rushhour: Bauer ist über Funk mit seinem Team verbunden und muss sich den Weg vorbei an unzähligen zierlichen Asiatinnen kämpfen. Die Schulmädchen sind begeistert vom Geschmack des beliebten japanischen Energy-Getränks "Calorie Mate", und Bauer ruft ihnen mehrmals zustimmend ein energisches "Yes!" zu. Um seinen vernachlässigten Energiehaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, stürzt der Terrorfahnder an der nächsten Haltestelle aus der Bahn und nimmt genüsslich einen Schluck von "Calorie Mate" - soviel Zeit muss sein.

Statt diese kuriose Szenerie ernst zu nehmen, kann sie schlicht und einfach unter schlechter, alberner Werbung verbucht werden. Genau aus diesem Grund waren die Werbe-Clips lange Zeit nur im asiatischen Fernsehen zu sehen und haben den Sprung über den großen Teich nie geschafft. Doch seitdem das Internet die Welt vernetzt hat, finden die zwar unterhaltsamen, aber trotzdem peinlichen Kurzauftritte der Hollywood-Stars den Weg zu ihren Fans. Auf japander.com sind die TV-Spots für jedermann zugänglich und in einem Archiv von A bis Z gesammelt.

Bizarre Promi-Auftritte in asiatischem Ambiente

Was ist ein Japander? Die Wortschöpfung aus "pander", was soviel wie Kuppler heißt und "Japan", beschreibt einen westlichen Star, der seine Bekanntheit dazu nutzt, in kurzer Zeit viel Geld zu scheffeln. Wie stellen ein Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis oder Richard Gere das an? Indem sie Artikel bewerben, die sie selbst wohl nie benutzen würden.

In den Werbefilmen sind vor allem die kulturellen Hintergründe und Traditionen Asiens nicht zu übersehen: Martial Arts, Manga und Anime üben deutliche Einflüsse auf Schnitt und Bildsprache aus, die Darsteller tragen oft aufwendige Kostüme und sind entsprechend landestypisch geschminkt.

Der muskelbepackte Arnie jongliert berauscht von einem Energy-Drink mit Männern. Für eine japanische Fluggesellschaft greift Richard Gere zur Klampfe und jault als Bob-Marley-Verschnitt "No Woman, No Cry". Ewan McGregor lullt den Zuschauer mit sich ständig wiederholenden, emotionalen Phrasen wie "Thank you" und "I love you" ein, um ihm Sprachschulen näher zu bringen. Mariah Carey macht als skurrile Amazone für Nescafe nicht gerade eine gute Figur. Wenn sich einmal kein Prominenter findet, treten auch Cartoons wie die Simpsons oder die Knetfiguren Wallace & Gromit in den Werbefilmen auf - selbstverständlich mit japanischer Synchronisation.

Harte Realität statt Satire

Aber nicht alle Hollywood-Helden sind davon begeistert, dass ihre Werbetrailer ins Internet gezerrt werden. Spots von Meg Ryan und Leonardo DiCaprio sind auf japander.com nicht mehr zu finden, da ihre Anwälte dem Betreiber der Website gerichtliche Schritte angedroht haben sollen, falls er die Werbefilme nicht aus seiner Sammlung entferne.

2003 hat Hollywood die japanische Reklame mit westlichen Stars als Filmthema entdeckt: In der Filmromanze "Lost in Translation" reist Bill Murray als abgehalfterter Schauspieler nach Tokio, um gegen großzügige Gage einen Whisky-Werbespot zu drehen. Was auf der großen Leinwand den Anschein einer Parodie hat, ist gnadenloser Realismus, und das Archiv auf japander.com wird weiter wachsen.


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