Nach RAM-Kauf im Netz Eine Odyssee durch den Dschungel des Online-Rechts


Der iMac benötigt eine Frischzellenkur, zusätzlicher Speicher muss her. Und das möglichst günstig. Bei Ebay findet sich ein verlockendes Angebot, der "Sofort-Kaufen"-Button ist schnell gedrückt. Doch der gelieferte Speicher ist defekt. Der Beginn eines monatelangen Tauziehens...
Von Jens Lubbadeh

Der iMac G3 ist ein schöner Computer. Dieses rosa. Wie ein gigantisches Bonbon. Doch der Zahn der Zeit hat am Rechner genagt; das Riesenbonbon ist - technisch gesehen - mittlerweile vollkommen ausgelutscht.

Aber einen solch schönen iMac kann man nicht einfach wegschmeißen. So beschließe ich, ihm eine kleine Frischzellenkur zu unterziehen. Die dringendste Maßnahme: ein bisschen mehr RAM.

Ein unschlagbares Angebot

Also mache ich mich auf die Suche. Bei Ebay sehe ich ein unschlagbares Angebot: 512 MB SD-RAM - für nur 39,99 Euro! Im Apple-Shop kostet derselbe Speicher fast das doppelte - da allerdings mit Garantie der Lauffähigkeit. Was nun? Soll ich das Wagnis eingehen? Warum denn nicht - schließlich habe ich ja 14 Tage Rückgaberecht. No risk, no fun, sage ich mir und drücke auf den "Sofort-Kaufen"-Button des Ebay-Shops. Es sollte der Beginn meiner Odyssee durch den Dschungel des Online-Rechts sein...

Ein paar Tage später ist der Speicher da. Ein wenig ärgern mich die mit 7,99 Euro übertriebenen Portogebühren, als ich den recht schlampig in ein Stück Pappe gehüllten RAM-Riegel auspacke.

Es musste ja so kommen...

Erwartungsvoll stecke ich das RAM in den iMac. Gleich, so hoffe ich, wird das alte Riesenbonbon abgehen wie eine Rakete. Ich schalte ein und... Piep. Piep? Der iMac piept und bleibt schwarz. Das war's. Leider nicht geklappt. Aber ich wusste ja, worauf ich mich einließ.

Also, Kommando zurück. Ich widerrufe meinen Kaufvertrag, der Verkäufer teilt mir mit, dass ich ihm die Ware zurücksenden soll, dann bekäme ich mein Geld zurück. Wie es denn mit der Erstattung der Portokosten aussähe, frage ich ihn. Sorry, aber bei einem Warenwert unter 40 Euro müsse ich die selber tragen, siehe AGBs. Gerade mal ein Cent liegt der Warenwert darunter, grrrrrr!

"Bevor wir die Ware nicht zurück haben, können wir Ihnen das Geld leider nicht zurück erstatten"

Na gut, aber nach den saftigen Portogebühren werde ich nicht noch einmal acht Euro hinblättern, beschließe ich. Das wäre für mich dann immerhin schon ein Verlust von 16 Euro! Also schicke ich das RAM - dennoch stabil verpackt - als Großbrief. Tage vergehen, Wochen vergehen - keine Nachricht, keine Rücküberweisung. "Bei uns ist nichts angekommen", teilt mir der Verkäufer mit. "Bevor wir die Ware nicht zurück haben, können wir Ihnen das Geld leider nicht zurück erstatten".

Die Pflichten des Verkäufers

Ich erinnere den Verkäufer mit einem Zitat aus der Passage "Widerrufsrecht" in seinen eigenen AGBs an seine Pflichten:

"Die Rücksendung erfolgt auf unsere Gefahr. Wir haften jedoch nicht für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit. Daher bitten wir Sie um eine ordnungsgemäße Verpackung der Rücksendung."

Einige (höfliche) Emails gehen hin und her, aber der Verkäufer bleibt hart: keine Ware, kein Geld. Von seiner Warte aus irgendwo verständlich - aber was kann ich dafür, wenn die Post schlampt? Zumal die AGBs für mich sprechen. War der Versand als Großbrief etwa grob fahrlässig?

Der Juristen-Tiger in mir ist geweckt

Ich studiere die AGBs des Verkäufer-Shops bis aufs Komma, dann die Ebay-Richtlinien für Verkäufer, besonders die Passage zum Widerrufsrecht, frage in den Ebay-Hilfeforen um Rat

Die Ebay-Richtlinien zu "Widerrufs- und Rückgaberecht" sagen folgendes:

Das Gesetz sieht vor, dass der Käufer ein Widerrufsrecht hat: Der Käufer, der sich vom Vertrag lösen möchte, muss dem Verkäufer dies durch ein formloses Schreiben (Fax oder E-Mail) oder durch die einfache Rücksendung des Kaufgegenstands mitteilen.

So weit, so gut - genau das hatte ich auch getan.

Das Widerrufsrecht hat gegenüber dem Rückgaberecht für den Unternehmer den Vorteil, dass er dem Verbraucher unter bestimmten Voraussetzungen [...] die Kosten der Rücksendung auferlegen kann, es sei denn, die gelieferte entspricht nicht der bestellten Ware.

...was leider in meinem Fall so war:

Warenwert unter 40 Euro, daher hatte ich die Rücksendekosten zu tragen.

Dann aber die entscheidende Stelle:

Nachteilig ist hingegen, dass der Unternehmer bereits mit dem Widerruf des Verbrauchers das gezahlte Geld erstatten muss und dann Gefahr läuft, dass der Käufer die Ware nicht zurücksendet und gerichtlich in Anspruch genommen werden muss.

Ich will mein Geld zurück!

Hah! Von wegen zuerst Ware zurückschicken und danach Geld zurück. Ich bin im Recht.

Auch im Forum macht man mich auf diesen - offenbar meist nur unter vorgehaltener Hand geäußerten - Sachverhalt aufmerksam. Kein Wunder, für den Verkäufer ist das ein wirklich gravierender Nachteil - unehrliche Käufer könnten dies schamlos ausnutzen, Dinge bestellen, den Kaufvertrag widerrufen, behaupten, sie zurückgeschickt zu haben, aber in Wirklichkeit die Sachen behalten. Aber ich bin kein unehrlicher Käufer. Und diese Gesetze habe ich ja nicht gemacht. Alles, was ich will, ist mein Geld zurück. Und ich bin im Recht.

Dies sieht der Verkäufer jedoch anders. Das Kräftemessen geht in eine weitere Runde. Lesen Sie hier, wie der Gang durch die Behörden verläuft.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker