Auch wenn Meta voll auf KI setzt: Vielen Whatsapp-Nutzern scheint der aufgezwungene Chat mit Meta AI eher ein Dorn im Auge zu sein. Ein Artikel zur Frage, wie man Whatsapps KI-Chat wieder loswird, gehörte zu den meistgelesenen stern-Texten des letzten Jahres. Ein großes Problem der Meta-KI: Der Konzern kann die Chats mitlesen. Das macht sie für Nutzer natürlich wenig vertrauenerweckend. Ein neues Feature soll das nun ändern.
Der in einem Blogpost angekündigte Modus klingt dabei wie ein Browsermodus aus den frühen 2000ern: „Incognito Chat“ soll es ermöglichen, mit dem KI-Bot quasi ein Gespräch unter vier Augen zu führen, verspricht Meta. Ganz ohne, dass der Konzern oder andere Personen etwas davon mitbekommen.
Whatsapp setzt auf private KI-Chats
Der Modus steht ab sofort für erste Nutzer zur Verfügung, wird dann in Wellen über mehrere Monate ausgerollt. Aktiviert wird der Modus über ein neues Symbol in den Einzelchats mit der KI. Wer darauf tippt, startet eine private Sitzung mit dem Assistenten, verspricht Meta.
Nach Angaben des Konzerns laufen die Gespräche dabei in einer speziell abgeschirmten Umgebung. „Niemand – nicht einmal Meta – kann deine Unterhaltungen lesen“, heißt es in der Ankündigung. Um noch mehr Privatsphäre zu erzeugen, verschwinden die Chats zudem standardmäßig, sobald man die Sitzung beendet. Auch gespeichert würden sie nicht. Schließt man die App oder sperrt das Smartphone, endet die Unterhaltung automatisch, die KI verliert den gesamten Kontext. Ganz so, als würde man den vom Browser bekannten „Privaten Modus“ auf einen KI-Chat übertragen.
Whatsapp setzt bei dem neuen Chat auf die sogenannte „Private Processing“-Technologie, die bereits letztes Jahr vorgestellt wurde. Die Idee dahinter: KI-Funktionen sollen genutzt werden können, ohne die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung des Messengers aufzuweichen. Meta setzt bisher etwa für die KI-Zusammenfassungen von Nachrichten auf die Technologie. Für den Inkognito-Modus hat der Konzern aber noch einmal die Fähigkeiten erweitert. Hier setzt Meta erstmals sein neues Modell „Muse Spark“ ein, das erst vor wenigen Wochen vorgestellt wurde. Damit sollen sich auch komplexere oder sensiblere Fragen beantworten lassen.
Eine KI für heikle Fragen?
Dass Meta das neue Feature ausgerechnet jetzt startet, dürfte kein Zufall sein. Immer mehr Menschen nutzen KI-Chatbots nicht nur für harmlose Fragen, sondern auch für sehr persönliche Themen – von Gesundheitsproblemen über finanzielle Sorgen bis hin zu Karriere- oder Beziehungsfragen. „Menschen beginnen, KI für alles zu nutzen, einschließlich einiger ihrer privatesten Gedanken“, sagte Alice Newton-Rex, Produktchefin bei Whatsapp, gegenüber dem Branchenportal „Techcrunch“.
Genau darin steckt allerdings auch ein Risiko. Erst im vergangenen Monat hatten Juristen darauf hingewiesen, dass Gespräche mit KI-Chatbots in bestimmten Fällen vor Gericht verwendet werden könnten. Anders als klassische Messenger-Nachrichten werden viele KI-Unterhaltungen eben nicht automatisch geschützt oder verschlüsselt gespeichert.
Meta versucht nun offenbar, genau diese Sorge auszuräumen – und gleichzeitig mit Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic gleichzuziehen. Sowohl ChatGPT als auch Claude bieten bereits Inkognito- oder temporäre Chatmodi an. Auch Anbieter wie DuckDuckGo oder Proton werben offensiv mit besonders datenschutzfreundlichen KI-Assistenten.
Meta denkt schon weiter
Der Inkognito-Modus dürfte dabei nur der Anfang sein. Meta kündigte bereits ein weiteres Feature namens „Side Chat“ an. Damit soll sich die KI direkt innerhalb laufender Whatsapp-Chats nutzen lassen – allerdings privat. Nutzer könnten die KI dann etwa bitten, eine Nachricht zu erklären oder Formulierungsvorschläge zu machen, ohne dass andere Teilnehmer im Chat davon etwas mitbekommen. Bislang funktioniert das nur umständlich: Wer eine Nachricht von der KI analysieren lassen will, muss sie kopieren oder die KI öffentlich im Chat markieren – sichtbar für alle Beteiligten.
Dass ausgerechnet Meta mit Privatsphäre wirbt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Der Konzern lebt schließlich davon, möglichst viele Daten über seine Nutzer zu sammeln. Dass der Facebook-Mutterkonzern nun aktiv damit wirbt, selbst keine Einsicht mehr in KI-Gespräche zu haben, zeigt vor allem eines: Bei Künstlicher Intelligenz führt an Vertrauen kein Weg vorbei.
Quellen: Meta, Techcrunch