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NEULICH IM NETZ: Kasse machen mit Links - vielleicht

Solange keine Molotow-Cocktails, Kinderpornografen oder Faschos im Spiel sind, sind Links im Internet hilfreich und legal - und kostenlos. Ohne sie gäbe es das Web in seiner Form gar nicht. Doch einige Firmen versuchen, mit Links Geld zu verdienen.

Mit den Links ist das so eine Sache. Linke Links, mussten gar Bundestagsabgeordnete erfahren, können ganz schön link sein, wenn sie beispielsweise auf Bombenbaupläne oder Verfassungsfeindliches verweisen. Aber solange keine Molotow-Cocktails, Kinderpornografen oder Faschos im Spiel sind, sind Links hilfreich und legal. Ohne sie gäbe es nicht das Web in seiner Form, denn die Vernetzung des Wissens, das ist ja der USP, wie die Marketing-Strategen sagen, die »Unique Selling Proposition«, vulgo: das Alleinstellungsmerkmal.

Kostenlos und erfolgreich

Eine Firma namens Euro-Cities AG bemüht sich derzeit nach Kräften, sich ebenfalls alleine zu stellen. Und das geht so: Das Unternehmen mit Sitz in Berlin betreibt das Angebot Stadtplandienst.de. Der Name ist Programm, denn hier gibt es zurzeit 77 Pläne deutscher Städte. Da kann man Straßen und Hausnummern suchen und sich anzeigen lassen. Neu: auch Herne und Bad Tölz. Das Angebot ist kostenlos und recht erfolgreich, nach eigenen Angaben zählten die Betreiber 2001 über 50 Millionen Zugriffe.

Wenn die AGB nicht rechtzeitig fertig sind...

Offenbar hat der »Alleinvorstand« der Euro-Cities AG, Herr Dr. h.c. Hans Biermann, davon jetzt genug. Seit dem 1. Juli verlangt die Euro-Cities AG Geld von Firmen, die auf die Stadtpläne verlinken. Allerdings noch nicht so richtig. Seit einigen Wochen prangt auf der Firmenwebseite der Hinweis, dass die überarbeiteten allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) »in Kürze verfügbar« seien. Sind sie aber immer noch nicht. Bis dahin lassen die Hauptstädter Gnade vor Recht ergehen: »'Unternehmer' können die bisherige kostenlose Verlinkungen noch solange weiter nutzen, bis der Stadtplandienst die Möglichkeit bereit stellen kann, einen Nutzungsvertrag für eine kostenpflichtige Verlinkung herzustellen.« Aber dann.

Ganz skurril wird es an anderer Stelle, da heißt es: »Aus technischen Gründen zur Zeit leider keine Neuverlinkungen möglich«. Na, wenn das so bleibt, ist ja alles gut. Keine Links, keine Kohle, kein Ärger, kein Stadtplandienst. Dabei hätten wir schon gerne gewusst, was der Link auf die Schlossallee kostet und ob die Badstraße billiger zu haben ist. Vielleicht macht das ja auch Schule, und der Link auf Kolumnen wie diese kostet 15 Kniebeugen und eine große Packung Hubba-Bubba. Pro 10.000 Zugriffe, versteht sich.

Doch bevor wir uns in rechtsunsicheres Land verirren, fragen wir zur Sicherheit mal nach - und wer wäre da geeigneter als die »Vereinigung Deutscher Sicherheits-Meister«, die ja eigentlich die Firma Renner Niemetz Feuerschutz ist, zu erreichen unter www.vdsm.de/. Die wissen Bescheid: »Das Internet lebt von Verweisungen (Links) auf andere Seiten, auf die wir jedoch keinen Einfluss haben. Da wir diese Seiten nicht ständig besuchen...«

»Der Bann des schrecklichen Schleies«

Den Link zu den Sicherheits-Meistern gibt es wegen der Gemeinnützigkeit weiter kostenlos, aber nur den. Alle anderen kosten Geld. Viel Geld. Ab Juli. Oder später, sobald es eben geht. Und wenn sich wer nicht dran hält? Dann wird die Seite mit dem »Bann des schrecklichen Schleiers« verblasst. Ein Opfer scheint es schon zu geben, die Sethos-Consulting, auch aus Berlin: www.sethos-consulting.de. Arme Kerle.

Guido Augustin

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