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Alle setzen jetzt auf bezahlte Inhalte im Internet und freuen sich darauf, reich zu werden. Und dann kommt dieser Marktforscher daher und warnt davor. Hat der denn gar keine Ahnung vom Internet und den Schafherden seiner Protagonisten?

So ein Spielverderber, der Trappel Josef. Wo doch jetzt alle auf bezahlte Inhalte im Internet setzen und sich so darauf freuen, reich zu werden. Da kommt dieser Marktforscher daher und warnt. Ja hat der denn gar keine Ahnung vom Internet und den Schafherden seiner Protagonisten?

Das wäre nicht gut. Na und?

Medienhäuser sollten nicht überhastet auf Bezahl-Modelle setzen, sagt der Trappel von Prognos. Das wäre nicht gut. Na und? Seit wann ist das ein Kriterium? Blick zurück: Es war einmal eine Zeit, da erwachte das Internet und mit ihm das World Wide Web zum Leben, nicht nur Militärs und Wissenschaftler tummelten sich darin, plötzlich sprachen selbst »Bild«-Zeitungen davon. Alles war toll. Und keiner wusste wieso. Also kam die Antwort aus den Berater-Etagen: Das ist toll, weil Portale so toll sind. Deswegen geht hinaus und portalt euch einen Wolf. Gesagt getan, die Schafe gehorchten und alle eröffneten Portale. War aber nichts.

B2C, B2B, Content4Cash...

Dann kam ein anderer Hirte und trieb die dummen Viecher auf die andere Seite des Tals: Haltet die andere Backe hin und macht B2C, Geld mit dem kleinen Mann. Dabei machen mit dem nur der jeweilige Bundesfinanzminister und die Brüder Aldi Kasse. War also auch nichts. Um es kurz zu machen: Dann folgte B2B, also immer mit Firmen für Firmen und war auch nichts, dann Content4Cash. Damit sind wir in der Gegenwart angekommen. Also zahlen, um was zu sehen, hören, lesen. Weil's mal wieder so schön verlockend klingt, weiden jetzt alle Schafe in diesem Tal und fressen sich gegenseitig das Gras weg. Und der Spielverderber Trappel sagt, da ist gar keins. Doofer Kerl der.

Egal was man jetzt von Trappel und seiner apokalyptischen Vision halten mag: Es gibt noch viel schlimmere Zeichen: Ein Verleger-Verband will sich des Themas annehmen. Wer ein wenig beobachtet hat, was die Herren Verleger so im Netz treiben oder eben auch nicht, weiß: Das muss schief gehen. Man erinnere sich nur an die OMS, ein Zusammenschluss von Tageszeitungs-Verlegern. Die Idee klang toll: Das Düsseldorfer Unternehmen sollte die ganzen Webauftritte der ganzen Zeitungen zentral vermarkten. Die OMS versuchte sogar, Portale zu machen, auch B2C und B2B standen auf der Projektliste. Doch es war wie mit der Lage der Büros. Die haben nämlich in nächster Nachbarschaft eine Süßwarenfabrik. das ist im Winter schon merkwürdig, wenn es nach Gummibärchen riecht, aber im Sommer, wenn die Spekulatius-Wolken in die Nobel-Büros schwappen, wird es unerträglich. Jüngst hat die OMS sogar die Vermarktung in fremde Hände gelegt, so, als wenn VW bei Opel Autos bauen lässt und sich auf Autostädte konzentriert. Nur dass die OMS keine Autostadt hat.

Der VDZ empfiehlt

Wohl gemerkt, es geht also nicht um einzelne Häuser, sondern um Verbände. Im aktuellen Beispiel um den der Zeitschriftenverleger, VDZ heißt er. Die haben jetzt nämlich ein »Paid-Content-Modell« gebaut. Klingt toll, nicht? Die Idee: Wenn die VDZ-Mitglieder im Internet Kassenhäuschen aufstellen wollen, sollen sie ein vom VDZ empfohlenes System einsetzen. Und damit nicht wieder alle weinen, empfiehlt der Verband derer gleich vier: AOL ist dabei, Firstgate, die Deutsche Telekom und noch einer. Empfänger unbekannt verzogen. Ist ja auch egal. Denn es geht ja eh schief... sagt Trappel Josef. Übrigens: Das VDZ-Kind heißt »Phoenix«.

Guido Augustin

H&A Medien


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