NEULICH IM NETZ Wir sehen uns auf der CeBIT 2003


Die CeBIT kommt. Und mit ihr Pressemitteilungen wie diese: »WorldCom präsentiert VIPeR für IP VPNs«. Und genau das ist das Problem der gesamten IT-Welt. Nicht viel Neues. Wenn doch, versteht's keiner. Und wenn trotzdem, interessiert es nicht.

Die CeBIT kommt. Und mit ihr Pressemitteilungen wie diese: »WorldCom präsentiert VIPeR für IP VPNs«. Und genau das ist das Problem der gesamten IT-Welt. Nicht viel Neues. Wenn doch, versteht's keiner. Und wenn trotzdem, interessiert es nicht.

Die Currywurst fast so teuer wie ein Pentium 4

Wenn die Hannover Messe auf ihr zugiges Gelände lud, hieß es immer immer viel viel mehr. Die Besucherzahlen stiegen wie Prozessor-Taktraten in unerreichte Höhen. Und jetzt das: »Übersichtlicher, konzentrierter, besucherfreundlicher« werde die CeBIT 2002. Liebe Macher der angeblich wichtigsten IT-Messe der Welt: Seit wann interessieren euch Nebensächlichkeiten wie Übersichtlichkeit bei (geschätzten) 234 Buslinien auf dem Messegelände und Myriaden von Aufkleber-sammelnden Kids? Seit wann kann sich irgendwer auf der CeBIT auf irgendwas konzentrieren? Was heißt denn Besucherfreundlichkeit bei hoffnungslos überlastetem Nahverkehr und Imbiss-Preisen in der Größenordnung eines Desktop-PCs?

An der 8.000-Aussteller-Hürde gescheitert

Da haben die Herren und Damen der Messe wohl Kreide fressen müssen, weil es eben der ganzen Branche nicht mehr so supi-cool geht. Vorsichtig formuliert. 2002 kommen weniger Aussteller - wie wenige Tage vor Toresöffnung bekannt wurde. Zuvor hatte sich die Messeleitung noch mühsam über die Vorjahresmarke von 8.093 Ausstellern gehangelt - jetzt wurde korrigiert: 7.962 sollen es jetzt sein und auch die Ausstellungsfläche schrumpfte quasi über Nacht auf 424.173 Quadratmeter. Mit welcher Software diese wachsweichen Fakten gewürfelt wurden, ist nicht bekannt.

Mutmaßlich gibt es auch weniger Innovationen. Was sollen sie denn auch erfinden? Mehr denn je klingt das pelzige Gefühl auf der Zunge der PR-Schreier durch - irgendwie gibt es ja schon alles irgendwie. Wegen ein paar Megahertz mehr braucht kaum jemand eine Messe, und der Trend zum Dritthandy taugt auch nicht zum Publikumsmagnet. Eigentlich die ideale Gelegenheit, endlich mal den ganzen Mist vergangener Jahre rauszufegen und bestehende Technologien reifen zu lassen, dafür zu sorgen, dass Schlagworte wie Bluetooth, Heimvernetzung und integrierte Services endlich praxistaugliche Realität werden.

Sparen, sparen, sparen

Gleichzeitig sollten wir solche Messen immer im Zusammenhang mit dem 11. September sehen. Nicht, dass an diesem Tage die Weltwirtschaft irreparable Schäden erlitten hätte - aber die Terroranschläge wirkten in bereits Krisen-geschüttelten Branchen als Teilchenbeschleuniger. Plötzlich wurde massiv entlassen und gespart, gespart, gespart. Auch in der IT-Branche. Und so eine dicke Messe bietet dafür ideale Voraussetzungen. Wer mehr will als eine Wabe auf dem taiwanesischen Gemeinschaftsstand, ist für eine CeBIT hast-du-nicht-gesehn seine erste Million los. Oder seine letzte.

Nur interessant für Aufkleber-Fetischisten

Wir sehen uns auf der CeBIT 2003. Bis dahin ist der unnütze Mitarbeiterbestand abgehobelt, dank Messeverzicht und Etatverschleppung sind wieder ein paar Euro (oder Dollar) in der Kriegskasse, und die Ingenieure haben genug Zeit gehabt, sich was Vernünftiges einfallen zu lassen. Warum man trotzdem auf die CeBIT 2002 soll? Kein Ahnung. Oder braucht jemand Aufkleber?

Guido Augustin

H&A medien


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