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Onlinecommunity "Habbo Hotel": Virtuell geklaut, echt festgenommen

In den Niederlanden ist ein 17-Jähriger verhaftet worden, weil er Möbel gestohlen haben soll. Virtuelle Möbel aus einer Online-Community. Der Schaden ist allerdings real, die Besitzer hatten für die Einrichtungsstücke insgesamt einige tausend Euro bezahlt.

Tatort "Habbo Hotel": In dieser Internet-Community mit 3D-Grafik soll ein 17-Jähriger Niederländer virtuelle Möbel gestohlen haben. Er wurde von der Polizei festgenommen, nachdem "Habbo"-Betreiber Sulake ihn wegen Diebstahls angezeigt hatte. Weitere fünf Jugendliche im Alter von 15-Jahren wurden befragt. Der entstandene Schaden wird mit 4000 Euro angegeben.

Wer ins "Habbo Hotel" eincheckt, sollte ein Faible für knuddelige Männchen in Comicgrafik und Spaß am Einrichten von Wohnungen haben. Im Jahr 2000 startete die finnische Firma Sulake das Angebot, in dem sie Community-Funktionen mit einer einfachen, im Internetbrowser lauffähigen 3D-Grafik verband und jedem Mitglied ein eigenes "Zimmer" zur Verfügung stellte, das jeder nach seinem Geschmack einrichten konnte. Inzwischen leben laut Unternehmensangaben mehr als sechs Millionen Menschen in 30 Ländern ihren Traum vom virtuellen schöner Wohnen.

Wie im richtigen Leben gibt es das Besondere nicht umsonst: Für wirklich coole Stücke muss der Hotelbewohner bei Habbo bezahlen - echtes Geld. So bekommen virtuelle Stühle und Tische einen monetären Gegenwert. Und wer die klaut, sei nicht nur ein virtueller Dieb, sondern auch ein echter. "Es ist Diebstahl, weil die Möbel mit echtem Geld bezahlt wurden", sagte ein Sulake-Sprecher gegenüber der BBC.

Nach Phishing-Manier

Die Vorwürfe der Ermittler gegen den holländischen Teenager ließen auf gewisse kriminelle Energie schließen, wenn sie sich bewahrheiteten: In der Manier von Phishing-Betrügern habe er die Website von "Habbo Hotel" gefälscht, naive Kunden angelockt und dazu gebracht, sich mit ihren Daten einzuloggen. Mit den so gewonnen Informationen habe der 17-Jährige die fremden Benutzerkonten einsehen und virtuelle Güter in seine eigenen Räume bringen können.

Es ist das erste Mal, dass es in einem solchen Fall zu einer Festnahme gekommen ist. Die Firma scheint ein Exempel statuieren zu wollen. Denn das Problem existiert schon länger: "Wir haben uns eingemischt, weil wir eine steigende Anzahl an Websites wahrnehmen, die vorgeben, Habbo Hotel zu sein", so ein Firmensprecher.

Ralf Sander
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