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Soziale Netzwerke: Verbrecher twittern sich die Polizei herbei

Twitter und Facebook werden zur Allzweckwaffe für Polizei und Ermittlungsbehörden. Täter prahlen in den sozialen Netzwerken mit ihren Straftaten und verabreden sich.

Mit Hilfe von Twitter hat die kalifornische Polizei eine kriminelle Organisation entlarvt, der sie seit Monaten auf der Spur war. Die Ermittler weiten ihr Einsatzgebiet auch auf Soziale Netzwerke wie Facebook aus. Im Fall der kalifornischen Bande kam der entscheidende Hinweis nach der Festnahme eines Mannes, der sogenannte Partydrogen verkauft hat. Als er schon kurz darauf wieder freigelassen wurde, vermuteten seine Freunde und andere Bandenmitglieder sofort einen Deal mit der Polizei. Sie verdächtigten ihn als Informanten und verschickten entsprechende Warnungen über Twitter. Die Polizei verfolgte diese Tweets und beobachtete, wie andere sich der Diskussion anschlossen und belastende Informationen hinterließen. So stießen die Ermittler auf drei weitere Bandenmitglieder, die wegen Drogenvergehen festgenommen wurden.

Gängige Rechercheform unter Ermittlern

Nach Angaben aus Polizeikreisen nutzen Straftäter immer häufiger Twitter, Facebook oder MySpace. Manchmal hinterlassen sie auch Hinweise, die den Polizisten helfen, weitere Mitglieder einer Organisation zu identifizieren und mehr über ihre Struktur zu erfahren. "Da lernt man Leute kennen, von denen man vorher nichts wusste", sagt Dean Johnston von der Drogenpolizei in Kalifornien. Technisch versierte Gangster sind schon lange in Chatrooms zuhause. Inzwischen aber beobachten die Behörden einen Trend zu Twitter und Facebook. Dort tauschen sich Straftäter aus, prahlen mit ihren Taten, teilen Informationen über Rivalen aus und vernetzen sich mit anderen. "Davon gibt es immer mehr", sagt Johnston. Selbst über Schießereien werde auf diese Weise gesprochen.

Betreiber arbeiten mit Behörden zusammen

Im Fall einer anderen Bande in Kalifornien gelang es den Ermittlern, sich verdeckt mit Bandenmitglieder zu vernetzen. "Wenn man erst einmal in eine Facebook-Gruppe hineingekommen ist, ist es relativ leicht", sagt Johnston. In die Netzwerke hineinzukommen, ist offenbar nicht besonders schwer. So geben sich Polizisten schon mal als hübsche Mädchen aus und verbinden ihre Freundschaftsanfrage mit einem Flirt. Daneben gibt es auch Informanten, die mit der Polizei zusammenarbeiten und dieser die Daten für den eigenen Account überlassen. Schließlich bitten die Behörden auch die Betreiber der Netzportale um Unterstützung. Vertreter von Twitter und Facebook bestätigten, dass sie regelmäßig mit der Polizei zusammenarbeiten und ihnen Informationen über einen Account-Inhaber geben, wenn ihnen ein Durchsuchungsbefehl vorliegt. Die Aktivitäten von Straftätern spiegelten nur den Trend in der Gesellschaft im allgemeinen, sagt Hauptmann Walt Myer, Direktor der Taskforce Bandenkriminalität im kalifornischen Bezirk Riverside. "Wenn eine neue Technik aufkommt, dann wird sie auch genutzt."

Thomas Watkins/AP / AP