HOME

Krieg mit "Vanity Fair": Tinder twittert sich in den PR-Super-GAU

Aus Sicht der Zeitschrift "Vanity Fair" steht Tinder für ein Zeitalter, in dem nur noch schneller Sex zählt. Auf einen entsprechenden Artikel reagiert die PR-Abteilung der Dating-App mit einer Reihe von Ausrastern auf Twitter. Hier die amüsante Chronik.

Tinder reagierte auf einen kritischen Artikel des Magazins "Vanity Fair" mit einer Flut von Nachrichten bei Twitter.

Ist Tinder nur gut für schnellen Sex? "Ja", schrieb "Vanity Fair". Tinder reagierte mit einer Flut von Nachrichten auf Twitter.

Worum geht es bei der Dating-App Tinder? Um die große Liebe oder doch nur schellen Sex? Diese Frage war der US-Zeitschrift "Vanity Fair" eine ausführliche Abhandlung über das Dating im digitalen Zeitalter wert. Der Befund: Sex! Unverbindliche Schäferstündchen, die dank der Wisch-und-weg-Technologie in jeder Bar zu haben seien. "Tinder and the Dawn of the Dating Apocalypse”, titelt das Magazin in seiner September-Ausgabe. Für die Dating-App ein Fehdehandschuh. Auf Twitter rastete die Social-Media-Abteilung der App aus: 30 Tweets in zwei Tagen, allesamt mit dem Ziel, den Artikel zu zerreißen, die Autorin des Artikels zu diskreditieren und zu beweisen, dass Tinder eine Welt der ganz großen, lauteren Gefühle sei, die sogar im diktatorischen Nordkorea für ein bisschen Liebe in der Luft sorgt.

Journalisten müssen doch Tinder fragen

Phase eins der Kernschmelze: Attacke auf die Autorin Nancy Jo Sales. Sie habe schlecht recherchiert, berichte zu einseitig und befrage einfach die falschen Leute. Was aber am meisten schmerzt: Die Autorin wagte es, den Artikel zu schreiben, ohne die Tinder-Leute und die Tinder-Umfragen zu bemühen. Ein Affront!

Liebes-Maschine

Phase zwei: Tinder ins rechte Licht rücken. Die App sei alles andere, nur keine One-Night-Stand-Generierungs-Maschine. Auf Sex-Abenteuer sei schließlich nur eine Minderheit der Tinder-Nutzer aus. Die Mehrheit sei auf der Suche nach ernsthaften Beziehungen. Und als verheiratete Sex-Egomanen will Tinder seine User erst recht nicht abstempeln lassen. 

Amors Pfeile für Nordkorea

Phase drei: Den Journalisten Unterricht erteilen. Denn Tinder weiß, wer die besten Interviewpartner abgibt. Statt Großstadt-Singles solle man doch lieber Pärchen befragen, die geheiratet haben. Oder Homosexuelle, die in orthodoxen Gesellschaften sonst keine Chance hätten, zueinander zu finden. Auch bei der Themensuche gibt Tinder gerne Nachhilfe und liefert Vorschläge en masse. Am besten täten die Journalisten aber gut daran, mit Chinesen oder Nordkoreanern zu sprechen. Dort, wo Facebook gesperrt ist, offenbare Tinder einen Weg, trotzdem Leute kennenzulernen. 

Diese Steilvorlage konnten Twitter-Nutzer nicht unegnutzt an sich vorbeizwitschern lassen. Schließlich ist ein Facebook-Account eine unabdingbare Voraussetzung für eine Tinder-Anmeldung.

Auch sonst sorgt die Reaktion von Tinder auf die vermeintlich unvorteilhafte Berichterstattung für Hohn. Umso schlimmer, da die gesamte Aktion eine geplante PR-Kampagne zu sein scheint, wie das Medenmagazin "Adweek" annimmt.

Aber trotz der bösen "Vanity Fair", eins weiß man bei Tinder ganz sicher: Tinder wird die Welt verändern.

Die gesamte Abfolge der Tweets, die sich in ihrer Absurdität zu überbieten suchen, können Sie hier auf dem offiziellen Twitter-Account von Tinder nachlesen.

Themen in diesem Artikel