webreporter Theater der virtuellen Strippenzieher


Dass die alte Kunst des Puppenspielens eine Inspiration für moderne Animationen im Internet sein kann, erscheint

Dass die alte Kunst des Puppenspielens eine Inspiration für moderne Animationen im Internet sein kann, erscheint nur auf den ersten Blick überraschend. Die Art, wie Marionetten geführt werden also an Fäden von Puppenspielern im Hintergrund -, stand schon früh Pate, wenn es darum ging, computergenerierten Gestalten in Film und Fernsehen in Echtzeit Leben einzuhauchen. Ein verkabelter Schauspieler hinter den Kulissen vollführte die Bewegungen, die der Rechner auf die Pixelfigur übertrug.

Auf eine andere Weise, aber dennoch dem alten Prinzip des »Im-Hintergrund-die-Fäden-ziehens« verhaftet, produziert die San Franciscoer Firma »Dotcomix« ihre Webcartoons. Die Darsteller sind dabei immer dreidimensional generierte Figuren, die dem Betrachter als Datenpaket vor dem Start der Animation auf die Festplatte geschoben werden. Die Puppe kommt sozusagen ins Haus. Gesteuert wird sie aber von außerhalb: Ist der Held auf der heimischen Harddisk eingetroffen, bekommt er aus dem Web Befehle, wie er sich zu verhalten hat. Diese Konstruktion hat den Vorteil, dass sich bei einer geringen Datenmenge eine sehr gute Grafikqualität und eine überraschende Länge der Geschichten von mehreren Minuten erreichen läßt. Der Download der Puppe umfasst einige hundert Kilobyte, häufig weniger. Dadurch werde es auch Usern mit langsamen Leitungen möglich, diese Cartoon zu genießen, sagte Dotcomix-Gründer Brad de Graaf den »WiredNews«. Und die Produktion eines Trickfilms sei wesentlich einfacher und preiswerter, weil ein Animator nicht jede Bewegung der Figur neu erstellen muss.

Diese Technik hat noch ein weiters Feature, das keine Filmdatei bieten kann: Der Betrachter kann die Figur während des Cartoons drehen und von verschiedenen Kameraperspektiven betrachten. Bei der Präsidentensatire »Virtual Bill«, die Dotcomix für MTV herstellt, läßt sich angeblich (der WebReporter hat es nicht geschafft) sogar auf eine »Monica Cam« schalten der Blickwinkel schräg von unten.

Auf einem ähnlichen Prinzip der Zwischenspeicherung auf der Festplatte des Users basieren auch die interaktiven Filme von »Brilliant Digital«. Previews gibt es für jedermann auf der Website zu sehen. Wer die ganzen Geschichten anschauen und den Verlauf der Story mitbestimmen will, muss sich anmelden und gegebenfalls auch zahlen.


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