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Auf dem rechten Weg: Wie die "Christen in der AfD" in Kirchen auf Wahlkampftour gehen

Joachim Kuhs ist Vizevorsitzender der "Christen in der AfD" und gilt als einflussreicher Strippenzieher seiner Partei. Sein Ziel: AfD-Positionen in evangelische und katholische Gemeinden tragen.

Von Frank Brunner und Rainer Nübel

Wie die "Christen in der AfD" ihre Positionen in die Kirche bringen wollen

Joachim Kuhs (in der Mitte mit Bart), Vizevorsitzender der Vereinigung "Christen in der AfD"

Picture Alliance

An einem Dienstagmorgen sitzt Joachim Kuhs am Schreibtisch seines Arbeitszimmer und erklärt, warum er ein guter Christ ist und kein ausländerfeindlicher Rechtsradikaler. Zwei Stunden Zeit nimmt er sich dafür. Im Wohnzimmer hat sich die Verwandtschaft versammelt. Kuhs ist ein Familienmensch. Kein Auftritt, bei dem er nicht seine zehn Kinder erwähnt. Bei seinen Parteifreunden in der AfD kommt das gut an. Seine Frau fragt ihn schon mal, ob er nicht auch über etwas anderes reden könne. Kuhs kann. Er spricht dann über seine zwölf Enkel.

Kuhs, graue Haare, hohe Stirn, grauer Bart, ist ein freundlicher Mann. Er sagt: "Mit Medien habe ich überwiegend gute Erfahrungen gemacht." Ein Satz, den man selten hört von AfD-Funktionären. Unklar bleibt, ob er das ernst meint. Auf seinem Facebookprofil teilt er Beiträge, in denen über ein "Medienkartell" und "Hetzmedien" geklagt wird. Kuhs selbst schreibt von "Hauptstrompresse". 

Wer ihn trifft, erlebt einen Mann, der seine Sätze sorgsam wählt. Die Krawallrhetorik eines Björn Höcke ist dem verbeamteten Referatsleiter im Rechnungsprüfungsamt Freiburg fremd. Kuhs sagt: "Ich möchte zeigen, dass die Stigmatisierung der AfD auf tönernen Füßen steht."

Dabei beherrscht er das Kunststück, seine Aussagen so zu wählen, dass sich auch Mitglieder am rechten Rand der Partei damit identifizieren können. So betont Kuhs: "Es gibt zwar lautstarke Gruppen innerhalb der Partei, die die Meinungsfreiheit höher stellen, als das Grundgesetz, aber solange wir den Paragraph 130 haben - und den haben wir sicher noch eine Weile - müssen wir alles tun, um eine Kriminalisierung zu vermeiden." Das ist feinsinnig formuliert. Denn problematisch ist demnach die Strafbarkeit von Volksverhetzung und die daraus resultierenden möglichen Konsequenzen für die AfD - nicht aber Diskriminierung an sich. Kuhs sagt, an Höcke störe ihn nicht die Überbetonung des Nationalen, sondern, dass er die AfD "in eine soziale, ja fast in eine sozialistische Partei umfunktionieren" wolle. "Das habe ich zumindest seinem Buch entnommen", so Kuhs. "Wenn jetzt die abgehängten Leute im Osten in der AfD eine neue linke Partei sähen - das wäre dann nicht mehr meine AfD."

Expertin Bednarz: AfD trägt diskriminierende Positionen in christliche Milieus

Liane Bednarz nennt Kuhs einen der einflussreichsten AfD-Christen hierzulande. Für die Autorin des Buches "Die Angstprediger. Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirche unterwandern", gehört der 62-jährige Vizevorsitzende der Vereinigung "Christen in der AfD" zu einer Gruppe von gut vernetzten Gläubigen, die AfD-Positionen in evangelische und katholische Milieus tragen. Bednarz sagt: "In vielen Gemeinden sind einzelne Mitglieder zunehmend bereit, diskriminierende Ansichten über Homosexuelle und Muslime zu übernehmen." Besonders anfällig seien sehr konservative Katholiken und evangelikale Christen in- und außerhalb der Landeskirchen, also teilweise auch Gläubige, die in Freikirchen organisiert sind." Kuhs lächelt, wenn er so etwas hört.

"Wenn Frau Bednarz meint, dass Christen AfD-Positionen übernehmen, dann freut mich das." Wichtig ist ihm aber: "Das ist keine Unterwanderung, sondern es setzen sich einfach die richtigen Positionen durch." Kuhs ist Gemeindeältester und Laienprediger einer unabhängigen Anglikanischen Gemeinde in Baden-Baden, die einer strengen Bibelauslegung folgt.

Der Pfarrer von Kuhs‘ Freikirche, Frederick Haas, hielt 2016 einen Gottesdienst zum AfD-Bundesparteitag in Stuttgart ab. Daraufhin kündigte das Erzbischöfliche Ordinat in Freiburg den Gottesdienstraum, den Haas und seine Gemeinde im katholischen Kloster zum Heiligen Grab nutzten. Eine Sprecherin der Erzdiözese sagt gegenüber dem stern: "Der öffentlichkeitswirksame Auftritt von Herrn Haas machte die Verantwortlichen im Erzbistum Freiburg noch einmal darauf aufmerksam, wie dringend nötig eine Distanzierung des Bistums von dieser Kirche war, die sich katholisch nennt, aber nicht katholisch ist." Zudem habe Haas versucht, katholische Geistliche für seine Gemeinschaft abzuwerben, was allen ökumenischen Absprachen widerspreche, teilt die Sprecherin mit.

Kuhs sieht das anders: "Als bibeltreue Gemeinde hatten wir im liberalen Baden-Baden von Anfang an einen schwierigen Stand; meine Arbeit für die AfD hat diese Situation nicht verbessert." So habe er zum Pastor des Gospelhauses, eine freikirchliche Gemeinde der Pfingstbewegung, zu deren Gottesdiensten bis zu 1000 Menschen kommen, zwar ein gutes Verhältnis. Doch als er im Gospelhaus für seine Bundestagskandidatur werben wollte, bekam er im - Gegensatz zum Kandidaten der CDU - keine Zusage. 

Streit um geplanten AfD-Vortrag im Gospelhaus

Der Pastor des Gospelhauses heißt Markus Oppermann. Gegenüber dem stern betont er: "Kuhs zählt für mich zu den vernünftigen Leuten in der AfD." Den Vorwurf, dass er mit zweierlei Maß messe, weißt er zurück; "Politiker sind im Gospelhaus immer willkommen - aber nicht um politische Reden zu halten, sondern als Gäste." Der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete habe "schon einmal ein Grußwort gesprochen", doch grundsätzlich wolle man keine politischen Vorträge. Ob es in seiner Gemeinde AfD-Sympathisanten gebe, wisse er nicht.

Für Liane Bednarz ist das kein Grund zur Entwarnung. "Nach außen positionieren sich die offiziellen Landeskirchen, aber auch viele Freikirchen gegen rechts. Aber innerhalb der Gemeinden scheuten Pfarrer oft die Auseinandersetzung. Vielen Gemeindemitgliedern sei nicht bewusst, dass sie sich gedanklich bereits im rechten Milieu bewegen; sie glauben, sie seien immer noch konservativ. Doch wo verläuft die Grenze zwischen konservativen und rechten Christen?"

Alexander Gauland sitzt vor einem schwarzen Hintergrund und kratzt sich mit dem linken Zeigefinger im linken Augenwinkel

Konservativ seien Christen, die beispielsweise darauf beharrten, dass Gott eine Ehe nur zwischen Mann und Frau vorgesehen habe und das deshalb aus ihrer Sicht eine Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren nicht Gottes Wille sein kann, sagt Juristin Bednarz. Es gehe also um die Institution Ehe. Rechts sei es, wenn sich das Argumentation diskriminierend gegen Homosexuelle richte. Wenn etwa AfD-Anhänger behauten, Homosexuelle zerstören die Ehe zwischen und Mann und Frau und richten Deutschland zugrunde, weil bald keiner mehr Kinder zeugt. Oder wenn behauptet wird, Homosexuelle würde die Gesellschaft "verschwulen" und Kinder "früh-sexualisieren".

Analog dazu sei es beim Thema Islam. Bednarz: "Konservative Christen sagen: Muslime beten nicht zum selben Gott wie wir. Allah ist nicht unser Gott. Rechte Christen sprechen von der drohenden 'Islamisierung' der Gesellschaft oder bezeichnen Muslime pauschal als Terroristen.

"Manche Pfarrer könnten auch Angst haben, sich rechter Einflussnahme entgegenzustellen", vermutet Bednarz. "Mitglieder rechter Gruppen sind oft äußerst aktiv, sie starten Kampagnen gegen Christen, die ihnen zu links erscheinen", sagt Bednarz, die sich selbst als konservative Christin sieht. Besonders im Osten befürchteten Pfarrer zudem, Gemeindemitglieder zu verlieren, die mit der AfD sympathisierten. Kuhs sagt: "Wenn im Osten die Kirchenfürsten merken, dass ihnen die Schäfchen davonlaufen und sie sich deshalb mit unseren Ansichten auseinandersetzen, dann freue ich mich." Im Westen sei das leider anders. Die wenigstens würden das AfD-Programm lesen. Sonst würden sie merken, dass die Partei gerade in der Familienpolitik christliche Positionen vertrete.

AfD-Mann Kuhs will Einfluss, aber keine Aufmerksamkeit

Wie reagiert Kuhs auf Ablehnung? "Ich persönlich halte mich erst einmal zurück. Ich will bei anderen Christen meine Botschaft verkünden, bleibe aber gerne unter der öffentlichen Aufmerksamkeitsschwelle", sagt er. "Ich versuche schriftlich zu wirken." Erst kürzlich erschien die zweite Auflage der Buches "Warum Christen AfD wählen", das Kuhs herausgegeben hat. Im Vorwort schreibt Kuhs: "Christen können, ja sollten AfD wählen, auch wenn viele Kirchenvertreter ständig und mit wachsender Vehemenz das Gegenteil behaupten."

Ganz so erfolglos, wie Kuhs suggeriert, sind seine Bemühungen aber offenbar nicht. Im Gospelhaus von Markus Oppermann stünden viele Mitglieder der AfD positiv gegenüber, was er unter anderem daran erkenne, dass sein Buch dort gut nachgefragt werde.

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Deutsche Bischofskonferenz schweigt zu Treffen mit AfD-Vertretern

Stolz berichtet er, dass der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Karl Jüsten, ihn und weitere Sprecher der "Christen in der AfD" zu einem Gespräch empfangen hat. Ein Sprecher der Bischofskonferenz bestätigt: Man führe Gespräche mit Vertretern der im Bundestag und in den Landtagen vertretenen Parteien. Worum es beim Gespräch mit AfD-Mann Kuhs ging, will er nicht verraten: "Über Inhalte geben wir keine Auskunft." Der Frage, welchen Einfluss die AfD auf die Kirche hat, weicht er aus. Dazu habe man sich häufig und hinlänglich geäußert, so der Sprecher und verweist auf eine fast zwei Jahre alte Erklärung von Kardinal Reinhardt Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. In der Erklärung wird der Einfluss der AfD auf die katholische Kirche jedoch nicht thematisiert.

Mit dem Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Baden-Baden, Thomas Weiß, habe es ebenfalls ein "offenes Gespräch" gegeben, sagt Kuhs. Weiß erinnert sich: "Ich habe Kuhs bewusst eingeladen, weil ich die Auseinandersetzung mit seinen Positionen suchte." Er habe das konservative Familienbild und die Anti-Abtreibungshaltung innerhalb der AfD angesprochen, auch Chauvinismus und Rassismus. Kuhs habe ihm zu verstehen gegeben, dies alles sei in der Partei nicht so schlimm. "Es hat an diesem Abend nicht gekracht, aber es gab eine klare Positionierung – auf beiden Seiten."

Pfarrer Weiß hat festgestellt, dass es in seiner Pfarrgemeinde und auch in anderen Gemeinden AfD-Sympathisanten gibt. Ob Kirchenmitgliedschaft und AfD-Zugehörigkeit vereinbar ist, damit müsse sich die evangelische Landeskirche, die 2019 vor Kirchenwahlen steht, intensiv auseinandersetzen. Die Haltung des 57-Jährigen ist klar: "Das geht nicht. Es ist unvereinbar."

Mehr zu dem Thema lesen Sie im neuen stern, der am Donnerstag erscheint.

fs
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.