VG-Wort Pixel

6 Millionen deutsche Rufnummern Das Whatsapp-Datenleck sieht laut eines Experten wie Schwindel aus – problematisch ist es trotzdem

Frau mit Handy, Whatsapp Logo
Im Grunde ist es egal, wie die eigene Rufnummer im Netz gelandet ist. (Symbolbild)
© Whatsapp und mdphoto16 / Getty Images
Vergangene Woche machte eine Meldung über eine halbe Milliarde gestohlener Whatsapp-Kontakte die Runde – auch der stern berichtete. IT-Experte und Rechtsanwalt Christian Solmecke hält die Panik für unangebracht – denn die Daten seien wahrscheinlich kalter Kaffee.

487 Millionen aktive Whatsapp-Konten, davon etwas mehr als sechs Millionen Kontakte aus Deutschland. Der Bericht des IT-Fachmagazins "Cybernews" schlug in der vergangenen Woche hohe Wellen (hier erfahren Sie mehr). Der Bericht war auch deshalb so brisant, da Teile des vermeintlichen Hacks zu Testzwecken überprüft und verifiziert worden sind – hinter den Rufnummern, die ein Hacker in einem Szene-Forum zum Verkauf anbot, stecken also echte Personen.

"Whatsapp-Hack" wohl voller alter Daten

IT-Experte und Rechtsanwalt Christian Solmecke nahm die zahllosen Berichte zur Kenntnis, war jedoch aufgrund seiner Arbeit an dem Facebook-Datenleck aus dem vergangenen Jahr (hier erfahren Sie mehr) skeptisch. Vor etwa anderthalb Jahren gab es nämlich einen ganz ähnlichen Fall, mit dem sich der Facebook-Mutterkonzern Meta plagen musste und noch heute die Nachwirkungen spürt.

Anfang 2021 veröffentlichten Hacker die privaten Informationen von mehr als 530 Millionen Nutzerinnen und Nutzern des sozialen Netzwerks öffentlich im Netz. Darunter E-Mail-Adressen, Standort, Beziehungsstatus und eben Telefonnummern.

Schon damals setzte die Kölner Anwaltskanzlei "WBS Legal" eine Webseite auf, bei der sich anhand der Rufnummer prüfen lies, ob die eigenen Daten unfreiwillig ihren Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben.

Als nun die Meldungen über den Whatsapp-Datenleck aufkamen, vermutete Christian Solmecke, dass Zusammenhänge bestehen könnten. Der Anwalt kontaktierte den vermeintlichen Hacker und Verkäufer und bat um eine Probe der Daten.

Whatsapp-Datenleck verglichen – und fündig geworden

In einem Video auf Youtube veröffentlichte er nun seine Ergebnisse. Seine Theorie: Das Rufnummern-Paket, welches aktuell zum Verkauf steht, besteht aus alten Daten aus dem letztjährigen Facebook-Hack, die jemand neu verpackt hat.

Mit einem schnellen Vergleich weist Solmecke nach, dass es sich offenbar tatsächlich um sehr ähnliche – wenn nicht sogar die gleichen Daten – handelt. Einziger Unterschied: Das Facebook-Leck enthält wesentlich mehr Informationen und enthält mehr Namen, ansonsten finden sich die Angaben aus der Verkaufsprobe in gleicher Form im alten Leak wieder.

Solmecke zieht sein Fazit: "Ich gehe aktuell davon aus: Es gibt kein neues Datenleck. Auch wenn alle Medien geschlossen darüber berichten, muss ich sagen: Da die Abfolge der Namen im Whatsapp-App-Datenleck [...] komplett identisch ist, [...] würde ich sagen, hier ist ein findiger Mensch hergegangen [...] und hat das dann neu [...] angeboten." Seiner Meinung nach zeige das, wie groß das Potential für Datenmissbrauch ist, wenn persönliche Angaben einmal im Netz gelandet sind.

Da der Kanzlei die Daten aus dem offenbar ursprünglichen Leck in vollem Umfang vorliegen, weist der Anwalt nicht ganz uneigennützig darauf hin, dass man über seine Webseite prüfen könne, ob man betroffen ist. Sollte das der Fall sein, bietet "WBS Legal" an, einen Termin zu einer kostenlosen Erstberatung über weitere Schritte zu vereinbaren. Im Video wirbt Solmecke über Einblendungen mehrfach damit, dass man für den Fall, dass die eigenen Daten im Leck gelandet sind, 1000 Euro von Facebook erhalten könne.

Mehr zum Thema

Newsticker