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Amazon Echo und der Datenschutz: Die Überwachung steckt längst in der Hosentasche

Amazons neuer Alltagsassistent Echo ist für viele Menschen ein Datenschutzalbtraum. Dabei ist das Gerät nicht schlimmer als die Smartphones, die wir alle freiwillig in unseren Taschen herumschleppen.

Ein Kommentar von Christoph Fröhlich

Der neue Albtraum der Datenschützer ist schwarz, zylinderförmig und 24 Zentimeter hoch. Er hört auf den Namen Echo und ist die neueste Schöpfung des Onlineshopping-Riesen Amazon. Dahinter verbirgt sich ein 360-Grad-Lautsprecher, der nicht nur Musik abspielen, sondern dank seiner sieben Mikrofone auch zuhören und sprechen kann. Um den Lautsprecher zu aktivieren, muss man nur den Namen "Alexa" rufen, schon kann man mit der schlauen Dose über das Wetter plaudern oder sie bitten, Tiefkühlerbsen auf die Einkaufsliste zu schreiben.

Nicht nur Echo hört mit

Technisch ist Echo eigentlich nichts Besonderes, im Prinzip ist es nur eine große Siri aus der Dose. Doch das reicht offenbar schon, um tiefe Ängste bei vielen Menschen zu schüren. Von einer "Abhörstation fürs Wohnzimmer" ist die Rede, von freiwillig installierten Wanzen, für die man auch noch Geld bezahlen muss. Mal davon abgesehen, dass niemand gezwungen wird, Echo zu kaufen: Wer vor den Mikrofonen in Echo Angst hat, vergisst vermutlich, dass in jedem Smartphone mindestens ein Mikrofon steckt. Im iPhone 5 stecken gleich drei Stück.

Was halten Sie von Amazon Echo?

Jetzt kann man zurecht einwenden, dass Echo permanent zuhört. Amazon entgegnet darauf, dass die Aufnahme erst aktiviert wird, wenn das Codewort "Alexa" fällt. Das kann man glauben oder nicht. Fakt ist aber: Die gleiche Technik steckt längst auch in anderen Geräten. Das Moto X von Motorola kann man etwa aktivieren, ohne überhaupt Hand anlegen zu müssen - es genügen die magischen Worte "Ok, Google Now". Auch Apples Sprachassistent Siri hört seit iOS 8 aufs Wort ("Hey Siri"), sofern das iPhone an eine Stromquelle angeschlossen ist. Im Vergleich zu Microsofts Kinect ist Echo gar ein Kinderspielzeug: Die Full-HD-Kamera erkennt dank Infrarot selbst im Dunkeln, ob jemand vor der Xbox steht, ob man spricht oder schweigt oder ob man gerade den Raum verlässt.

Echo ist (noch) nicht mehr als eine Spielerei

Die viel wichtigere Frage ist daher, ob man ein Gerät wie Echo überhaupt braucht. In einigen Fällen mag der Alltagshelfer praktisch sein, meistens dürfte er aber zur Spielerei verkommen. Ich werde mir zumindest keine Amazon-Röhren in die Regale stellen. Diktiere ich eine neue Blu-ray für meine Einkaufsliste, steht der Eintrag auf einem virtuellen Zettel - mehr nicht. Das kann mein Smartphone auch, dafür brauche ich nicht noch ein weiteres Gerät zuhause. Ein echter Mehrwert wäre es, wenn Echo die Filmscheibe direkt in meinen Amazon-Einkaufswagen packen und sie zu mir nach Hause liefern würde. Vom Star-Trek-Feeling fürs Wohnzimmer ist Echo jedenfalls noch weit entfernt. Von der Orwellschen Überwachung aber auch.

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