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Apple-Entwickler packt aus: So wurde das iPhone geboren

Höchste Geheimhaltung und ein wahrhaft besessener Steve Jobs: Apple-Ingenieur Greg Christie spricht zum ersten Mal über die Zeit, als das iPhone entstand. Der Zeitpunkt ist geschickt gewählt.

Von Timo Brücken

Ein Rechner mit Monitor und Tastatur, Computerboxen und ein aufgeschraubtes Telefon mit abgenommenem Hörer. Dazwischen eine Menge Kabelsalat. Was aussieht wie der missglückte Versuch, ein elektronisches Büro einzurichten, soll in Wahrheit die Geburtsstunde des iPhones abbilden. Zumindest wenn man Greg Christie glaubt, dem Ingenieur, der maßgeblich an der Entwicklung von Apples Wunder-Smarthone beteiligt war. Dem "Wall Street Journal" hat er erzählt, wie er die Jahre 2004 bis 2007 erlebte, in denen das iPhone geboren wurde.

Mit der chaotischen Versuchsanordnung hätte sein Team die Software des iPhones getestet, sagt Christie. Unter Neonlicht, in einem fensterlosen Raum mit Apple-Postern und Wasserflecken an der Wand, den außer einer Handvoll Menschen niemand betreten durfte, noch nicht einmal das Reinigungspersonal. Und tatsächlich, die Zusammenstellung auf dem Tisch wirkt wie ein Puzzle aus den grundlegenden Fähigkeiten, die die Ingenieure im iPhone vereinen wollten: Telefonieren, Nachrichten schreiben, ins Internet gehen und Musik hören. Für die tastenlose Steuerung war ein frühes Touchscreen-Gerät namens Wallaby angeschlossen.

Steve Jobs verlangte "Steve Music"

Greg Christie erinnert sich, dass er Ende 2004 gerade an Programmen für Apples Macintosh-Computer arbeitete, als plötzlich ein Kollege in sein Büro marschierte. Er schloss die Tür hinter sich und fragte den Ingenieur, ob er Lust habe, an einem Geheimprojekt namens "Purple" mitzuarbeiten. Gemeint war ein Telefon mit Touchscreen und integriertem MP3-Player - das später unter dem Namen iPhone bekannt werden sollte. Christie sagte ja und arbeitete fortan zum Beispiel daran, SMS-Unterhaltungen in das heute bekannte Format mit den verschiedenfarbige Sprechblasen zu bringen. Ein gar nicht so leichtes Unterfangen, bei dem er öfter "den Kopf gegen die Wand geschlagen" habe, zumal sein Team "erschreckend klein" gewesen sei.

Und dann war da noch der besessene Chef: Apple-Gründer Steve Jobs habe nicht nur am Arbeitsplatz absolute Geheimhaltung verlangt, sondern seine Untergebenen dazu angehalten, auch zu Hause nur in einem abgesonderten Raum zu arbeiten. Damit nur ja kein Familienmitglied über Details des Geheimprojekts stolpern konnte. Jobs wollte bei jedem Detail des iPhones mitreden, von der Kalender-App über das Fotoalbum bis hin zur Musik für die Präsentation. "Steve Music" musste es sein, namentlich "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" von den Beatles.

Die Story soll im Kampf gegen Samsung helfen

Greg Christie und seine Leute taten sich unterdessen schwer. Seit Monaten werkelten sie erfolglos an einem Software-Konzept, als Steve Jobs ihnen im Februar 2005 ein Ultimatum stellte: Entweder er habe in zwei Wochen etwas auf dem Tisch oder das Projekt werde an ein anderes Team weitergegeben. Doch soweit kam es nicht. Christies Team entwickelte unter anderem die Swipe-Displaysperre und die Möglichkeit, Kontakte direkt aus dem Adressbuch anzurufen. Features, die für iPhone-User heute selbstverständlich sind.

Der Ingenieur packt seine Erinnerungen wohl jedoch nicht ohne Grund gerade jetzt aus: Apple steht kurz vor dem nächsten Rechtsstreit mit dem Rivalen Samsung. Die beiden erfolgreichsten Smartphone-Hersteller der Welt bekriegen sich seit Jahren wegen Patenten. Apple behauptet, Samsung hätte seine Ideen geklaut. Samsung kontert, Apple sei eben nicht als einziger auf besagte Ideen gekommen. Christies Geschichte solle Apples Message vor Gericht unterstreichen, vermutet das "Wall Street Journal": Wie wahnsinnig innovativ das iPhone gewesen sei, als es 2007 auf den Markt kam.

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