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Handy-Betriebssystem: Samsung wird zum "Ozean"-Riesen

Der Blackberry hat eine, das iPhone sowieso - nun will auch Samsung eine eigene Handyplattform für mobile Dienste aufbauen. Dem "Ozean" getauften Softwaresystem stehen stürmische Zeiten bevor.

Von Thomas Wendel

Der Begriff Opportunismus ist verwandt mit dem Wort Opportunität. Das steht für Gelegenheit, Chance, Vorteil. Daran haben wohl die Chefs des zweitgrößten Handyherstellers der Welt, Samsung , gedacht, als sie jetzt eine eigene Softwareplattform ankündigten: "Bada" - koreanisch für "Ozean" - soll 2010 die Konkurrenz das Fürchten lehren. "Bada wird Samsungs richtungweisende neue Kultplattform", erwartet Samsung-Topmanager Hosoo Lee. Ob Bada das ist oder Samsung in seinem Ozean baden gehen wird, muss sich erst erweisen.

Denn Bada ist zu allererst purer Opportunismus: Apple und Research in Motion haben mit iPhone und Blackberry vorgemacht, dass geschlossene Systeme aus Software, Handys und Internetdiensten am Markt erfolgreich sind. Die Strategie wird bereits vom weltgrößten Handyhersteller Nokia abgekupfert. Nun sieht Samsung seine Zeit gekommen, sich dem Mainstream anzugleichen: Hunderte, tausende Softwareentwickler sollen Programme für Samsungs Handycomputer, sogenannte Smartphones, schreiben. Schließlich sei Bada "eine Chance", auf "Millionen von neuen Samsung-Handys" mit eigenen Anwendungen präsent zu sein, werben die Koreaner um die Softwaretüftler.

Experten zweifeln

Ob die Botschaft verfängt, daran zweifeln jedoch Experten. Bada komme "ein bisschen spät", sagte Neil Mawston, Analyst beim britischen Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics, der FTD. Viele Entwickler hätten sich schon für Apples iPhone-Betriebssystem, den Blackberry oder die lizenzkostenfreie Google-Plattform Android, die viele Hersteller in ihren Geräten einsetzen, entschieden. Dass sich Samsung als Nachzügler in den Plattform-Markt begibt, zeigt, wie verunsichert die Koreaner sind.

Eigentlich läuft es bei ihnen blendend: Mit ansprechenden Geräten hat sich Samsung an Marktführer Nokia herangerobbt. Im zweiten Quartal dieses Jahres konnten die Koreaner 55 Millionen Handys verkaufen - das reicht laut US-Marktforschungsfirma Gartner für 19,3 Prozent Weltmarktanteil. Schwach ist Samsung aber bei Smartphones. Bei den Oberklassehandys liegt der Marktanteil unter drei Prozent.

System nach Maß

Bada soll das ändern. Anders als die Konkurrenz soll sich die Software sowie dazugehörige Internetangebote leicht anpassen lassen an die Bedürfnisse der Netzbetreiber. Samsungs Großkunden sollen Bada somit als ihr eigenes Produkt ausgeben können. Bisher versuchte der Konzern, anders zu punkten: durch Beliebigkeit. Samsung baut in seine Handys sowohl sein selbstentwickeltes Betriebssystem ein, das Basis für Bada ist, als auch Windows Mobile von Microsoft sowie das von Nokia beherrschte Symbian; kürzlich wurden zudem erste Handys mit Android ausgeliefert.

Die Unterstützung von vier Softwareplattformen geht aber gehörig ins Geld, zudem hat sie wenig Erfolg gezeigt. Dennoch hat Samsung angekündigt, trotz Bada an der "Vielfalt mobiler Plattformen" festhalten zu wollen. So richtig überzeugt vom Erfolg Badas scheinen die Koreaner also nicht. Da ist doch gut, dass es noch Symbian, Windows Mobile und Android gibt.

FTD