iPhone Das Rätsel der 800.000


Apple hat mehr iPhones verkauft als seine Partner entsprechende Mobilfunkverträge. Mehr als eine Dreiviertelmillion Käufer des Multimediahandys haben das Gerät geknackt - und untergraben damit das Geschäftsmodell von Apple.
Von Arndt Ohler

Mysteriöses hat sich in letzter Zeit zugetragen um die iPhones von Apple. Warum kaufen sich 40 Prozent der Kunden in den USA gleich zwei der Multimediahandys? Und warum sind es gerade Kunden asiatischer Abstammung, die nach Beobachtung von Investmentbankern in Minibussen vor die Apple-Stores kutschiert werden, um sich mit den Telefonen einzudecken? Vielleicht, um es nach Asien zu verkaufen? Seltsam nur, dass es dort noch überhaupt keinen Netzpartner gibt.

Doch jetzt ist das Rätsel gelöst. Die Investmentbanken Sanford C. Bernstein und Piper Jaffray schätzen, dass sich etwas über 800.000 Kunden dem Diktat von Apple-Chef Steve Jobs verweigert und keinen Vertrag mit Exklusivpartnern wie AT&T, O2 oder T-Mobile geschlossen haben. Vielmehr haben sie die Software einfach geknackt, statt sie artig von Apples Onlineladen iTunes aktivieren zu lassen. Bei dieser Operation im Internet kommt in den USA der Vertrag mit AT&T überhaupt erst zustande.

Viele iPhones geknackt

Zur Vorgeschichte: Kürzlich hat Apple mitgeteilt, 2007 rund 3,75 Millionen Handys verkauft zu haben. Der US-Mobilfunkpartner AT&T meldet darauf, dass lediglich 2,2 Millionen iPhone-Verträge in den USA abgeschlossen worden seien. In Europa waren es 525.000. Analysten rätselten über die Zahlen. Tatsächlich kursieren im Netz Dutzende Anleitungen, das iPhone zu knacken. Gelingt dies, können iPhone-Besitzer ihren Mobilfunkanbieter frei wählen. Und in der Statistik der Apple-Partner tauchen sie nicht mehr auf.

Die hohe Zahl geknackter iPhones ist nicht nur Beweis einer falschen Produktpolitik, sondern schadet Apple. Dem Konzern entgehen Analysten zufolge Hunderte Millionen Dollar an Einnahmen, denn das Unternehmen ist an den Umsätzen der Mobilfunkbetreiber prozentual beteiligt. Stimmt die Schätzung von Experten, dass Apple pro Telefon und Monat auf Zusatzeinnahmen von 15 Dollar baut, würde sich das im Jahr auf 300 bis 400 Millionen Dollar summieren. Angesichts eines Jahresumsatzes von zuletzt 24 Milliarden Dollar scheint dies für Apple hinnehmbar. Doch den Zusatzeinnahmen stehen kaum Kosten entgegen, sodass der Konzern einen Großteil davon direkt als Gewinn verbuchen könnte.

Hoffnung in neue Märkte

Etwas Linderung könnten Exklusivverträge in weiteren Ländern bringen. Wenn in Asien, Lateinamerika sowie anderen europäischen Staaten der Verkauf des iPhone startet, wird Jobs weitere Vereinbarungen mit Telefonkonzernen seiner Wahl abgeschlossen haben.

Das Problem lösen kann der Apple-Chef aber wahrscheinlich nur, wenn er mit der Vergangenheit bricht - und auf die Onlinevernetzung mit iTunes verzichtet, die beim Abspielgerät iPod noch so erfolgreich war. Vielleicht müssen iPhone-Käufer dagegen bald wieder ganz konventionell einen Vertrag unterschreiben, bevor sie lostelefonieren können.

FTD

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