Markenrechte iPhones starten ohne Apple


Seit Wochen spekuliert die Tech-Branche über Apples Einstieg in den Handymarkt. Jetzt wurde das "iPhone" tatsächlich angekündigt - allerdings nicht von Apple.
Von Thomas Hillenbrand

Keiner hat es je gesehen, keiner kennt irgendwelche Details - dennoch ist sich die Technologiebranche sicher: Bald wird der Computerhersteller Apple eine Kreuzung aus Mobiltelefon und iPod auf den Markt bringen. Das von Bloggern, Presse und Analysten beschworene "iPhone" ist seit Wochen das Gesprächsthema der IT-Industrie. Apple schweigt zu den Gerüchten eisern - was führenden Apple-Auguren wie MacRumors.com und ThinkSecret.com eher als Beleg dafür gilt, dass in den Laboren des kalifornischen Computerhersteller irgendwas Spektakuläres am Köcheln sein muss.

Seit Montag ist zumindest eins sicher: iPhone wird das Apple-Telefon wohl nicht heißen. Am Montag kündigte nämlich der US-Netzwerkausrüster Cisco Systems unter diesem Namen zwei neue Internet-Telefone an. Die Geräte wurden von der Cisco-Tochter Linksys entwickelt. Beim iPhone handelt es sich - anders als bei dem spekulativen Apple-Handy - um ein schnurloses Telefon für zu Hause Mit dem Gerät lassen sich Internet-Telefonie-Dienste (Voip) wie Skype ohne einen PC nutzen.

Markenname gehört Cisco

Tatsächlich ist der Markenname "iPhone" in den Vereinigten Staaten bereits seit dem Frühjahr 1996 vergeben - Inhaber ist Cisco. Das geht aus beim United States Trademark and Patent Office (USPTO) hinterlegten Unterlagen hervor.

Dass in der Branche dennoch seit Langem lustvoll über ein Apple iPhone gemutmaßt wird, hat vor allem zwei Gründe. Erstens erschien ein weiteres i-Produkt den meisten Beobachter nach iMac, iPod und iTunes irgendwie logisch. Zweitens kommt die Berichterstattung über neue Apple Produkte seit jeher ohne Recherche aus. Deshalb ist wohl bisher auch niemandem aufgefallen, dass "iPhone" seit einem Jahrzehnt beim USPTO registriert ist.

In Deutschland ist die Lage ebenfalls vertrackt. Nach FTD-Recherchen hat der Hamburger Internetanbieter Freenet den Begriff "iPhone" bereits im Februar 2004 beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) angemeldet. Das Unternehmen verkauft seit 2005 ein Produkt namens iPhone.

Apple ist Kummer gewohnt

Das DPMA hat Freenets Antrag bisher allerdings nicht stattgegeben. Denn die Markenexperten der Münchner Behörde haben erhebliche Zweifel daran, ob sich der Begriff "iPhone" überhaupt schützen lässt. Ein DPMA-Sprecher erklärte auf Anfrage, man halte das Wort für "verkehrsüblich". "Viele Menschen verwenden den Begriff iPhone für Internet-Telefonie und Voip. Insofern ist noch nicht abschließend geklärt, ob der Begriff überhaupt eingetragen wird", sagte er.

Die Auguren gehen davon aus, dass sich Apple im Falle eines Einstiegs ins Handy-Geschäft einen anderen Namen überlegen könnte. Im Netz kursieren bereits Begriffe wie "MacPhone" oder "PhonePod". Größere Kopfschmerzen dürfte das Namenshickhack Apple-Chef Steve Jobs indes nicht bereiten. Denn was Markenschutz angeht, ist der Mac-Impresario Kummer gewohnt: Seit Jahren streiten sich die Kalifornier immer wieder mit einem britischen Plattenlabel, das ebenfalls Apple heißt.

FTD

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