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Neues Frühwarnsystem: Eine SMS, die Leben rettet

Wenn das Handy klingelt, ist das nicht unbedingt immer ein Grund zur Freude - jedenfalls nicht in China und künftig auch in den USA nicht. Denn dann droht ein Terrorangriff, eine Seuche oder eine Naturkatastrophe.

Als der Taifun "Kaemi" auf die dicht besiedelte chinesische Provinz Jinjiang zuraste, klingelte bei Dr. Yuan das Mobiltelefon. "Taifun trifft am Abend in Jinjiang auf Land. Bitte treffen sie Vorkehrungen", hieß es in einer SMS, die er wie Millionen anderer Chinesen an der Küste bekam.

SMS als Schutzsystem

Die kurzen Textnachrichten sind für die chinesischen Behörden zu einem wichtigen Mittel im Katastrophenschutz geworden, mit sie schnell Millionen Menschen erreichen können. Inzwischen besitzt etwa jeder dritte der 1,3 Milliarden Chinesen ein Mobiltelefon, womit diese Geräte in der Reichweite mit Fernsehen und Radio konkurrieren können. Die Behörden in Fujian versandten in diesem Jahr bei fünf Unwettern insgesamt 18 Millionen SMS, wie die Provinzregierung mitteilte. Das System ist noch in der Erprobungsphase und etliche befragte Einwohner erklärten, die SMS hätten ihnen nichts neues gesagt. Von den Unwettern hätten sie schon vorher erfahren.

Zur Vorsicht mahnen

Die SMS erinnerten die Menschen aber daran, vorsichtig zu sein, sagte Lin Feilong, Mitarbeiter eines Kinderzentrums. Und das sei doch sehr positiv. China ist das Land mit den meisten Mobilfunknutzern auf der Welt - 426 Millionen haben ein Mobiltelefon waren es im Juni. Die Zahl der Festnetzanschlüsse von 365 Millionen wurde schon lange übertroffen. Und die Zahl der Handynutzer wächst weiter schnell. Einen Boom verzeichnen dabei auch die Textnachrichten, 25 Milliarden werden jeden Monat verschickt. Die Regierung nutzt dieses Medium dabei sowohl für Hinweise etwa bei der Vogelgrippe, aber auch zu Propaganda, wenn es darum geht vor der Falun-Gong-Gemeinschaft zu warnen.

An einem ähnlichen und sogar noch umfassenderen Warnsystem wird derzeit in den USA gearbeitet. Dazu wurden Pläne aus der Zeit des Kalten Krieges wiederbelebt, um die Menschen über Handy, Taschencomputer und Internet zu erreichen. Ging es damals darum, die US-Bürger vor einem möglichen Atomangriff der Sowjetunion zu warnen, so sind es jetzt Terrorangriffe oder Naturkatastrophen wie der Hurrikan "Katrina". "Alles, was eine Textnachricht empfangen kann, bekommt die Warnung", erklärt der Sprecher des US-Heimatschutzministeriums, Aaron Walker. Bei der Übertragung arbeiten die öffentlichen Fernsehsender der USA mit der Katastrophenschutzbehörde FEMA zusammen. Das System soll zuerst an der Golfküste und später im ganzen Land zum Einsatz kommen. Angeordnet werden kann eine Warnung nur durch den Präsidenten.

AP / AP
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