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Verschärftes Gesetz: Wegen Terrorgefahr: Droht Prepaid-Handys das Aus?

Wegwerfhandys sind praktisch - doch sie werden auch von Verbrechern und Terroristen genutzt. Nun sollen Nutzer sich künftig aufwendig identifizieren, bevor sie die Karten kaufen können. Droht den Prepaid-Telefonen damit das Aus?

Kauf von Prepaid-Karten wird erschwert

Kauf von Prepaid-Karten wird erschwert

Aldi in Belgien räumte kürzlich ein Produkt aus den Regalen. Der Grund: Neue Anti-Terror-Gesetze verschärften den Verkauf von Prepaid-Karten für Wegwerfhandys. Kunden müssen sich nun aufwendig identifizieren. Zu viel Aufwand für den Discounter. Statt ein Identifikationsverfahren anzubieten, machte der Billigheimer Schluss mit Mobilfunk auf Vorkasse. 

Auch in Deutschland ändert sich die Richtlinie zur Abgabe von Prepaid-Karten. Ab 1. Juli müssen sich Kunden beim Kauf ausweisen. Bislang reicht es, Namen, Adresse  und Geburtsdatum anzugeben. Künftig müssen Besitzer eindeutig identifizierbar sein. Wer dann noch eine Prepaid-Karte kaufen will, braucht seinen Personalausweise oder muss das Video- oder Post-Ident-Verfahren bemühen. Geregelt wird dies im Paragrafen 111 des Telekommunikationsgesetzes. 

O2, Drillisch, Telekom: So müssen sich Kunden registrieren

Die "Computerbild" hakte bei den Providern nach, um zu erfahren , ob durch die Gesetzesänderung Mehrkosten auf Nutzer zu kommen - und ob alle Anbieter weiterhin Prepaidkarten anbieten. O2 und Vodafone arbeiten demnach nach Möglichkeiten, konkret wurden die Unternehmen nicht. Der erst kürzlich von United Internet gekaufte Anbeiter Drillisch (Yourfone, smartmobil und DeutschlandSim) setzt auf das Video-Ident-Verfahren. Per Video-Chat können Mitarbeiter der Firma die Identität des Nutzers und des Personalausweises abgleichen.

Auch die Telekom nutzt dieses Verfahren - darüber hinaus haben die Nutzer die Möglichkeit, sich in einem Shop auszuweisen. Die Discounter Aldi und Netto ließen lediglich wissen, dass sie die Identität gesetzeskonform prüfen würden. Welches Verfahren sie nutzen wollen, blieb offen. Allerdings wollen alle Anbieter das neue Identifizierungsverfahren ohne Mehrkosten für die Kunden anbieten.

Terroristen nutzen Prepaid-Handys

Hintergrund der Gesetzesänderung: Verbrecher und Terroristen können bislang nahezu anonym über Wegwerfhandys kommunizieren. "Es kann nicht sein, dass sich jemand ein Smartphone kauft, sich bei einem Telekommunikationsanbieter anmeldet und dann gegen ihn ermittelt werden kann, während derjenige, der sich ein Prepaid-Handy in der Drogerie kauft, dazu beiträgt, dass gegen ihn nicht ermittelt werden kann", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière im Juni 2016 im Deutschen Bundestag, so die "Tagesschau". Durch das neue Gesetz wird der Kauf in Deutschland zwar erschwert - im Ausland allerdings können weiterhin Prepaid-Karten ohne Identifikation gekauft werden. In welchem Ausmaß solche Karten für terroristische Zwecke genutzt werden, zeigt ein Fall aus Ungarn. Dort wurden vom IS 200.000 Sim-Karten auf den Namen eines verstorbenen Obdachlosen registriert. Einige dieser Karten waren nach den Anschlägen in Paris und Brüssel bei erschossenen Terroristen gefunden.

So retten sie ihr nasses Handy
kg