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Schadprogramme: Smartphones im Visier von Viren

Noch gelten Viren für Handys und Smartphones eher als theoretische Bedrohung - können aber schnell bitterer Ernst werden. Es gibt zwar Virenscanner für Mobilgeräte, doch diese bringen für den Nutzer auch Nachteile. Also hilft dem Nutzer vor allem eines: Vorsicht.

Besitzer eines Mobiltelefons brauchten sich bisher keine Gedanken zu machen, Opfer eines Hackerangriffs zu werden - die Gefahr war äußerst gering. Die Lage ändert sich jedoch: "Zur Zeit gibt es etwa 300 Viren", berichtet Candid Wüest, Experte bei der Sicherheitsfirma Symantec. Anfang 2004 waren erst 70 Schädlinge für mobile Endgeräte im Umlauf. Im Vergleich zur verseuchten PC-Welt ist diese Zahl zwar immer noch verschwindend klein, doch der Trend zeigt klar nach oben.

Dabei gilt: Je mehr Funktionen ein Handy mitbringt, desto anfälliger ist es für Angriffe von Viren und Trojanern. Im Visier der Hacker stehen vor allem Smartphones, eine Kombination zwischen Taschencomputer und Handy. Auf diesen PC-ähnlichen Geräten läuft ein Betriebssystem wie Symbian oder Windows mobile. "Wie bei Desktops werden gewisse Betriebssysteme mehr und andere weniger angegriffen", erklärt Wüest. Das Glück für die Besitzer von Smartphones ist, dass die Hybrid-Geräte noch nicht so weit verbreitet sind. So hat sich im Gegensatz zur PC-Welt noch keine Monostruktur beim Betriebssystem gebildet. "Für die Hacker lohnt es sich einfach noch nicht, Attacken auf das Geld oder vertrauliche Informationen der Nutzer zu starten", sagt Christoph Hardy, Sprecher von Sophos, einem Unternehmen, das Sicherheitssoftware entwickelt. Für die Hacker ist es halt nicht nur einfacher, sondern vor allem profitabler, Attacken gegen PCs und Notebooks zu starten. Sobald sich jedoch in der Handy-Welt ein Betriebssystem dauerhaft etabliert und sich der Einsatz mobiler Geräte bei vielen Unternehmen durchgesetzt hat, dürfte sich die Situation schlagartig ändern.

Einfache Handys kaum gefährdet

Wer dagegen nur ein schlichtes Mobiltelefon ohne PC-übliche Funktionen wie E-Mail oder Internet in der Tasche hat, braucht kaum etwas zu befürchten. "Das Risiko, dass Handys von einem Virus infiziert werden, ist derzeit noch immer äußerst gering" beruhigt Hardy. Epidemien an Handy-Viren seien bislang nicht aufgetreten. Auch Markus Weidner aus Biebergemünd, Redakteur beim Internetportal Teltarif.de bekräftigt: "In Deutschland ist mir kein einziger Handy-Schädling bekannt"

Die Experten warnen jedoch davor, die Viren-Gefahr für die in Mode kommenden Smartphones zu unterschätzen. "Mit der Zunahme der Marktdurchdringung ist auch mit einer Zunahme der Schädlingsmenge zu rechnen", stellt Wüest klar.

Die Hersteller haben die Gefahr erkannt. Sicherheitsfirmen wie etwa Kaspersky bieten bereits Virenscanner für Mobilgeräte an. Preis: rund 25 Euro. So eine Lösung sollte sich der Anwender aber nur im Notfall auf sein Smartphone laden. Denn: "Die heute verfügbaren Schutzlösungen gegen mobile Schadprogramme verbrauchen enorme Speicherkapazität", erklärt Hardy. Wer sich eine Antivirus-Lösung herunter lädt, riskiert, dass die Performance seines Mobilgerätes darunter leidet, ohne dass reale Bedrohungen bestehen. Mit anderen Worten: Das Surfen im Internet per Handy einschließlich Versand und Empfang von E-Mails gerät zur Geduldsprobe.

Im Kasten oben links finden Sie sechs Tipps zum Schutz vor Handyviren

Sicherheitsrisiko Bluetooth

Bluetooth-Handys bieten Hackern eine große Angriffsfläche - durch Sicherheitslücken im Funkstandard oder durch Fehler bei den Einstellungen."Eine offene Bluetooth-Schnittstelle sollte der Anwender stets mit einem Passwort schützen" empfiehlt Christoph Hardy von Sophos. Wer per Handy unterwegs ist - zum Beispiel in der U-Bahn -, tut gut daran, Bluetooth vorsichtshalber ganz zu deaktivieren. So werden Unbefugte daran gehindert, vertrauliche Daten auszuschnüffeln. Das gleiche gilt für die Funkstandards W-LAN und Infrarot.

Zu den potentiellen Risiken von Bluetooth informiert Netzbetreiber Vodafone im Internet. Der Betreiber hat seine Handys so eingestellt, dass Bluetooth von Haus aus zuerst deaktiviert ist.

Persönliche Daten verbergen

Kontaktadressen und andere wichtige Dinge niemals auf den fest eingebauten Speicher des Mobiltelefons speichern. Die Daten vielmehr auf eine herausnehmbare Speicherkarte ablegen. "Sensible Daten sollten stets verschlüsselt werden, so dass im Falle eines Diebstahls Dritte nicht auf die Daten zugreifen können", sagt Candid Wüest von Symantec.

Backup für alle Fälle

Ärgerlich, wenn die Kontaktliste auf dem Handy durch Viren verloren geht oder das Mobiltelefon gestohlen wird. Das Risiko vor Datenverlust kann der Nutzer jedoch minimieren, indem er von seinen Kontaktdaten regelmäßig eine Kopie auf dem PC oder einen USB-Stick anlegt.

Vorsicht vor fremder Software

Wer auf sein Smartphone eine Software aus unbekannten Quellen lädt, ist selber Schuld. Markus Weidner von Teltarif.de empfiehlt, Software nur von vertrauenswürdigen Anbietern aufs Handy zu laden. "Für den PC ist das ja längst üblich", so der Experte.

Verdächtige E-Mail-Anhänge

Beim Öffnen von E-Mail-Anhängern, deren Absender unbekannt ist, sollten beim Mobiltelefon-Besitzer sofort die Alarmglocken läuten: "Dateien von unbekannten Absendern nicht öffnen oder installieren", warnt Wüest.

Virenscanner stört nur

Virenscanner für Smartphones gibt es zum Beispiel von Symantec, Avira, McAfee oder Kaspersky. Doch aufgepasst: "Einen Virenscanner auf dem Smartphone zu installieren, halte ich für unnötig", sagt Teletarif-Redakteur Weidner. Dieser arbeite ohnehin schon am Limit. Ein Virenscanner würde dessen Leistung zusätzlich noch drücken. Darüber hinaus koste das Sicherheitstool auch noch Geld.

Till Wortmann/DigiText