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Holz, Leder, Metall Tschüss, Plastikbomber! Warum das Smartphone zum edlen Design-Objekt wurde


Selbst teure Smartphones waren früher aus Plastik. In den letzten Jahren hat sich das rasant geändert. Holz, Leder und Metall machen das Smartphone immer mehr zum edlen Design-Gegenstand.

Plastikbomber. So nannte man noch vor gar nicht langer Zeit abfällig die Smartphones von Samsungs Galaxy-Serie und seinen Konkurrenten. Prall vollgestopft mit toller Technik, außen herum die billigsten Plastegehäuse. Ein starker Kontrast zwischen Leistung und Wertigkeit. Als würde man einen Porsche-Motor in einem Go-Kart verbauen. Doch damit ist längst Schluss. In der Premium-Liga können die Hersteller mit Plastiksmartphones niemanden mehr hinter dem Herd hervorlocken. Edle Materialien wie Metall und Glas haben aus Smartphones kleine Schmuckstücke gemacht.

Den Anfang machte Apple mit dem iPhone. Gleich das erste war aus Metall gefertigt. Nach zwei Modellen mit durchaus hübschem Plastik-Gehäuse folgte mit dem iPhone 4 das zu diesem Zeitpunkt mit Abstand schönste Smartphone. Der wertig wirkende Metallrahmen und die Glasrückseite setzten Standards im Smartphone-Design und wurden von den Konkurrenten zurecht reihenweise kopiert. Smartphones wurden zu Edel-Technik.

Die neue Wertigkeit

Seitdem sind schon ein paar Jahre ins Land gegangen, die Branche ist noch einen  guten Schritt weiter. Die anderen Hersteller haben sich längst von Apples Design emanzipiert. Mit Ausnahmen wie HTCs A9 sehen kaum noch Geräte aus wie das aktuelle iPhone. Stattdessen entwickeln große Hersteller wie Samsung und LG, aber auch die aufstrebenden chinesischen Konzerne wie Huawei und Oneplus eine eigene Designsprache. Schicke Designerstücke wie das Samsung Galaxy S6 Edge mit seinem geschwungenen Display zeigen, wie weit die Entwicklung voran geschritten ist.

Smartphones ganz aus Metall sind mittlerweile so weit verbreitet, dass sie beinahe schon langweilig wirken könnten - wenn sie nicht so schön wären. HTC erbrachte mit seinem ersten Metall-Smartphone HTC One den Beweis, dass auch Android-Smartphones schön gestaltet und edel gefertigt sein können. Hersteller wie Apple und Huawei setzen im Hoch- und Mittelpreissegment mittlerweile vollständig auf Aluminium und Co. Zurecht: Schicke Handschmeichler wie das iPhone 6s oder das von Huawei gefertigte Google-Smartphone Nexus 6P machen nicht nur eine hervorragende Figur, sondern fühlen sich auch noch ausgesprochen wertig an.

Mehr Experimente

Doch nicht nur Metall weiß zu verzücken. Nach einer Phase der kreativen Stagnation sind die Hersteller dieses Jahr wieder experimentierfreudiger geworden. Auch, was die Materialien angeht. Beim LG G4 gibt es eine Kunstlederrückseite zur Wahl, die sich sogar richtig gut anfühlt. Während das Kunstleder von Samsungs Galaxy Note 3 vor zwei Jahren noch billig wirkte und auf den ersten Blick als Plastik zu erkennen war, ist das heute schon anders. Motorola lässt sein Moto X Style auf Wunsch sogar mit echtem Leder beziehen. Alternativ stehen Holz oder Bambus in mehreren Farben zur Auswahl - allerdings nur gegen Aufpreis. Der fällt mit 20 Euro im Vergleich zur Gummi-Rückseite allerdings sehr moderat aus.

Auch das chinesische Start-up Oneplus lässt den Kunden die Wahl. Beim Highend-Gerät Oneplus 2 säumt der edle Metallrahmen eine wechselbare Rückseite ein. Mitgeliefert wird eine mit Sandsteintextur. Wechselrückseiten aus Holz, Bambus und Kevlar lassen sich nachordern. Mit den billigen Wechselcovern der Nokia-Handys hat das allerdings wenig gemein. Das Mittelklasse-Smartphone Oneplus X hat zwar eine Glasrückseite, es gibt allerdings auch eine Variante aus Keramik, wenn auch nur als limitierte Auflage.

Plastik als Ausnahme

Wer heute noch ein Kunststoff-Smartphone kauft, der will entweder Geld sparen oder mag die knalligen Farben. Während Plastik vor wenigen Jahren auf dem Smartphone-Markt noch allgegenwärtig war, muss man bei teureren Smartphones heute schon nach ihm suchen. Kunststoff entwickelte sich von der Selbstverständlichkeit zur bewussten Entscheidung der Hersteller und des Kunden. Das Smartphone-Design ist erwachsen geworden.


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