HOME

Steve Jobs' Nachfolger: Was Tim Cook bei Apple anpacken muss

Apple steht nach dem Abgang von Steve Jobs vor großen Herausforderungen: Der neue Chef Tim Cook muss ein Rezept gegen Android finden, den Konzern in die Cloud führen - und aus Jobs' Schatten treten.

Von Ulf Brychcy und Arndt Ohler

Ausgerechnet Timothy Cook. Ausgerechnet dieser kühle und effiziente Manager, den alle Tim nennen, schwört auf Intuition und darauf, was dieses Bauchgefühl zu leisten vermag. 1998 etwa, als Steve Jobs anruft, um ihn zu Apple zu locken. Fünf Minuten am Telefon reichen aus, und er entscheidet sich für die Computerfirma, die in größten Schwierigkeiten steckt. Cooks Eingebung erweist sich als Volltreffer: Jobs leitet mit ihm den Neustart von Apple ein, das Unternehmen steigt unaufhaltsam auf, reiht Erfolg an Erfolg und wird zwischenzeitlich zum weltweit kostbarsten Konzern. Und nun, nach dem Abschied von Jobs, übernimmt Cook endgültig den Posten des Vorstandschefs. "Bei Apple einzusteigen war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe", schreibt Cook in einer konzerninternen Rundmail (hier auf Deutsch).

Nur mit Intuition allein ist dieser Aufstieg nicht zu erklären. Das räumt auch Cook ein, etwa im vergangenen Jahr auf der Examensfeier der Auburn Universität in Alabama, seiner alten Hochschule. Bauchgefühl sei sehr wichtig, um die richtige Tür zu nehmen, sagt er dort. Habe man die Tür durchschritten, komme es jedoch darauf an, das Notwendige zu tun. "Und dafür bedarf es stets einer gründlichen Vorbereitung und harter Arbeit." So spricht einer, der bislang lieber im Hintergrund geblieben ist, der die operative Arbeit bei Apple gemacht hat. Der bei vielen in der Computerindustrie als Motor hinter dem Genie Steve Jobs gilt.

Trotz aller Erfolge Apples in den vergangenen Jahren tritt er einen der härtesten Jobs in der Tech-Branche an. Es ist nicht nur der übermächtige Vorgänger Jobs, den es zu ersetzen gilt. Bei einigen Diensten und Produkten sind Konkurrenten wie Samsung oder Google so nahe herangerückt wie nie zuvor - oder haben Apple bereits überholt.

iPhone - die Konkurrenz ist ganz nah

Enger wird es zum Beispiel beim iPhone. Zur Premiere im Jahr 2007 konnte Jobs mit Recht behaupten, der Konkurrenz um Jahre voraus zu sein. Heute aber gibt es zahlreiche Geräte wie Samsungs Galaxy S II, die technisch, beim Design und auch bei der Software mindestens mithalten können. Zwar verkaufte Apple im vergangenen dritten Quartal des Geschäftsjahres rund 20 Millionen Handys weltweit. In den USA sind Smartphones mit Googles Betriebssystem Android jedoch beliebter. Zudem wird das neue iPhone 5 laut Medienberichten keine revolutionären Neuerungen bieten, ebenso wenig wie das neue Betriebssystem iOS 5 - nach Apple-Maßstäben wäre das fast eine Stagnation.

Dass sich die Kalifornier bedrängt fühlen, lässt sich daran ablesen, dass der Konzern offenkundig erstmals ein preiswerteres Telefon plant, um das Geschäft in Ländern wie China oder Indien anzukurbeln. Cook muss verhindern, dass Apple zu einem Nischenanbieter teurer Smartphones wird.

Cloud-Dienste - andere sind weiter

Die größte Herausforderung für den neuen Chef sind jedoch die Cloud-Dienste. Bislang betreibt Apple Mobile Me. Dieses Angebot sorgt dafür, dass Daten wie Kontakte oder Kalendereinträge zentral auf Apples Servern gespeichert sind und auf allen Geräten eines Kunden wie iPhone, Mac oder iPad über das Web synchronisiert werden. 2008 mit enormen Schwierigkeiten gestartet, stottert der Dienst immer wieder. Angesichts der steigenden Zahl mobiler Endgeräte sind Cloud-Angebote für Nutzer ein Argument, sich für oder gegen ein System zu entscheiden. Google und Microsoft bieten ähnliche Angebote kostenfrei an. Apple will erst im Herbst mit dem kostenlosen Service iCloud kontern.

iAd und Ping schwächeln

Abseits der Handy- und Computerproduktion wird Cook sich um zwei schwächelnde Projekte kümmern müssen: iAd und Ping. Während das Onlinemusiknetzwerk Ping wirtschaftlich kaum Gewicht hat, ist die Handywerbeplattform iAd bedeutsam. Immer mehr Menschen surfen per Handy im Web und nutzen Zusatzprogramme - Apps. Über iAd kann Apple Werbung in Apps einspielen. Analysten sehen einen Milliardenmarkt. Apple kommt hier, im Gegensatz zu Google, kaum voran.

Dass der 50-jährige Cook die Herausforderungen entschlossen angeht, daran zweifelt niemand. Ende der 90er, nachdem Jobs den Ingenieur vom Computerhersteller Compaq abgeworben hatte, krempelte Cook Apple um. Er beseitigte die desolaten Zustände in der Produktion, im Vertrieb und bei Zulieferern. Er lagerte die komplette Herstellung an Auftragsfertiger aus, vor allem nach Asien.

Cook weiß, dass es nicht reicht, lediglich der starke Motor zu sein. Da er nicht die Strahlkraft Jobs' besitzt, setzt er auf seine Mitarbeiter. Der letzte Satz in Cooks Mail lautet: "Zusammen werden wir Apple als den magischen Ort erhalten, der er ist."

FTD