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Telekommunikation: T-Mobile findet Netzpartner in England

Mehr und mehr Mobilfunker werden in Zukunft ihre Netze zusammenlegen. Davon gehen Branchenexperten aus, nachdem T-Mobile und der Anbieter 3 angekündigt haben, in Großbritannien künftig ihre Netzinfrastruktur der neuen Generation (3G) gemeinsam zu nutzen.

Von Titus Kroder (London) und Astrid Maier (Hamburg)

Mit dem schnellen Breitbandübertragungsstandard HSDPA und den sich auch im Mobilfunk langsam etablierenden Flatrate-Tarifmodellen sei es endlich gelungen, das Geschäft mit mobilen Datenanwendungen anzukurbeln. Deshalb lohne sich nun eine große Gebietsabdeckung sowie Spielraum bei den Kapazitäten auf den leistungsstarken Netzen. T-Mobile und der Anbieter 3 bringen ihre britischen Handynetze zusammen"Diese Bündnisse werden weniger durch Kosteneinsparungen, sondern eher durch das Potenzial neuer mobiler Dienste getrieben", sagte Martin Garner von der IT-Beratung Ovum. "Der Bedarf an Breitbandkapazitäten wird durch die Flatrates im Mobilfunk explodieren. Da stoßen die Betreiber mit ihren Netzen an Kapazitätsgrenzen", sagte auch Klaus von den Hoff von der Beratung Arthur D. Little.

5000 Sendemasten weniger

T-Mobile und der zum Hongkonger Mischkonzern Hutchison gehörende Anbieter 3 bringen ihre britischen Handynetze in die Gemeinschaftsfirma Mobile Broadband Network ein. Man werde bis 2008 "nahezu die gesamte britische Bevölkerung" mit schnellen Breitbanddiensten erreichen können, hieß es. Über die nächsten zehn Jahre wollen die Partner 2 Milliarden Pfund (2,8 Milliarden Euro) einsparen. Etwa 5000 Sendemasten werden so wegfallen.

Eine ähnliche Zusammenarbeit hatten im Frühjahr Vodafone und Orange für den britischen Markt vereinbart. In Indien, auf dem am schnellsten wachsenden Mobilfunkmarkt der Welt, teilen sich Vodafone, Bharti und Idea eine gemeinsame Infrastruktur. FTD-Informationen zufolge sprechen in der Schweiz die kleinen Betreiber Sunrise und Orange bereits miteinander über eine Kooperation. Gerade kleinere Unternehmen mit beschränkter Netzabdeckung könnten im Verbund den Marktführern tatsächlich besser die Stirn bieten. In Deutschland dürfte es indes aufgrund von Netzüberkapazitäten zu keinen solchen Deals kommen.

Unternehmen rüsten auf

HSDPA - ein Breitbandstandard, der etwa so schnell wie ein DSL-Festnetzanschluss ist - und Flatrate-Tarife für Musik- und Videodownload, Navigation oder Laptopfunkkarten wurden überwiegend in diesem Jahr eingeführt. "Das Geschäft mit mobilem Breitband ist ein Wachstumsmarkt, auch wenn die Umsätze derzeit noch bescheiden sind. Die Unternehmen rüsten auf für den Zeitpunkt, wenn das Geschäft richtig in Gang kommt", sagte Hannes Wittig, Analyst von JP Morgan. Früher hätten Mobilfunker aus dem Standort ihrer Antennen ein Geheimnis gemacht. Jetzt fürchte man keine strategischen Nachteile mehr, sondern sehe die Synergien.

"In Richtung Konsolidierung ist dies ein Schritt zurück", sagte Wittig weiter, denn 3 werde nun teurer. Der Deutschen Telekom wurde zuletzt ein Interesse an dem 3-Geschäft nachgesagt. Laut Berechnungen von Arthur D. Little kann der Unternehmenswert um drei bis acht Prozent wachsen, wenn die Anbieter ihre Infrastruktur teilen. Die Telekom dürfte kaum den Preis eines Geschäfts treiben, das es sich einverleiben möchte, hieß es.

Auch für die derzeit unter Druck stehenden Netzwerkausrüster wie Ericsson oder Nokia könnte sich der Trend mittelfristig positiv darstellen. "Da die erreichte größere Abdeckung den Verkehr auf den Netzen stark steigert, dürfte das für die Ausrüster, die an der Wartung verdienen, nicht schlecht sein", sagte Ovum-Analyst Garner.

FTD