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Anklage erhoben T-Mobile: Ex-Angestellter stiehlt heimlich Werkzeuge – und verdient mit ihnen 25 Millionen Dollar

In den USA - hier eine Filiale in New York - ist T-Mobile eher bei jüngeren Kunden beliebt
In den USA - hier eine Filiale in New York - ist T-Mobile eher bei jüngeren Kunden beliebt
© John Marshall Mantel/ / Picture Alliance
In Deutschland sind Simlocks für Smartphones eine dunkle Erinnerung. In den USA sperren aber immer noch viele Anbieter ihre Kunden im eigenen Netz ein. Einen skrupellosen Angestellten von T-Mobile machte das reich. Jetzt droht ihm Gefängnis.

Es war die große Frage, wenn man ein gebrauchtes Handy aus der Familie vererbt bekam oder von Plattformen wie Ebay kaufte: Funktioniert das überhaupt in meinem Netz? Während die deutschen Provider längst auf Beschränkungen auf einzelne Netze oder gar Sim-Karten verzichten, stellte sich dieses Problem in den USA noch deutlich länger. Ein Mitarbeiter des US-Anbieters T-Mobile hat damit Millionen offenbar verdient. 

Das geht aus einer Urteilsverkündung des US-Justizministeriums hervor. Argishti K. wurde schuldig befunden, das Entfernen der Anbieter-Sperre als Dienstleistung angeboten zu haben. Und das im ganz großen Stil: "Hunderttausende von Mobiltelefonen" soll er im Zeitraum zwischen 2014 und 2019 entsperrt haben. Zum Verhängnis wird dem 44-Jährigen nun, dass er das gar nicht durfte. Und auch die Werkzeuge dazu gestohlen hatte.

Nicht nur ein bisschen illegal

An die Zugänge zum Freischalten der Geräte kam K. durch klassische Hacker-Methoden: Mit gefälschten E-Mails brachte er Mitarbeiter der Helpdesks von T-Mobile und von anderen Provider ndazu, ihr Passwort auf einer von ihm kontrollierten Webseite zurückzusetzen - und bekam so Zugriff auf ihre Accounts. In einigen Fällen soll er sich auch selbst erfolgreich bei Hotlines als hochrangiger Angestellter ausgegeben haben, um so an die Zugänge zu kommen. Insgesamt soll er auf diese Weise über 50 Support-Accounts gekapert haben. 

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Seine Kunden fanden K. und ein ebenfalls verurteilter zeitweiser Partner offenbar über E-Mail-Werbung und externe Vermittler, viele Kunden dachten, es sei ein offizielles Angebot des Unternehmens. Doch das schien dem Duo auf Dauer nicht auszureichen: 2017 hatte die beiden für einige Monate einen T-Mobile-Shop betrieben, ihre "Dienstleistung" boten sie aber auch dort ohne jede Genehmigung des Unternehmens an. Das fiel aber irgendwann auf: Wegen "verdächtiger Computer-Nutzung" entzog des Unternehmen dem Laden nach kurzer Zeit wieder die Lizenz. Danach machten sie einfach weiter wie vorher.

Dem Unternehmen habe das gleich mehrfach geschadet, argumentierte das Gericht. Zum einen seien Gebühren für die Freischaltung der Geräte ausgefallen, mit dem Wechsel vor Vertragsende seien zudem Einnahmen durch die Nutzung ihres Vertrages verloren gegangen. Zudem soll K. auch Geräte entsperrt haben, die als verloren oder gestohlen gemeldet und deshalb gesperrt worden waren. Dadurch ließen sie sich auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Für K. war das alles hochrentabel: Mehr als 25 Millionen Dollar soll er im Laufe von fünf Jahren eingenommen haben, davon unter anderem Land, teure Autos und andere Luxusgüter gekauft haben, berichtet "Fortune".

Smishing-Betrug: Gefährliche SMS

Lange Haftstrafe droht

Nun dürften harte Zeiten auf K. zukommen. Weil er in 14 Anklagepunkten, unter anderem wegen Betrugs und Geldwäsche, schuldig gesprochen wurde, erwartet ihn eine lange Haftstrafe. Nach Angaben von "Fortune" drohen ihm alleine für den Vorwurf des Identitätsdiebstahls mindestens zwei Jahre Gefängnis, wegen der anderen Anklagepunkte könnten im Extremfall 165 weitere Jahre hinzukommen. Das Strafmaß soll im Oktober verkündet werden.

Quellen: Urteilsschrift, Fortune


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