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Ladekabel ade Sekunden laden, tagelang nutzen: Neuer Akku soll Smartphones revolutionieren

Smartphone Akku laden iPhone
Das Smartphone ans Kabel zu hängen, gehört zur täglichen Routine. Ist bald damit Schluss?
© Jenny Jacoby
Mehr Akkuleistung, das ist das meistgewünschte Feature bei Smartphone-Nutzern. Eine neue Technologie könnte nun Smartphone und Co. revolutionieren. Sie soll in Sekundenschnelle Strom für mehr als eine Woche aufnehmen.
Von Malte Mansholt

Man hat sich daran gewöhnt: Nach einem Tag muss das Smartphone an die Steckdose. Manche stecken es abends zuhause ein, andere mittags im Büro. Und die Hardcore-Nutzer trauen sich ohne Powerbank gar nicht mehr vor die Haustür. Eine Forschergruppe will nun die Lösung für unser alle Akkuprobleme gefunden haben - und versprechen Akkulaufzeit wie beim alten Nokia-Knochen.

Der musste bekanntlich höchstens einmal in der Woche ans Netz, ein Zustand, von dem man wohl nun wieder träumen kann. Denn was sich die Wissenschaftler der University of Central Florida (UCF) ausgedacht haben, klingt extrem vielversprechend: Ihr Superkondensator soll sich in kürzester Zeit mit jeder Menge Energie betanken lassen. Alleine das würde eine Revolution der Entwicklung von Smartphones bedeuten.

Superkondensator statt Ionen-Batterie

"Wenn wir den Akku mit diesen Superkondensatoren ersetzten, könnten Sie ihr Mobiltelefon in nur wenigen Sekunden aufladen und müssten es dann erst mehr als eine Woche später wieder laden", erklärt der das Projekt begleitende Postdoktorand Nitin Choudhary in einem Statement der Universität. Auch für Elektroautos wäre die schnelle Ladezeit ein enormer Fortschritt.

Die schnelle Ladung und die lange Laufzeit sind nicht die einzigen Vorteile des Superkondensators: Er ist dank seiner Bauweise auch noch flexibel, könnte also auch in bieg- und faltbaren Geräten Einsatz finden. Zudem soll die Akkuleistung auch nach mehr als 30.000 Ladezyklen nicht nachlassen. Bei herkömmlichen Smartphone-Akkus ist oft spätestens nach zwei Jahren eine deutliche Verschlechterung der Kapazität spürbar.

Zweidimensionale Materialien

Doch wie genau funktioniert die neue Technologie? Während herkömmliche Batterien auf chemische Reaktionen setzen, um elektrische Energie zu speichern, laden Kondensatoren die Energie statisch in einem elektrischen Feld. Bisherige Ansätze für die Nutzung in mobilen Geräten hatten das Problem, dass die nötigen Kondensatoren um ein vielfaches größer sein mussten als klassische Lithium-Ionen-Akkus. Das ist bei dem neuen Ansatz der UCF anders.

Sie setzen auf eine Technologie, bei der die Elektronen auf einem wenige Atome dicken, sogenannten zweidimensionalen Material gespeichert werden. Das UCF-Team umging bisherige Probleme der Technologie durch eine eigens entwickelte chemische Synthesemethode. Sie ermöglicht es, auf einfache Art und Weise Superkondensatoren aus Millionen von nanometerdicken Drähten herzustellen, die mit zweidimensionalem Material ummandelt sind. Ein stark leitender Kern sorgt dafür, dass die Batterie sich so rasant aufladen lässt.

Zukunft ungewiss

Ob es die neue Superbatterie je in ein Smartphone schaffen wird, steht aktuell in den Sternen. Noch steckt der Superkondensator in den Kinderschuhen, die Forscher arbeiten gerade daran, ihre Technologie patentieren zu lassen. Schon seit Jahren versprechen Akku-Forscher immer wieder den nächsten Durchbruch, im Massenmarkt ist er bisher aber ausgeblieben. Vielversprechend erscheint die Technik der UCF aber allemal.


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