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"Der rote Baron": Flieg, künstlicher Vogel, flieg!

Während die historische Authenzität des Films "Der rote Baron" kritisiert wird, gibt es an anderer Stelle vor allem Lob. Mit verhältnismäßig wenig Geld hat die deutsche Effektfirma Pixomondo sämtliche visuellen Effekte des Films gestemmt.

Von Jörg Isert

Knapp 3 Millionen Euro des Gesamtbudgets in Höhe von 18 Millionen Euro flossen in Computeranimationen der schwindelerregenden Art.

"Der Regisseur wollte, dass es den Zuschauern nahezu schlecht wird, wenn die Kamera den Flugzeugen hinterher jagt", sagt Björn Mayer. Der 33jährige war bei "Der rote Baron" für die digitalen Set Extensions zuständig. Das sind Erweiterungen des Drehorts, die aus dem Computer kommen. Konkret: Fast alle Schlachtfelder, die im Film zu sehen sind, sind teils oder sogar komplett computergeneriert. Mayer: "Wenn in den Luftschlachten die Kamera umherschwenkt und der Boden zu sehen ist, sieht man oft digitale Gemälde. Der Grund für solche Extensions ist, dass wir am Drehort in Tschechien ja nicht einfach 300 Hektar Landschaft umpflügen und Schützengräben reinziehen können. Das wäre aus Kostengründen nicht möglich gewesen."

Die Stars Matthias Schweighöfer und Til Schweiger saßen nie wirklich im Flieger. Tatsächlich agierten sie weitgehend vor einer grünen Leinwand. Die Schauspieler befanden sich in einem "Mock Up", einer eins-zu-eins-Attrappe des Cockpits. Mayer: "Das ganze ist nicht natürlich flugfähig. Vielmehr befindet sich das Mock Up auf einer hydraulischen Wippe, die vor der Green Screen steht. Davor wird gedreht und ein Rohschnitt gemacht. Dieses Material landet dann bei uns."

Zuvor war aber eine Menge Vorarbeit für die Flugsequenzen notwendig. Mayer: "Der erste Schritt sind die Storyboards. Das sind Zeichnungen, auf denen zu sehen ist, wie eine Szene ausssehen und was in ihr vorgehen soll. Als nächstes sprechen wir über unsere Ideen. Oft hatten wir dabei Pappflugzeuge in der Hand, um das, worüber wir sprachen, den anderen zeigen können." Es folgt die sogenannte Previsualisation: Computeranimierte Storyboards, die nun erstmals bewegt das zeigen, was später im Film zu sehen sein soll. Mayer erklärt: "Da sind die Flugzeuge noch ganz simpel gestaltete 3-D-Objekte. Aber das Timing oder die Flugbewegungen können mit dieser Previz schon sehr präzise dargestellt werden." Sogar Flugschauen besuchten die Trickser. Ein Flugtrainer erläuterte ihnen, welche Manöver mit echten Flugzeugen der Marke Albatros überhaupt möglich gewesen wären.

Pixomondo wurde vor sechs Jahren gegründet. Bisher machte die Firma vor allem CGI - Computer Generated Images - für Werbespots und Industriefilme. "Der Rote Baron" ist die Spielfilm-Premiere. 2006 wurde drei Monate lang in Prag gedreht, im Oktober des selben Jahres wurde bei Pixomondo in Ludwigsburg bei Stuttgart mit der Nachproduktion begonnen. Mayer: "Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur war sehr intensiv. Wir haben quasi Hand in Hand gearbeitet. Wir als Effektkünstler saßen vor dem Computer und Nikolai Müllerschön schaute uns über die Schulter. Er konnte dann sagen, was er wie wollte." Mehr als 70 Effektkünstler hörten sieben Monate lang zu. "Die größte Herausforderung war es, die immense Anzahl von 430 Einstellungen vorzubereiten", so Mayer. "Man hat nicht ewig Zeit, um mit Schweiger und Joseph Fiennes vor der Green Screen zu drehen. Das muss alles gleichmäßig und sauber ausgeleuchtet sein - und es muss zügig gehen."

Zum Problem wurde das Erschaffen von realistisch wirkenden Wolkenformationen. "Fast jeder saß schon einmal im Flieger nach Mallorca - weiß also genau, wie Wolken aussehen", so Björn Mayer. "Wir haben fast alle auf dem Markt erhältlichen Software-Programme ausprobiert, aber nichts hat unseren Anforderungen entsprochen - sowohl was die Qualität, als auch die Geschwindigkeit der Umsetzung angeht." Weshalb Pixomondo in nur zwei Monaten eine eigene Wolken-Software entwickelt. Der Name des Programms: Second Day. Mayer über den Grund für die Namensgebung: "Am zweiten Tag erschuf der Herr Himmel und Erde. Effektleute sind manchmal ein bißchen größenwahnsinnig."