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Luftfahrt: Im Trend: Airbus-Watching

Den Flugzeugfans, die sich rings um den Flugplatz von Toulouse an den Zäunen drängen, entgeht keine Bewegung des neuen Airbus A380. Für ihre Leidenschaft wird sogar Funkverkehr abgehört.

Fotoapparat und Videokamera im Anschlag - keine Bewegung des neuen Airbus A380 auf dem Flughafen von Toulouse entgeht den Flugzeugfans, die sich rings um das Areal an den Zäunen drängen. "Ich fahre jedes Mal zum Gelände, wenn sich etwas tut", berichtet der 59 Jahre alte Franzose Pierre Valez. Von seinem Arbeitsplatz sind es nur rund fünf Minuten, berichtet der Luftfahrtfan. "Mein Chef hat Verständnis, er kennt meine Begeisterung", sagt Valez.

Auch wenn sich Airbus mit Informationen zurückhält, bleiben die Flugzeugfans rings um die beiden Startbahnen des Flughafens auf dem Laufenden. Mit speziellen Radioempfängern lässt sich der Funkverkehr zwischen Flugzeugen und Kontrollturm mithören. Für die Airbus-Testpiloten an Bord des A380 gibt es dabei keine Sonderrechte. Sie müssen sich an die gleichen Regeln halten, die auch für alle Linienmaschinen auf dem Toulouser Flughafen gelten. Mit dem Kennzeichen "Foxtrott-Whiskey-Whiskey-Oscar-Whiskey", kurz F-WWOW ist der riesige blau-weiße Airbus eindeutig identifizierbar.

Vor allem Franzosen und Deutsche

Nachwuchspilot Fabian Kopf ist aus Bremen nach Toulouse gekommen. "Ich wollte mir das unbedingt ansehen, aber leider verschiebt sich ja der Termin", erzählt der 22-Jährige. Er konnte bei Freunden übernachten. "Die meisten Fans rings um den Platz sind Franzosen und Deutsche", schätzt Kopf.

Am Montag werde voraussichtlich der genaue Starttermin für den Jungfernflug festgelegt, hatte eine Airbus-Sprecherin am Freitag gesagt. Das größte Passagierflugzeug aller Zeiten für 555 Passagiere solle im Prinzip in dieser Woche erstmals abheben, aber mit Sicherheit noch nicht am Montag.

Es gab schon einige Jungfernflüge in Toulouse

Auf dem Flughafen von Toulouse startete schon der erste Airbus A300 vor mehr als 30 Jahren zu seinem Jungfernflug. Auch das Überschallflugzeug Concorde hob dort 1969 zu seinem ersten Testflug ab. Spektakuläre Katastrophen ereigneten sich bei den Erstflügen von Airbus- oder Boeing-Passagierflugzeugen in den vergangenen Jahrzehnten nicht.

Viele Flugzeugfans tauschen sich im Internet über ihre Erfahrungen aus. In Foren wie www.airliners.de ist der Jungfernflug seit Wochen ein heiß diskutiertes Thema. Bilder des neuen Giganten stellen fotobegeisterte Fans zum Beispiel im Forum www.airliners.net aus.

Flugzeughersteller haben im Gegensatz zur Automobilindustrie keine Chance, ihre Prototypen abseits der Öffentlichkeit erstmal auf einem Testgelände auszuprobieren. Airbus oder Boeing müssen den Jungfernflug ihrer neuen Produkte unter den Augen der Öffentlichkeit starten. Großräumig abgeriegelte Testgebiete für neue Flugzeuge konnte in der Vergangenheit nur das Militär nutzen, wenn neue Kampfflugzeuge erprobt wurden.