Papst-Wahl Das Konklave verschanzt sich gegen Lauscher


Wanzen, Laser-Mikrofone, Handys und Computer - Sicherheitstechniker des Vatikans kämpfen an vielen Fronten gegen das Abhören des hoch geheimen Konklaves.

Sie sind auf Hacker, elektronische Wanzen und hochsensible Mikrofone eingestellt. Seit dem letzten Konklave im Jahr 1978 hat die Spionagetechnik große Fortschritte gemacht, aber der Vatikan ist zuversichtlich, die strikte Geheimhaltung der Wahlversammlung verteidigen zu können.

"Es ist nicht so, als ob das unser erstes Konklave wäre", sagt ein Vertreter der Kurie, der natürlich seinen Namen nicht gedruckt sehen möchte. Aus verständlichen Gründen lehnen es die Sicherheitskräfte im Vatikan strikt ab, irgendwelche Angaben zu den Abwehrmaßnahmen für das Konklave zu machen. Aber der Privatdetektiv Giuseppe Mazzullo, der als Polizt eng mit dem Vatikan zusammengearbeitet hat, weiß, dass der Heilige Stuhl Experten der italienischen Polizei und privater Sicherheitsdienste für das Konklave verpflichtet hat. "Die Sicherheit ist sehr strikt", erklärt Mazullo. "Es ist aber nicht unmöglich, auf illegale Weise an Informationen zu kommen."

Zähes Ringen wird erwartet

Die Versuchung ist groß. Im Konklave könnte es zu einem zähen Ringen zwischen den beiden Lagern der Reformer und der Konservativen kommen. Auch wird erwartet, dass der Druck massiv sein wird, zum ersten Mal einen nicht aus Europa stammenden Papst zu wählen. Und jede ungewollte Enthüllung aus den Konklave-Sitzungen könnte für den Vatikan überaus kompromittierend sein.

Johannes Paul II. verschärfte die Bedingungen

Im sozialistischen Polen kannte der verstorbene Papst Johannes Paul II. die Möglichkeiten der staatlichen Ausschnüffelung zur Genüge. Entsprechend sensibel hat er 1996 die Geheimhaltung im Konklave neu präzisiert. In seiner Konstitution "Universi Dominici Gregis" ordnete er an, dass vor dem Konklave "genaue und strenge Kontrollen" vorzunehmen seien, "damit nicht auf heimtückische Weise audiovisuelle Hilfsmittel zur Wiedergabe und Übertragung nach außen installiert werden". Mobiltelefone und Handheld-Computer sind damit für die Kardinäle ebenso verboten wie Radio- oder Fernsehgeräte.

Für einen Lauschangriff könnten Handys und Handheld-Computer so präpariert werden, dass alle Gespräche nach draußen übertragen werden. "Das ist ganz einfach", erklärt James Atkinson, dessen amerikanische Firma sich auf das Auffinden elektronischer Wanzen spezialisiert hat.

Schutz vor Laser-Mikrofonen

Ebenso aufmerksam werden wohl die Dächer im Vatikan abgesucht. Moderne Laser-Mikrofone können akustische Signale aus einer Entfernung von 400 Metern erfassen, indem sie winzige Vibrationen von Fensterglas oder anderen Oberflächen erfassen. "Man richtet den Laser auf ein Fenster oder ein anderes festes Objekt im Raum wie das Glas eines Bilderrahmens", erklärte Atkinson. "Wenn die Leute reden, wird das Glas mit dem Klang der Stimme vibrieren, und aus diesen Schwingungen kann man kann den Audioklang rekonstruieren." Als Gegenmittel bieten sich schwere Gardinen vor den Fenstern oder auch die Maskierung durch andere Geräusche an.

Um winzige Wanzen zu entdecken, müssen die Fahnder die sensiblen Räume der Sixtinischen Kapelle vom Boden bis zur Decke durchsuchen. Überall könnten die Aufzeichnungsgeräte versteckt sein - unter dem Teppich, im Stuhlpolster, in der Wasserleitung oder in Glühbirnen. "Werden sie auch alle Kardinäle oder Kruzifixe durchsuchen, ob diese verwanzt sind?", fragt sich der Überwachungsexperte Giles Ebbut von der Londoner Beratungsfirma Jane’s.

Erstmals muss nicht nur der Konklave-Ort selbst, sondern auch der Weg zur Übernachtungsstätte der Kardinäle, zur Marthae, überwacht werden. "Sie haben uns versichert, dass es Wege gibt, um jede Kommunikation und jedes Gespräch zu blockieren", sagte der amerikanische Kardinal Francis George, bevor sich die Geistlichen ein Interview-Verbot auferlegten.

Das größte Risiko ist ein Spion

Das größte Risiko für die Geheimhaltung geht vermutlich von einem Spion innerhalb des Vatikans aus. Wer entschlossen sei, finde kaum zu entdeckende Wege, um seine Botschaft nach draußen vermitteln, sagt Atkinson. So könnte es kaum verhindert werden, wenn jemand die Toiletten-Spülung benutze und dem Wasser ein Färbemittel beimische.

Aidan Lewis/AP AP

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