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Roboterkünstler: "Wir kommen mit zwei Tonnen Material"

Maschinen, Software und Farbe: Daraus ist Kunst der Zukunft gemacht. Die Künstlergruppe robotlab verwandelt triste Industrieroboter in interaktive Kunstwerke.

Von Kathrin Warncke

Herr Zappe, sind Sie Techniker oder Künstler?

Eher Künstler. Trotzdem kann man das nicht ohne Weiteres so sagen. Egal, welche Antwort ich gegeben hätte, viele Leute würden den Kopf schütteln. Die Techniker, weil sie sagen: Kunstspielerei. Die Künstler würden sagen: Technikspielerei. Da liegt man in einem Zwischenfeld und kann sich nicht kategorisieren. Die Frage ist immer, welcher Aspekt im Vordergrund steht, was einem wichtig ist. Mir sind Ideen wichtig. Bei Technikern ist der Roboter in der Regel nur unter funktionalen Aspekten wichtig. Für uns sind auch die Werte, die dahinter stehen, wichtig. Diese Dinge lassen sich auch von der Technik nicht wegdenken.

Wie kam es zu der Arbeit mit Industrierobotern?

Anfangs gab es ein offenes Roboterlabor im Zentrum für Kunst- und Medientechnologie, dem ZKM, in Karlsruhe. Das lief über sechs Wochen, und während dieser Zeit hat sich die Gruppe formiert. Dazu haben wir viel Zuspruch von außen bekommen. Weitere Ausstellungen haben sich dann ergeben und auch die Möglichkeit Arbeitsräume zu erhalten. Wir hatten in dieser Gründungsphase sehr viele Freiräume, es war nicht alles durchorganisiert wie heute. Später erhielten wir Gastkünstlerstatus, der zum Status als associated artist, also eine dauerhafte Anbindung ans ZKM, umgewandelt wurde.

Warum Industrieroboter?

Wir waren nicht motiviert, die Roboter erst zu schaffen. Wir wollten keine aufwändige Bastelei anfangen. Für uns war dieser "ready-made-Charakter" interessant. Das heißt, Roboter zu thematisieren, die kulturelle Bedeutung von Maschinen. Was für eine Bedeutung die Roboter in unserer Gesellschaft tragen und wie wir mit den Maschinen zusammenleben. Wir wissen, dass es Millionen von Robotern gibt, die wir in der Gesellschaft haben. Wir glauben sie zu kennen. Trotzdem schauen wir Künstler darauf und wollen neue Eigenschaften zeigen und die Maschinen in neue Kontexte setzen. Das ist die alte Vorstellung von Marcel Duchamp (Anm. der Red.: Französischer Künstler und Mitbegründer der Konzeptkunst), dass man praktisch jeden Alltagsgegenstand neu betrachten kann.

Alle Projekte sind mit einem bestimmten Robotertyp entstanden...

Viele verschiedene Punkte haben dazu geführt. Die Industrieroboter waren für uns ästhetisch die schönsten. Das heißt nicht, dass sie besonders klein oder pittoresk sind, sondern dass sie schlicht sind, gute Proportionen haben und auch nicht technisch verschnörkelt sind. Der Anblick sollte die Besucher nicht mit zu viel Kabeln und Technik verschrecken. Als Künstler muss man auch die Wahrnehmung der Besucher beachten. Und dann kam dazu, dass der Hersteller Kuka überhaupt die Maschinen mitgebracht hat.

War das ein Problem?

Ja, normalerweise kostet die Verwendung einer solchen Maschine einige tausend Euro pro Monat. Außerdem hat die Maschinenbauindustrie zunächst mal überhaupt keinen Bezug zum Kunstkontext. Insofern wäre die Frage zunächst berechtigt: Wofür kooperieren, was haben wir davon? Und das war schicksalhaft und ein Zufall, dass der Hersteller Kuka ein offenes Ohr hatte. Obwohl es ein traditionelles Unternehmen ist, haben sie gesagt: Das machen wir jetzt einfach. Nach der ersten, recht erfolgreichen Erfahrung sind wir näher in Kontakt gekommen, haben weitere Projekte gemacht und durften schließlich manche Maschinen für unsere Arbeit auch längerfristig behalten. Für das Unternehmen war es auch schön zu sehen, was aus ihren Maschinen entstehen kann.

Woher kommen die Ideen für die Kunst mit Robotern?

Manche ergeben sich einfach aus der langjährigen Arbeit. Es ist eine Sammlung von Projektideen, die auf Halde liegen. Ideen erschließen sich uns auch, da wir eine Art Forschung betreiben oder sich Forschung mehr oder weniger zwangsläufig ergibt, um ein Projekt umsetzen zu können. Ideen sind viele da und auch Anfragen für Ausstellungen, sodass man das irgendwie miteinander zusammenbringt.

Wie setzen Sie Ihre Ideen dann um?

Was Zeit in Anspruch nimmt, ist die Konzeption. Wir sitzen viel zusammen, das kann über Wochen gehen. Man macht Recherchen, rennt in Bibliotheken, unterhält sich, das ist so eine Art Konzeptphase. Jeder schmeißt seine Vorstellung auf den Tisch, und dann werden die technischen Möglichkeiten geprüft. Dazu gehören parallel auch kleine Experimente, bei denen wir ausprobieren, ob zum Beispiel bestimmte Sensoren erforderlich sind. Dann gehen wir in die Realisierungsphase: konstruieren, bauen, programmieren.

Erzählen Sie etwas über die Mitglieder von robotlab.

Matthias Gommel hat Ausstellungsdesign und Medienkunst studiert und Martina Haitz ein Studium der Informatik und Elektrotechnik absolviert. Ich selbst habe Medienkunst studiert, an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

Teilt sich die Arbeit auch so auf - der eine programmiert, der andere ist kreativ?

Bei uns nicht. Das Konzept und die Idee, das machen wir alles zusammen. Es gibt natürlich Schwerpunkte, die sind aber mehr pragmatisch. Es ist eher so, dass der, der einen Schwerpunkt mitbringt, bestimmte Rahmenbedingungen nennt und das Projekt damit in eine bestimmte Richtung bringt.

Könnte ein Künstler das auch ohne Technikkenntnisse umsetzen?

Prinzipiell ja. Man könnte unsere Arbeiten auch als eine Art Konzeptkunst betrachten. Künstler generieren die Idee. Prinzipiell ist es für jeden mit technischem Know-how umsetzbar. Das ist nichts Spezifisches in der Verbindung von Kunst und Technik. Das ist heute noch genau so wie im 15. Jahrhundert, und wenn Sie dann ein Bild an der Wand sehen, heißt das noch lange nicht, dass es aus der Hand von dem Künstler stammt. Wer es realisiert, ist egal. Es ist aber so, dass es in unserem Fall entweder nicht finanzierbar wäre oder die Leute mit dem Know-how gar nicht existieren.

Wie finanzieren Sie sich?

Durch Ausstellungen. Es ist einfach so, dass Projekte angefragt werden für Ausstellungen. Gelegentlich gibt es für uns auch Auftragsarbeiten. Nicht unbedingt für eine Kunstausstellung, sondern vielleicht für eine Messe oder aus privatem Anlass. Man muss dazu sagen: Egal welche Art von Anfragen, es gibt sehr viele, bei denen nichts draus wird. Bei weniger als der Hälfte Anfragen findet die Ausstellung am Ende statt.

Die Anfragen von privatwirtschaftlicher Seite sind oft durch finanzielle Grenzen limitiert. Wenn ein Philosoph einen Unterhaltungsvortrag hält, bekommt er ein Honorar und fertig. Wir kommen bei einem Auftrag mit zwei Tonnen Material, dazu mit großem Aufbau- und Transportaufwand. Das erzeugt dann auch Kosten.

In welcher Höhe?

Meinen sie eine amtliche Berechnung? Sozusagen drei Monate Arbeitszeit bei drei Personen plus Materialkosten, etc?

Ja.

Das wäre natürlich extrem teuer. Allein die Robotermiete, pro Roboter mehrere tausend Euro und dann über Monate mit mehreren Robotern gerechnet - das wäre eine ganz stattliche Summe. Aber das haben wir bisher nicht ausgerechnet. Man könnte jeden Künstler fragen und es käme eine Unsumme an Kosten zu, wenn der seine Arbeitsstunden zusammenzählt. Das funktioniert ganz anders. Der Preis des Kunstwerks ist immer sehr subjektiv und steht in der Kunstwelt häufig nicht in Relation zur Arbeitsleistung.

Welches Feedback erhalten Sie von Besuchern?

Es ist schwer zu sagen, weil wir ja nicht die ganze Zeit daneben stehen. Da müsste man das Wachpersonal im Museum fragen. Die hätten bestimmt viel darüber zu erzählen. Es gibt wenig direktes Feedback, das bei uns landet. An Eröffnungstagen oder mal vor Ort merken wir, wo die Leute hingehen. Aber ich weiß nicht, ob das so repräsentativ ist. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass unsere Projekte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das liegt zum einen an der Präsenz einer solchen Maschine an sich. Der Roboter übt einen großen Reiz aus, schon durch seine organischen Bewegungen. Ein Art Feedback ist es auch, dass wir uns auf keine Ausstellung bewerben müssen, sondern immer angefragt werden.

Gibt es eine spezielle Zielgruppe?

Es ist vor allem ein internationales Publikum. Aber generell machen wir es für jeden, der sich dafür interessiert und der Kunst begegnet. Es sind ja häufig Begegnungen.

Interessieren sich die Besucher auch für die Technik?

Besonders bei Eröffnungen gibt es viele Fragen zur Technik. Es kommen Leute, die von Technik nichts verstehen und das sehr interessant finden. Aber sie sind still, weil sie sich nicht trauen, was über die Technik zu sagen. Vielleicht wollen sie keine dummen Fragen stellen. Und es gibt die Ingenieure, die fragen ganz zielgerichtet gemäß ihrer Profession. Wir leben in einer technisierten Gesellschaft, und die Fragen bilden unser Denken, das funktionalistische, ab. Wenn ein neuer Handytyp auf den Markt kommt, fragt man sich nicht zuerst: Was ändert das an meinem Leben, sondern erst mal, was kann das?

Die Leute schauen auf Technik und stellen erst mal auch nur funktionale Fragen: Wie geht das? Was kann der Roboter? Kann der auch das und das? Die sind sozusagen nur auf das gerichtet, was er kann. Also nicht auf die Wertung oder Konsequenzen bezogen. Das ist zwar kein existenzielles "Problem", aber man sieht, das ist eine angelernte Wahrnehmung.

Es ist ein häufiger Punkt der Irritation. Wir haben ja auch einen Bibelschreiber produziert. Bei dieser Installation hantiert der Roboter unheimlich wenig und kommt bei weitem nicht an seine Leistungsgrenze. Der Aspekt ist nicht der, was er Tolles kann, zum Beispiel Schriftstücke mit einer besonderen Genauigkeit schreiben. Es ist wichtiger, was er durch sein Tun in die Welt setzt, außer den Produkten auch die Bedeutungen.

Ist Interaktivität eine Eintagsfliege im Museum?

Ich bin kein guter Prophet. (lacht). Es gibt im theoretischen Diskurs Themen, die besonders präsent sind. Das war auch mal so ein Thema. Interaktivität wird als Modebegriff absinken und als Selbstverständlichkeit stärker werden. Das ist jetzt noch nicht mal ein Blick in die Zukunft, sondern auch eine Abschätzung, wie sich das in den letzten zehn Jahren entwickelt hat.

Interview: Kathrin Warncke

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.