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Sicherheit am Flughafen: Strahlen gegen Terror

Terahertz-Strahlen könnten zukünftig die Sicherheit am Flughafen erhöhen. Mit Hilfe der speziellen Technik lassen sich Sprengstoff und Waffen leichter erkennen. Doch noch ist das Verfahren für die Betreiber von Flughäfen zu teuer, sind die Geräte zu groß.

Von Thomas Soltau

Immer wieder gelingt es Testpersonen trotz starker Kontrollen, Messer oder Pistolen an Bord eines Flugzeugs zu schmuggeln. Die Schleusen mit ihren Detektoren versagen und gefährliche Materialien gelangen durch simple Tricks ins Flugzeug. Ein Albtraum für Fluggäste und Airlines. Für Abhilfe könnten Terahertz-Strahlen sorgen - sie spüren zuverlässig verdächtige Gegenstände auf. Ein unter einer Zeitung verstecktes Keramikmesser ließe sich mit der Strahlung schnell entdecken. "Man kann zwar bisher nicht eindeutig bestimmen, ob es sich um einen Harzer Käse oder eine Handgranate handelt, aber die Umrisse sind ganz klar auszumachen", sagt Professor Dr. Martin Koch vom Institut für Hochfrequenztechnik der TU Braunschweig.

T-Strahlen sollen unbedenklich sein

Terahertz-Strahlen sind sehr aufwendig herzustellen und stammen aus einer Nische des elektromagnetischen Spektrums zwischen Infrarot und Mikrowellen. Wie der Name schon sagt, schwingen Terahertz-Wellen einige Billionen (Tera) Mal pro Sekunde (Hertz). Jeder Stoff, der in Terahertz-Frequenz bestrahlt wird, absorbiert die Strahlen unterschiedlich, und daraus ergibt sich ein charakteristisches Profil von Gegenständen. T-Strahlen durchleuchten zwar Papier und Kleidung, dringen jedoch nicht weit in den Körper ein. Anders als etwa Röntgenstrahlen gelten T-Strahlen als unbedenklich für das Gewebe, da sie viel weniger Energie haben. "Die Terahertz-Strahlung ist eigentlich nichts anderes als Wärmestrahlung", erklärt Professor Koch. "Der menschliche Körper und die gesamte Umgebung geben, wie jedes andere Objekt, ebenfalls Wärmestrahlung und damit Energie ab - und zwar wesentlicher mehr als die von uns verwendeten Terahertz-Systeme."

Am Flughafen selbst könnten drei unterschiedliche Komponenten mit Terahertz-Strahlung für mehr Sicherheit sorgen. Die Terahertz-Kamera wird bereits in militärischen Bereichen erprobt. Sie durchleuchtet fast alles und spürt selbst nicht metallische Gegenstände auf. Natürlich schaut die Kamera auch unter die Kleidung. "Manche Menschen oder Religionsgruppen empfinden das als peinliche Prozedur. Letztlich kann man das Programm aber automatisieren und so einstellen, dass Sicherheitsbeamte nur dann ein Bild auf dem Computer sehen, wenn sich wirklich verdächtige Gegenstände abzeichnen", sagt Koch.

Systeme erst in Jahren einsetzbar

Die zweite Möglichkeit der Durchleuchtung zielt auf die Gepäckabfertigung. Um Millionen von Koffern am Flughafen möglichst schnell zu scannen, werden Terahertzwellen erzeugt, die Gepäckstücke auf Sprengstoff und Drogen hin inspizieren. Nach dem gleichen Prinzip ließen sich auch Briefe durchleuchten und auf gefährliche Inhalte wie Milzbrand- Erreger überprüfen. Diese Systeme, die mit Antennen und Parabolspiegeln arbeiten, sind leider bisher nur bedingt serienreif. Zudem ist ihr Preis von etwa 300.000 Dollar noch eine zu große Hürde für die Anschaffung. "Ich schätze, dass es noch fünf bis sechs Jahre dauert, bis solche Systeme am Flughafen eingesetzt werden ", so Professor Koch.

Der dritte Problemkreis ist die Detektion von Flüssigsprengstoff. "In den nächsten drei Jahren wollen wir ein Gerät von der Größe eines Schuhkartons entwickeln, mit dem man Flüssigkeiten scannen kann", erläutert der Physiker. "Damit lässt sich dann ganz genau Saft von Flüssigsprengstoff unterscheiden." Auch wenn es sich so anhört, als würde sich die Sicherheit am Flughafen durch die technologischen Fortschritte abrupt verbessern - Professor Koch sieht die Geräte lediglich als flankierende Maßnahmen zu existierenden Systemen. "Bestehende Geräte wie Röntgenstrahlen oder Metalldetektoren werden weiter entwickelt werden. Immerhin können Terahertz-Strahlen kein Metall durchdringen. Also sind wir auf konventionelle Systeme angewiesen." Auf die Frage, ob sich mit der neuen Technik auch die zuweilen lange Abfertigungszeit beim Sicherheitscheck verringert, lächelt Koch nur milde. "Die Kette der Geräte wird sich verlängern, die Sicherheit wird größer - die Wartezeit wird aber wohl die gleiche bleiben."