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Survival-Musikspieler: MP3-Leierkasten für den Dschungel

Für Fans von Extremurlaub in der Wildnis gibt es bald einen neuen Begleiter. Einen Multimediaplayer, der sich mit reiner Muskelkraft aufladen lässt und fernab aller Steckdosen sogar das Handy mit Strom versorgt.

Von Nina Ernst

Eine endlose Betonwüste, unaufhaltsam rollende Blechlawinen und missmutige Eingeborene. Der moderne Dschungel ist nichts für zarte Gemüter. Nach Wellnesstempel und Luxusresort sind Survival-Trips wieder in. Wem es an Zeit und Erfahrung für einen sechswöchigen Trip durch die Kalahari oder das Amazonasgebiet mangelt, erkundet in einem Wochenendtrip den Großstadtdschungel um die Ecke. Der perfekte Begleiter für solch ein mutiges Unterfangen ist ein neuer Multimediaplayer, der die Stunden der Einsamkeit verkürzt und per Kurbel ganz ohne Strom aufgeladen werden kann: der Eco Media Player EP-MX71von Baylis.

Es dämmert draußen. Zeit, das Basiscamp in der warmen Wohnung zu verlassen. Schnell noch an der Kurbel drehen, um den Eco Media Player aufzuladen. Die Minijukebox kommt völlig ohne Stromversorgung über die Steckdose aus. Wer Musik hören oder Filme sehen will, muss seine Muskeln einsetzen. Die Kurbel auf der Rückseite lässt sich schnell ausklappen und ist erstaunlich leichtgängig. Kein Ächzen und Stöhnen während des Drehens wie bei den ersten Kurbelgeräten, die vor einigen Jahren auf den Markt gekommen und schnell wieder verschwunden sind. Zwei Minuten Kurbeln reichen, um etwa eine Stunde Musik zu hören.

Mit dem aufgeladenen Gerät in der Hand geht es ab auf die Straße. Natürlich mit der passenden Musik für solch einen Player: "Welcome to the Jungle" von Guns'n'Roses. Am Klang der beiliegenden hochwertigen In-Ear-Kopfhörer gibt es nicht zu meckern. Doch wohin mit dem Gerät? Es ist zwar relativ leicht, sodass Abenteurer es sich um den Hals hängen können. Aber mit etwa elf mal sechs Zentimetern Größe und zwei Zentimetern Dicke ist es zum Umhängen viel zu groß. Der MP3-Player baumelt bei jedem Schritt wild vor sich hin. Also ab in die Jackentasche damit.

Lampentest im Park

Etwa 20 Minuten Fußmarsch und sechs Songs später rückt der Hamburger Stadtpark in sichtbare Nähe. In der Ferne schreit ein Tier, das wie eine hungrige Hyäne klingt. Wahrscheinlich ist es nur ein Terrier, der Gassi geführt wird. Trotzdem eine ideale Kulisse für einen Test einer Hardware, die sich fernab der Zivilisation zu Hause fühlt. In einer unbeleuchteten Ecke des Parks kommt die integrierte Taschenlampe zum Einsatz. Die leuchtet ziemlich hell, während man einen kleinen Knopf an der Seite gedrückt hält. Eigentlich soll die Lampe beim Aufbau des Camps im Urwald assistieren. Notfalls hilft sie aber auch dabei, sich einfach im Dunkeln die Schnürsenkel zuzubinden.

Urplötzlich frischt es auf. Ein paar vereinzelte Tropfen fallen vom Himmel. Ob einer der berüchtigten Hamburger Stürme droht? Ein verwöhnter Stadtmensch vergisst schon mal, sich vor solch einer Expedition den Wetterbericht anzusehen. Also sicherheitshalber im Menü des Survivalhelfers das Radio anwählen und einen Sender suchen. Das Menü samt Ordnerstruktur ist nicht gerade schön, aber funktional. Bald ist der passende Sender gefunden. Der Sprecher verheißt nichts Gutes: Platzregen.

Schnell zur nächsten U-Bahn-Station und ab in die Zivilisation. Die Haltestelle wirkt fast wie ausgestorben. Nur ein paar durchnässte Gestalten stehen in der Ecke. Noch neun Minuten bis zur nächsten Bahn. Das Schauspiel wirkt trostlos. So müssen Abenteurer sich fühlen, wenn sie in einer Grotte beim Prasseln des Regens darauf warten, dass es aufklart. Vielleicht können ein Video des letzten Urlaubs oder ein paar Fotos der Lieben die Stimmung aufhellen? Denn auf den internen zwei Gigabyte Speicher plus optionaler SD-Karte finden einige Bilder der gängigen Formate tif, bmp und gif Platz. Richtig brillant sehen die nicht aus, erfüllen aber ihren Zweck. Nur das Ganze noch mit einem sentimentalen Song wie "Memories are made of this" von Dean Martin zu untermalen, will einfach nicht gelingen.

Die Bahn kommt. Ein guter Anlass, um die eBook-Funktion zu testen. Die reicht zwar für das Studieren von Notizen und Anleitungen zum Zeltaufbau, lange Texte oder gar Romane sind auf dem etwa drei Zentimeter hohen und dreieinhalb Zentimeter breiten Display kein Genuss. Die kleinen Buchstaben strengen die Augen nach einigen Minuten an.

Komische Blicke

Raus aus der Bahn, rein in eine belebte Straße voller Kneipen und Bars. Der Regen hat nachgelassen. Genau wie die Akkus. Die Batterie kann für 20 Stunden im Voraus aufgeladen werden, aber wer hat schon Lust, so lange am Stück zu kurbeln? Mitten in einem Pulk aus Menschen muss erneut an der Winde gedreht werden. Beim Herausholen des Players kommen die ersten komischen Blicke. Zugegeben: Schön ist der schwarz-silberne Klotz nicht. Trotzdem schafft er es, einem ans Herz zu wachsen. Nicht nur wegen der vielen Funktionen. Der Kurbelplayer vermittelt ein Gefühl von Unabhängigkeit. Und er erleichtert in Zeiten der Diskussion über Klimaschutz ein kleines bisschen das Gewissen. Beim Drehen der Kurbel steigt das Selbstwertgefühl, und die missmutigen Gesichter wandeln sich. Erst in Erstaunen, dann in so etwas wie Neid. So ein Ding haben die meisten noch nicht gesehen.

Nun hat das Gerät wieder genug Power für wildes Zappen quer durch alle Musikrichtungen. Das Durchschalten dauert etwas länger als bei einigen anderen MP3-Playern. Die Tasten sind außerdem etwas schwergängig und reagieren mit leichter Verzögerung. Dafür ist das Gerät sehr robust und hält auch einen Sturz aus.

Stromtransfusion zum Handy

Nach mehreren Stunden des Herumlaufens wird es Zeit, nach Hause zu fahren. Kein Taxi in Sicht. Und der Handy-Akku ist fast leer. Kurzes Herumsuchen in der Kabelauswahl des Media-Players schafft Abhilfe. Wer ein Telefon der gängigen Marken hat, kann es mit einem beiliegenden Adapter über den Player aufladen. Und sich nebenbei das Fitnessstudio sparen. Obwohl die Kurbel leichtgängig ist, muss man wegen des hohen Stromverbrauchs der Handys ganz schön am Rad drehen, um das Telefon aufzuladen. Eine Minute Kurbeln reicht für knapp zwei Minuten Telefonieren. Ein mühsames Unterfangen, aber ein schönes Feature für den echten Survivaltrip. Denn dieser Player gehört eigentlich in die Wildnis. Oder in die Hände von Großstadtcowboys, die unterwegs einen Hauch von Freiheit verspüren wollen. Nicht gerade hübsch, aber das ideale Spielzeug für Individualisten.

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