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"Fake or No Fake" Bär jagt Snowboarderin - oder doch nicht?

Es gibt viele Möglichkeiten Videos zu manipulieren. Zum Beispiel so. Herzlich willkommen zu "Fake or No Fake". Im April 2016 sorgt ein Video für Aufsehen in den sozialen Netzwerken. Der Clip zeigt eine Snowboarderin, die von einem Bären gejagt wird. Können Sie erkennen, ob das Video echt oder ein Fake ist? Was denken Sie? Unglaubliches Glück oder eine geschickte Fälschung? Die Antwort: Der Clip ist ein Fake. Die Verfolgungsjagd ist das Werk der australischen Werbefirma "RIOT Content". Im Rahmen der Kampagne "The Viral Experiment" produziert das Unternehmen zur Eigenwerbung zahlreiche Fake-Videos. In den meisten Fällen bleibt der Urheber eines Fake-Videos unbekannt. Doch wie überführt man die Fälscher nur anhand ihrer Arbeit? Um der Manipulation auf die Schliche zu kommen, sehen wir uns Teile des Clips verlangsamt und vergrößert an. Ein erstes Indiz findet sich, als der Bär das erste Mal auftaucht. Das Tier steht vollkommen regungslos im Hintergrund. Doch auch die Bewegungen des Bären geben Anlass zur Skepsis. Die stellenweise sprunghaften oder gleitenden Bewegungen des Tieres wirken sehr unnatürlich. Ein weiteres Indiz offenbart sich, als die Sportlerin den Bären teilweise verdeckt. Zwischen ihrer Kapuze und dem Tier ist eine dünne, helle Linie sichtbar. Beim sogenannten "Rotoscoping", dem digitalen Ausschneiden von Personen oder Objekten, kann es zu solch "unsauberen Kanten" kommen. Das Making-of-Material der Werbefirma bestätigt den Einsatz dieser Technik. Doch nicht nur das Video an sich liefert Hinweise. Laut Videobeschreibung entstehen die Aufnahmen im Wintersportpark "Hakuba 47" in Japan. Doch gibt es dort überhaupt Bären? Eine kurze Online-Recherche ergibt: Ja, es gibt Bären in der genannten Region – und zwar den Asiatischen Schwarzbären. Das Tier im Video hat allerdings mehr Ähnlichkeit mit einem Braunbären oder einem Grizzly. Wer sich Videos genau ansieht und sich die Zeit für eine kurze Recherche nimmt, kann einen Fake entlarven. In diesem Sinne: Lassen Sie sich keinen Bären aufbinden.


Wie untersuchen wir in der Redaktion Videos auf Manipulation? Dabei ist ein Blick auf die Details wichtig. Die Einzelbilder eines Videos verraten oft, ob ein Video bearbeitet wurde. Wir schauen uns Bild für Bild genau an und vergrößern einzelne Ausschnitte. Indizien für einen Fake sind zum Beispiel: fehlende Bewegungsunschärfe, unnatürlicher Schattenwurf oder Schnittfehler. Beim stern gilt generell: Seriosität vor Schnelligkeit. Wir checken Fakten und Material immer gründlich gegen, bevor wir sie veröffentlichen. Dafür arbeiten wir mit dem redaktionsübergreifenden "Team Verifikation" zusammen mit RTL, NTV, RTL2, Radio NRW.
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Jeden Tag begegnen uns hunderte Videos im Internet - viele davon sind manipuliert. Das Format "Fake or No Fake" gibt einen Einblick in die Methoden der Fälscher. Dieses Mal: Ein Bär verfolgt eine ahnungslose Snowboarderin.

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