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Alkoholeinfluss: Kein Versicherungsschutz für Betrunkene

Unfallversicherungen und Alkohol passen meistens nicht zusammen. In vielen Fällen verweigern Versicherer die Zahlung der Unfallrente, wenn der Betroffene betrunken war.

Dass man sich tunlichst nicht betrunken ans Steuer setzen sollte, ist zwar bekannt. Doch auch bei anderen Aktivitäten erlischt der Versicherungsschutz, wenn man bei deren Ausübung nicht mehr nüchtern ist. So entschied zum Beispiel das Kammergericht Berlin (AZ: 6 W 12/03) gegen einen Versicherten, der im Rausch das Hotelfenster öffnete, hinausfiel und sich schwere Verletzungen zuzog. Als er von seiner privaten Unfallversicherung die Auszahlung der Versicherungssumme verlangte, weigerte diese sich und verwies auf die Versicherungsbedingungen. Danach sind durch Alkohol bedingte Bewusstseinsstörungen nicht versichert. Diese Begründung hielt auch der Überprüfung durch das Gericht stand. Die Richter glaubten dem Mann nicht, der erklärte, er sei nur ausgerutscht.

Schutzlos nach dem Schnaps

Auch ein Fußgänger, der mit 1,8 Promille in einen Unfall verwickelt wird, setzt seinen Schutz aus der privaten Unfallversicherung aufs Spiel. Existieren nämlich Anzeichen für eine erhebliche Bewusstseinsstörung, braucht die Versicherung nicht zu zahlen, wie das Oberlandesgericht Hamm (AZ: 20 U 140/01) entschied. In dem Fall war ein Mann nachts betrunken mit 1,8 Promille Blutalkohol auf die Straße gelaufen und angefahren worden. Daraufhin berief sich die Unfallversicherung des Mannes darauf, dass er sich zum Unfallzeitpunkt im Zustand einer Geistes- oder Bewusstseinsstörung befand, die für den Unfall ursächlich war.

Vor Gericht bekam die Versicherung Recht: Eine absolute Verkehrsuntüchtigkeit bei Fußgängern werde regelmäßig zwar erst ab zwei Promille Blutalkohol angenommen, so die Richter. Aber in dem verhandelten Fall gebe es Hinweise auf eine erhebliche alkoholbedingte Störung der Aufnahme- und Reaktionsfähigkeit des Opfers auch schon bei dem geringeren Blutalkoholwert. So sei der Mann schräg über die Straße geradezu in den herannahenden Pkw hineingelaufen. Ein solches Verhalten mit einer erheblichen Fehleinschätzung für Entfernungen sei, wie es in dem Urteil heißt, "alkoholtypisch und nur mit einer alkoholbedingten Bewusstseinsstörung zu erklären".

Es gibt auch Policen mit "Alk-Schutz"

Sinnvoll kann deshalb der Abschluss einer Unfallpolice sein, die einen Schutz bei Alkoholgenuss nicht ausschließt - etwa für Fußgänger. Die Zeitschrift "Optimal versichert" hat einige dieser Tarife unter die Lupe genommen und weist darauf hin, dass beispielsweise die Alte Leipziger und die Gothaer auch dann Versicherungsschutz gewähren, wenn Alkohol getrunken wurde. Andere Versicherer hingegen schließen den Schutz ganz oder ab einer bestimmte Promille-Grenze aus. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Versicherungsbedingungen genau zu studieren.

Aber selbst der Einschluss von alkoholbedingten Unfällen in die Versicherungsleistungen wird manchem leichtsinnigen Zeitgenossen nicht helfen. Wer im Vollrausch wandert und einen Unfall erleidet, kann nämlich auch mit einer "Alkohol-Police" nicht darauf zählen, dass der Unfallversicherer bei einem Unglück zahlt. Vor dem Oberlandesgericht Köln (AZ: 5 W 111/05) wurde ein solcher Fall verhandelt. Die Versicherung des verunglückten Wanderers wollte nicht zahlen, weil der über 2,5 Promille im Blut gehabt hatte, als er auf einer Wanderung einen Abhang herunterstürzte und sich so schwer verletzte, dass er querschnittsgelähmt blieb. Die Richter gaben dem Versicherer Recht. Denn wer mit 2,0 Promille Blutalkoholgehalt als fahruntüchtig gilt, muss auch als wanderuntüchtig gelten und kann sich nicht auf seinen Versicherer verlassen.

Oliver Mest/DDP / DDP
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