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Bayern: 760 Tonnen Fleischabfälle verkauft

760.000 Kilogramm falsch deklarierte Fleischabfälle soll ein Mann in den vergangenen Jahren an Firmen in Deutschland verkauft haben. Die Schlachtreste wurden weiterverarbeitet und in den Verkauf gebracht. Nun wurde Haftbefehl gegen den Verdächtigen erteilt.

Gegen den Hauptverdächtigen im Fleischskandal um falsch deklarierte Schlachtabfälle hat das Amtsgericht Memmingen Haftbefehl erlassen. Dem Mann wird vorgeworfen, in mehr als 50 Fällen ungenießbares Fleisch in den Verkehr gebracht und als genusstauglich an mehrere Firmen in Deutschland mit hohem Gewinn weiterverkauft zu haben. Das teilte die Staatsanwaltschaft Memmingen mit.

Der Beschuldigte soll allein rund 120.000 Kilo Schweineschwarten in mehreren Lieferungen an eine Firma in Rheinland-Pfalz als eine zum menschlichen Verzehr geeignete Ware verkauft haben. Die "gutgläubige Firma" habe daraus Speisegelatine hergestellt und weiterverkauft. Die Rückholaktion des bayerischen Umweltministeriums für das verdächtige Fleisch kam in der vergangenen Woche zu spät, da der Großteil der Ware offenbar schon bei den Verbrauchern gelandet war.

Zwischen Bayern und Berlin entbrannte ein Streit um die Veröffentlichung der Herstellernamen. Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hatte die Bekanntgabe verlangt, damit die Verbraucher die Ware erkennen und zurückbringen könnten. Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) entgegnete, die Daten lägen dem Bund vor. Es bleibe ihm unbenommen, diese zu veröffentlichen, wenn er dies für zulässig halte. Eine Sprecherin des Bundesministeriums sagte aber am Montag, die Veröffentlichung sei allein Sache Bayerns. Wenn Schnappauf die Informationspflicht abwälzen wolle zeige das, dass er kein Interesse an der Aufklärung habe.

Die Durchsuchungen in zwei bayerischen Firmen dauerten Montag noch an. In den Betrieben in Oberfranken und Niederbayern werde alles unter die Lupe genommen, sagte ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums in München. In dem oberfränkischen Betrieb hatten die Ermittler am Wochenende vier Tonnen der verdächtigen Schlachtabfälle gefunden. Ob die Firma das Fleisch illegal zu Lebensmitteln verarbeiten wollte, war zunächst unklar.

2600 Tonnen Tierreste nach Italien, Ungarn und Frankreich

Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass 2600 Tonnen der nicht für den menschlichen Verzehr geeigneten Tierreste auch noch nach Italien, Ungarn und Frankreich geliefert worden waren.

Der Hauptverdächtige im Fleischskandal soll von Dezember 2003 bis Mai 2005 in mehr als 50 Fällen rund 760.000 Kilogramm für den menschlichen Verzehr untaugliche Geflügelabfälle als genusstaugliche Ware an zwei Firmen in Bayern und Thüringen verkauft haben, die diese Ware im Lebensmittelbereich verarbeiteten und verkauften.

Exemplarisch für die Vorgehensweise des Beschuldigten sei, dass er in der Schweiz als ungenießbar deklarierte Schweineschwarten billig kaufte, nach Deutschland importierte und meist noch am gleichen Tag weiter verkaufte. Dabei soll er gefälsche Begleitpapiere vorgelegt haben, auf denen die Fleischabfälle als genusstauglich deklariert waren.

DPA / DPA

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