HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Ich mag die Kinder meiner Freundin nicht - wie werden wir eine Patchwork-Familie?

Seit fünf Jahren ist Kai mit Karina zusammen. Sie ist eine tolle Frau, doch ihre Kinder sagen ihm nicht zu. Seit kurzem zieht Karina sich zurück, und Kai befürchtet, dass sie sich trennen will. Wie kann er die Beziehung neu beleben?

Patchwork-Familie: ich mag die Kinder meiner Freundin nicht

Patchwork-Familie: ich mag die Kinder meiner Freundin nicht

Liebe Frau Peirano,

ich bin seit zehn Jahren von meiner Frau getrennt, wir haben eine 16-jährige Tochter. Es hat für mich sehr lange gedauert, mich von meiner Frau zu lösen. Jetzt ist sie so etwas wie eine beste Freundin für mich. Wir treffen uns regelmäßig, auch ohne unsere Tochter, aber natürlich auch mit ihr. Wir kochen zusammen, gehen spazieren und tauschen uns aus. Wir wohnen fünf Minuten voneinander entfernt.


Seit fünf Jahren bin ich in einer Beziehung mit Karina. Sie lebt im Umland meiner Stadt, ungefähr 40 Kilometer von mir entfernt. Sie hat zwei (Sohn 17, Tochter 14), beide nicht mein Fall, wenn ich ehrlich bin. Ich werde mit ihren Kindern nicht warm, sie sind völlig anders als meine Tochter.

Auch fühle ich mich in Karinas Haus nicht wohl. Sie hat mit ihrem Mann dort gelebt und nach der Trennung wenig verändert (Stichwort: gleiches Bett!), so dass ich die Spuren ihres Mannes noch quasi "rieche". Ich übernachte deshalb ungern bei ihr, aber die Strecke ist zu lang, um abends noch nach Hause zu fahren. Karina hat die Kinder meistens (bis auf jedes zweite ). Sie ist oft gestresst von der Arbeit, vom intensiven Segeltraining mit den Kindern und von ihrer kranken Mutter. Wenn Karina ein freies Wochenende hat, kommt sie meistens zu mir und wir haben ein wunderschönes Wochenende als Paar. Aber es ist halt selten. Gemeinsame Urlaube haben wir zwei Jahre nicht gemacht.


In letzter Zeit ist die Stimmung zwischen uns oft distanziert. Wir kriegen es nicht hin, uns auch unter der Woche noch zu treffen. Karina kommt nicht wirklich damit rüber, was los ist. Aber ich merke, dass sie unzufrieden ist. Ich habe Angst, dass sie sich trennen will. Sie bedeutet mir viel, und ich möchte sie nicht verlieren. Aber ich habe den Eindruck, dass wir uns so langsam verlieren.

Viele Grüße, Kai E.

Lieber Kai E.,

ich habe auch den Eindruck, dass Sie und Karina dringend etwas tun müssen, damit Ihre Beziehung eine Zukunft hat. Es hört sich so an, als wenn Sie beide noch sehr mit Ihren ersten Familien verhaftet sind und zu wenig Raum für die neue Beziehung haben. Solange die Kinder noch bei Ihnen bzw. Karina wohnen, dreht sich das Leben um sie, um ihren Tagesablauf, ihre Interessen, ihre Probleme.
Wenn Sie die Kinder aus Ihrer Beziehung ausklammern, weil Ihnen Karinas Kinder nicht so gefallen, bleiben Ihre Leben weiterhin sehr getrennt in zwei weit voneinander entfernten Nestern. Leider gibt es mit den Kindern des anderen derzeit kaum Berührungspunkte. Ich kann mir vorstellen, dass Sie beide sich unterschwellig einsam und möglicherweise auch gekränkt fühlen, weil die eigenen geliebten Kinder vom Partner aus der Beziehung mehr oder weniger ausgeklammert werden. Ihre Tochter kennt, so wie es scheint, Karina kaum. Sie erlebt Sie und ihre Mutter immer noch in Verbundenheit. Ich kann mir vorstellen, dass Karina das als Ausgrenzung erlebt.


Wie wäre es, wenn Sie Karina mit Ihrer Noch-Ehefrau und Ihrer Tochter bekannt machen? Falls es Reibereien zwischen den Frauen geben sollte, wäre das ein Zeichen dafür, dass Sie doch noch nicht so von Ihrer Frau losgelöst sind, wie Sie glauben.

Wie sieht es eigentlich auf Familienfesten aus, die die Kinder oder die Familien betreffen (z.B. Konfirmation der Kinder, große Geburtstage Ihrer oder Karinas Eltern). Gehen Sie gemeinsam hin und zeigen Sie auf Karinas Seite Präsenz? Es wäre gut, zu zeigen, dass Sie der Mann an Karinas Seite sind und an ihrem Familienleben teilhaben möchten (und natürlich vice versa.) Wenn Sie einander aus diesen Festen heraushalten und diese in der alten Konstellation erleben (Sie mit Ihrer Frau, Karina mit Ihrem Mann), zementieren Sie damit die Trennung Ihrer beider Leben. Sie zeigen auch den Kindern des anderen, dass Sie nichts mit Ihnen zu tun haben (wollen). Genau das wollen Sie ja nicht.


Gemeinsamer Alltag mit Kindern 

Auch wäre es wichtig, dass Sie sich um mehr gemeinsamen Alltag mit den Kindern bemühen. Karina scheint mit den vielen Aufgaben in ihrem Leben etwas überfordert zu sein. Hätten Sie Zeit, ihr zu helfen? Zum Beispiel gemeinsam mit seinen Kindern den Wocheneinkauf erledigen, bei Bedarf den Kindern bei der Schule helfen, Reparaturen erledigen oder was Ihnen sonst noch in den Sinn kommt. Vielleicht könnten Sie auch mit allen Kindern gemeinsam etwas unternehmen, wozu alle Lust haben (z.B. in einen Kletterpark gehen). Wenn die Kinder jeweils Freunde mitnehmen dürfen, ist es auch nicht so wichtig, wie gut sie sich untereinander verstehen. Außerdem werden die Kinder Sie und Karina ein Leben lang begleiten, auch später ggf. mit Enkeln. Wenn Sie eine gemeinsame Zukunft haben wollen, wäre es wichtig, einander jetzt besser kennen zu lernen. Sonst hält die Trennung zwischen Ihrer und Karinas Familie noch weitere Jahrzehnte an.

Außerdem wäre es wichtig, dass Sie mit Karina ein offenes Gespräch über Ihre Beziehung führen und auch das ansprechen, was zwischen Ihnen beiden steht. Zum Beispiel verletzt und stört es Sie, dass Karina die Spuren ihres Mannes auch nach Jahren noch nicht aus dem Haus beseitigt hat. Hier wäre es wichtig, gemeinsam die Renovierung zu planen. Besprechen Sie doch einmal, was jeder von Ihnen bräuchte, um sich beim anderen richtig wohl zu fühlen. Es kann zum Beispiel sein, dass eine persönliche Nische (ein Sessel, ein Schreibtisch, ein kleines Zimmerchen) helfen könnten, um sich auch beim anderen zurück ziehen zu können.

In die Beziehung investieren

Überlegen Sie doch einmal, wie viel Zeit und Energie Sie damals in die Beziehung zu Ihrer Frau investiert haben: Sie haben eine gemeinsame Wohnung gesucht und eingerichtet, einige Jahre zusammen gelebt, den Alltag miteinander verbracht, Kompromisse geschlossen. Es wäre demnach auch erforderlich, in die neue Beziehung ähnlich viel zu investieren. Wie sieht es bei Karina und Ihnen mit gemeinsamen Träumen aus: Wollen Sie in einigen Jahren zusammen ziehen, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Wie soll Ihr Leben in ca. 5 Jahren aussehen? Sprechen Sie öfters darüber und schaffen so Gemeinsamkeiten?
Wenn Sie und Karina mehr als eine Wochenendbeziehung führen wollen, wäre es wichtig, mehr Energie zu investieren und mehr Gemeinsamkeiten zu schaffen. Vielleicht können Sie zumindest Ihren Urlaub liebevoll und sorgfältig planen und die gemeinsame Zeit auskosten? Oder sich mehr unter der Woche oder an den Kinderwochenenden treffen, damit die Patchworkfamilie gelingt?

Herzliche Grüße, Julia Peirano 


Kommentare (0)

    Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

    Wissenscommunity