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Politischer Vorstoß Niederländische Partei will die Pille kostenlos an Frauen abgeben

Ein Blister Anti-Baby-Pillen auf rosa Untergrund
Die Pille muss in den Niederlanden, wie auch bei uns, bisher voll bezahlt werden
© Karolina Grabowska / Pexels
Die niederländische Partei ChristenUnie will die Zahl der Abtreibungen im Land senken. Dazu sollen die Kosten für die Anti-Baby-Pille durch die Basis-Krankenversicherung abgedeckt werden.

Es ist ein Vorschlag, der in den Niederlanden vielen Menschen zusagen dürfte: Die ChristenUnie, eine kleine, streng calvinistische Partei, die aktuell Juniorpartner der Regierungskoalition ist, will, dass die Pille in Zukunft kostenlos erhältlich ist. Das Verhütungsmittel soll durch die Krankenversicherung abgedeckt werden und müsste dann nicht mehr privat gezahlt werden.

Allerdings will man mit diesem Vorstoß nicht in erster Linie jungen und einkommensschwachen Paaren das Leben erleichtern. Die Partei will so vor allem die Zahl der Abtreibungen senken.

Konservative Partei will Verhütung vereinfachen

Etwa 30.000 Schwangerschaftsabbrüche werden in den Niederlanden jedes Jahr durchgeführt. Sie sind damit eines der Länder mit den wenigsten Abtreibungen. In Deutschland sind es um die 101.000 Eingriffe pro Jahr. Bei uns müssen sich Frauen bis zur 12. Schwangerschaftswoche für oder gegen einen Abbruch entscheiden, bei unseren westlichen Nachbarn ist dafür bis zur 22. Woche Zeit.

Den Mitgliedern der konservativen ChristenUnie ist die Fallzahl dennoch zu hoch. "Die ChristenUnie befürwortet das derzeitige Gesetz nicht, anders als die anderen Parteien, aber wir hoffen, dass wir uns gegenseitig bei der Reduzierung der Anzahl von Abtreibungen unterstützen können", sagt die Politikerin Carla Dik-Faber.

Niederlande haben eigentlich sehr geringe Abbruchquote

Sie weist darauf hin, wie ungerecht es sei, dass Abtreibungen in den Niederlanden von der Krankenkasse übernommen werden, die Pille aber von den meisten Menschen selbst gezahlt werden muss. Wie auch in Deutschland ist das Verhütungsmittel für Mädchen bis 18 Jahre kostenlos, danach aber Privatsache.

Interessant: Diese Haltung der ChristenUnie ist neu. Die Partei war bisher stets ebenfalls der Meinung, dass Verhütung in der eigenen Verantwortung der Niederländer liege. Erst 2019 stimmte sie noch dagegen, die Pille in das sogenannte "Basispaket" der Krankenversicherung aufzunehmen. Zudem sei der Preis nicht so hoch, dass er für Paare zu einem Problem führen solle.

Die Pille ist effektiv, aber nicht unumstritten

Der Sinneswandel, sollte er denn tatsächlich zu einer entsprechenden Veränderung führen, dürfte in den Niederlanden vielen Frauen gefallen. Noch immer bleiben die Kosten für die Verhütung mit der Anti-Baby-Pille nämlich vor allem an ihnen hängen – nur selten teilen sich Paare den Kaufpreis.

Allerdings kommt der Vorschlag zu einem Zeitpunkt, an dem sich gerade viele Frauen von der Pille abwenden, da immer häufiger die gesundheitlichen Nebenwirkungen – von der Thrombose bis hin zu Depressionen – thematisiert werden. Zudem schützt die Pille zwar sehr sicher vor ungewollten Schwangerschaften, aber nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Quelle: Nederlandse Omroep Stichting

wt

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