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Keine Lust mehr?: Sex-Studie zeigt erstaunliche Entwicklung in den USA

Immer mehr Amerikaner haben keinen Sex – und vor allem junge Männer sind für den Trend verantwortlich. Experten haben dafür verschiedene Erklärungen.

Immer weniger junge Erwachsene haben Sex

Immer weniger junge Erwachsene haben Sex

Getty Images

Sex kommt in den USA offenbar aus der Mode. Im vergangenen Jahr hatten so viele Amerikaner wie nie keinen Sex, wie aktuelle Zahlen des General Social Survey zeigen. Demnach gaben 23 Prozent aller Erwachsenen – also fast jeder Vierte – an, 2018 gar keinen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben – ein neuer Rekordwert in der seit Jahrzehnten laufenden Langzeituntersuchung.

Vor 20 Jahren führte nur weniger als jeder Fünfte (19 Prozent) ein sexloses Leben. Analog dazu sinkt der Anteil derjenigen, die wöchentlich oder häufiger Sex haben, im gleichen Zeitraum von 51 auf 39 Prozent.

Interessant sind die demografischen Hintergründe der Entwicklung: Denn der Trend zur sexuellen Enthaltsamkeit ist keinesfalls allein auf die Alterung der Gesellschaft zurückzuführen. Zwar hat sich die Gruppe der Über-60-Jährigen in den vergangenen Jahren stetig vergrößert – und da nur jeder Zweite der Senioren Sex hat, treibt das den No-Sex-Schnitt insgesamt nach oben.

Junge Männer bestimmen den Trend

Doch die wesentlichen Veränderungen gibt es bei den Jungen: Während der Anteil der Sexlosen bei den Alten konstant ist, steigt er bei den jungen Erwachsenen überraschend stark an. In den vergangenen zehn Jahren hat er sich bei den 18- bis 29-Jährigen mehr als verdoppelt - auf nun 23 Prozent.

Auffällig ist hierbei der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Nur 18 Prozent der Frauen, aber 28 Prozent der Männer unter 30 berichten, dass sie ein sexloses Jahr hinter sich haben. Das ist erstaunlich, denn über Jahrzehnte ähnelte sich das Sexualverhalten von Männlein und Weiblein, erst in den vergangenen Jahren entstand eine stetig wachsende Lücke. 

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Für die nachlassenden Sex-Aktivitäten der Jungen haben Forscher verschiedene Erklärungen. Zum einen gebe es heutzutage mehr Menschen in ihren 20ern, die noch keinen Lebenspartner  haben, erklärt Jean Twenge, Psychologie-Professorin der Universität San Diego. Außerdem leben relativ viele Twens - vor allem Männer - noch zu Hause, was sexuelle Aktivitäten ebenfalls nicht fördere. 35 Prozent der Männer und 28 Prozent der Frauen unter 35 Jahren leben noch unter dem Dach der Eltern. Zu Ungunsten junger Männer könnte sich laut Twenge auch auswirken, dass im historischen Vergleich weniger Männer eine feste Arbeit haben als früher. Denn wer eine feste Arbeit habe, führe auch häufiger eine feste Beziehung.

Zu viel digitale Ablenkung

Und schließlich könnten auch all die Zerstreuungen einen Beitrag leisten, die dank moderner Technologien heute für jeden verfügbar sind. Dazu zählt Expertin Twenge unter anderem Videostreaming, Social Media und Konsolenspiele. Einfach gesagt: "Es gibt viel mehr Dinge, die man heutzutage um zehn Uhr nachts tun kann als vor 20 Jahren."

Übrigens: Den Trend, dass junge Singles weniger Sex haben als früher, hat die Universität Leipzig 2016 auch für Deutschland beschrieben. Studienleiter Elmar Brähler sah dafür ebenfalls einen Grund im Aufkommen der digitalen Medien: "Die Jungen konsumieren eher Sexualität im Internet und pflegen Freundschaften über soziale Medien, anstatt den tatsächlichen sexuellen Kontakt zu suchen", so der Medizinpsychologe.

Quellen: Washington Post / Daily Beast 

Eine junge Frau liegt in weißem Trägertop auf dem Rücken im Bett. Ihre nackten Beine hat sie angewinkelt
bak

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