bochum 77 Jahre geballten Wissens


Peter Scholl-Latour: Ein Tausendsassa als Dozent an der Bochumer Universität

Peter Scholl-Latour: Ein Tausendsassa als Dozent an der Bochumer Universität

Eine Premiere der besonderen Art fand im abgelaufenen Wintersemester an der Ruhr-Universität statt. Der bekannte Journalist, Bestsellerautor und Weltenbummler Peter Scholl-Latour leitete erstmals in seiner Funktion als Ehrenprofessor ein Seminar an der Bochumer Hochschule. Die Veranstaltung »Auslandskorrespondenten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft« wurde von der Sektion für Publizistik und Kommunikation organisiert und erfreute sich großer Beliebtheit bei den Studenten.

Im Herbst 1999 wurde Scholl-Latour auf Initiative der Sektion in einer feierlichen Zeremonie der Professorentitel verliehen. Nicht nur die kulturellen Verdienste des beinahe 77-Jährigen waren der Grund für die Ehrung - Scholl-Latour ist in Bochum geboren und hat auch einige Jahre in der Ruhrgebietsstadt gelebt. »Ich will den Professor nicht nur als Ehrentitel mit mir herumtragen, sondern meine Erfahrungen mit den Studenten teilen. So bleibe ich mit der jungen Generation in Kontakt«, berichtet der langjährige Auslandskorrespondent der ARD über seine Motivation zum Ausflug an die Uni.

Provokation ohne Widerspruch: Studenten waren von Scholl-Latours Wissen schlichtweg überwältigt

In insgesamt vier Sitzungen zu je vier Stunden - mehr ließ der auch heute noch prall gefüllte Terminkalender Scholl-Latours nicht zu - lauschten die Studenten beinahe andächtig den Ausführungen des Globetrotters. Der kurzzeitige Chefredakteur und Herausgeber des stern verblüffte die Anwesenden immer wieder mit seinem schier unbegrenzten Wissen über internationale Zusammenhänge von Amerika bis Australien und Südafrika bis Nordeuropa. Es war unschwer zu bemerken, dass es nur wenige Länder auf Erden gibt, die er in seinem Leben noch nicht besucht hat. Egal ob politische, religiöse, geschichtliche oder gesellschaftliche Themen - Scholl-Latour konnte zu jedem Bereich aus einem enormen Fundus schöpfen.

Seine Vorträge waren eine Mischung aus persönlichen Erfahrungen, witzigen Anekdoten und erschütternden Erlebnissen. Auch eine ordentliche Portion Selbstironie fehlte nicht in seinen Erzählungen. Dabei stellte er immer wieder provokante Thesen auf, die zu seiner Überraschung von studentischer Seite jedoch mit erstaunlich wenig Widerspruch bedacht wurden. »Die Atmosphäre war sympathisch und die Studenten interessiert. Allerdings hätte es noch mehr Spaß gemacht, wenn sie auch einmal versucht hätten, mich zu provozieren«, resümierte er nach der letzten Sitzung. Er sei sich manchmal wie ein Großvater vorgekommen, der den Enkeln aus seinem Leben erzählt.

In den Semesterferien können die Seminarteilnehmer nun eine benotete Arbeit über ein internationales Thema ihrer Wahl schreiben. Trotz Termindrucks will Scholl-Latour sich zwischen den nächsten Reisen und der Arbeit am neuen Buch auf jeden Fall die Zeit nehmen, die Arbeiten seiner Studenten zu lesen. Und auch das Seminar soll kein Einzelfall bleiben. Für das kommende Wintersemester hat Scholl-Latour bereits seine Rückkehr an die Ruhr-Universität in Aussicht gestellt. Die ersten Erfahrungen als Professor will er in einem neuen Seminar verarbeiten und die Studenten stärker in die Diskussion einbeziehen. Bis dahin allerdings wird er wieder seiner großen Liebe nachgehen - dem Reisen in fremde Länder. (sh, ts)


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