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Carsharing: Mobil trotz Verzicht

Die steigenden Treibstoffpreise führen zu einem steigenden Interesse am Carsharing. Früher als etwas für 'fusselbärtige Müslis' verschrien, entdecken immer mehr Bürger den Reiz der Kostenteilung beim fahrbaren Untersatz.

Das Programm läuft: Pünktlich zu Beginn der Ferienzeit werden wohl die Kraftstoffpreise wieder steigen. "Angesichts dieser Entwicklung überlegen immer mehr, wie sie ihr Haushaltsbudget stabilisieren können", weiß Eckart Zimmermann, Kfz-Sachverständiger beim TÜV Nord in Hannover. Eine Möglichkeit: das Auto verkaufen.

Vorteil: Keine Fixkosten

Das klingt zunächst drastisch. Doch der Entschluss kann durchaus Sinn machen, ohne große Abstriche bei der eigenen Mobilität hinnehmen zu müssen. Die Lösungsformel lautet: Carsharing. Im vergangenen Jahr machten mehr als 83.000 Menschen in Deutschland von dieser Möglichkeit Gebrauch. "Das ist ein Wachstum von acht Prozent binnen eines Jahres", berichtet Dirk Bake vom Dachverband der deutschen CarSharing-Organisationen (bcs). "Wir erwarten für die kommenden Jahre eine Fortsetzung dieser steigenden Nachfrage."

Immer mehr Menschen entdecken, wie viel sie sparen könnten, wenn sie die Fixkosten eines eigenen Kfz nicht mehr selbst tragen müssten und stattdessen Carsharing-Kunden würden. Gleiches gelte für Unternehmen und Verwaltungseinheiten, die ihren Fuhrpark-Etat entlasten wollten. Eine Liste mit den Standorten der verschiedenen Carsharing-Firmen findet sich auf der Website des Bundesverbandes (www.carsharing.de). In einigen Städte gibt es mehrere Anbieter, so dass ein Preisvergleich möglich ist. Zudem, empfiehlt Bake, "sollte man auch nach verschiedenen Tarifen fragen, denn beispielsweise für Viel- oder Wenigfahrer unterscheiden sich die Angebote".

Auch Reparaturen und Pflege entfallen

"Viele Menschen nutzen ihr Auto so wenig, dass es für sie günstiger ist, einen Vertrag mit einem örtlichen Carsharing-Anbieter abzuschließen, als ein eigenes Auto zu besitzen", erläutert Zimmermann den Teilungsprozess. Jeweils ein Carsharing-Mobil wird von 15 bis 20 Menschen genutzt. Die Kosten setzen sich aus einer einmaligen Kautionszahlung, einer Aufnahmegebühr und einem monatlichen Fixbetrag zusammen, der an die Carsharing-Organisation bezahlt wird. "Hinzu kommen die Kosten, die anfallen, wenn Sie tatsächlich mit dem Auto fahren", ergänzt Zimmermann. Das Carsharing-Unternehmen kümmert sich um die Pflege des Autos, Reparaturen, Inspektionen und die Versicherung.

Derzeit gibt es in Deutschland rund 100 Carsharing-Organisationen in etwa 250 Städten. Die Fahrzeuge sind oft über die Stadt verteilt und auf fest angemieteten Parkplätzen stationiert. Dort müssen sie in der Regel nach Gebrauch auch wieder zurückgegeben werden. Aus diesem Grund lohnt es sich nur dann, diese Dienstleistung in Anspruch zu nehmen, wenn man in einer großen Stadt relativ zentral wohnt und nicht täglich auf ein Auto angewiesen ist, da keine 100-prozentige Verfügbarkeit des gewünschten Autos zu jedem Zeitpunkt garantiert werden kann. Jedoch versuchen die Carsharing-Organisationen ihren Service zu verbessern, um Zeitlücken zu vermeiden.

"Interessant ist das Carsharing außerdem nur, wenn man im Jahr nicht mehr als 7000 Kilometer mit dem Auto zurücklegen muss", schildert der TÜV-Fachmann die Grenzen des Auto-Verzichts. Umweltbewussten kommt entgegen, dass ein Carsharing-Auto fünf bis sechs Pkw ersetzt und so die Umwelt weniger belastet wird.

Norbert Michulsky/DDP / DDP

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