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Deutscher Schulpreis: "Manche Schulen sind wirklich enttäuschend"

Um an der Verleihung des Deutschen Schulpreises teilzunehmen, bewerben sich die Schulen selbst. Doch nicht jede kann die strengen Kriterien der Jury erfüllen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Von Catrin Boldebuck

Leicht machen es sich die Experten vom Deutschen Schulpreis nicht: Sieben Stunden lang diskutierten sie in der vergangenen Woche mit Vertretern der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung in Berlin über die Bewerberschulen für 2014. In den letzten Monaten hatten sie 20 Schulen in Teams je zwei Tage lang besucht. Sie saßen in Chorproben, sprachen mit Eltern, setzten sich unaufgefordert in den Unterricht, fragten bei Schülern und Lehrern nach, wollten schriftliche Prüfungsergebnisse sehen. "Wir erfahren eine Praxis, die so sonst nicht möglich ist", so der Sprecher der Jury Michael Schratz. In der Sitzung sagt Jury-Mitglied und Bildungspolitiker Jürgen Zöllner über eine Schule: "Was mir besonders imponiert hat: Eine Schule, die nicht sehr beliebt war, hat allein ein vernünftiges Konzept für den Ganztag entwickelt." Hans Anand Pant, der Leiter des IQB, dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, berichtet über eine andere: "Der Unterricht, den wir gesehen haben, war nur laues Mittelfeld. Echt enttäuschend."

Immer wieder vergleichen die Experten Ergebnisse, diskutieren: Wie kann eine Schule zum Vorbild für andere werden? Was können andere von ihr lernen? Denn das ist das Ziel des Deutschen Schulpreises: Leuchttürme in der deutschen Bildungslandschaft zu finden und sie sichtbar zu machen. So eine könnte die Schule sein, die Gisela Gravelaar besucht hat, die Schulleiterin aus Münster ist selbst Preisträgerin von 2008. Sie sagt: "Diese Schule setzt sich hohe Ziele, sie ist noch nicht am Ende, gibt sich nicht zufrieden. Das macht sie zu einer besonderen Schule."

Die Spannung bleibt

Am Ende des Tages steht das Ergebnis fest: 15 hervorragende Schulen haben es in die Endausscheidung geschafft. Mit einer Delegation aus Schülern und Lehrern werden sie am 6. Juni 2014 zur Verleihung des Deutschen Schulpreises nach Berlin reisen. Erst bei dieser festlichen Veranstaltung mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier werden die Preisträger bekanntgegeben und ausgezeichnet.

Insgesamt sechs Schulen werden je einen Preis erhalten: Der Hauptpreis ist mit 100.000 Euro dotiert, vier weitere Preise mit je 25.000 Euro. Außerdem wird der "Preis der Jury" in Höhe von ebenfalls 25.000 Euro verliehen. Alle Nominierten, die nicht zu den Preisträgern gehören, erhalten einen Anerkennungspreis von jeweils 2000 Euro.

Kriterien der Schulqualität

Die Robert Bosch Stiftung vergibt den Deutschen Schulpreis seit dem Jahr 2006 gemeinsam mit der Heidehof Stiftung. Medienpartner sind der stern und die ARD. Seit dem Start des Programms haben sich über 1500 Schulen für den Preis beworben und sich dafür auf den Weg der Schulentwicklung gemacht. Bei der Entscheidung über die Preisträger bewertet die Jury sechs Qualitätsbereiche: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution. Diese sechs Kriterien sind inzwischen als Kennzeichen für gute Schulqualität allgemein anerkannt.

Neben dem Wettbewerb hat sich der Deutsche Schulpreis zu einer Bewegung guter Schulen entwickelt. Die ausgezeichneten Schulen gehören nach dem Preisgewinn für fünf Jahre der Akademie des Deutschen Schulpreises an. In Workshops, Seminaren und Hospitationsprogrammen geben sie ihre Erfahrungen und Ideen so an andere Schulen weiter. Allein im vergangenen Jahr haben mehr als 1000 Vertreter von Schulen an den Veranstaltungen der Akademie teilgenommen.

Die nominierten Schulen (nach Bundesland)

• Grund- und Werkrealschule Aichhalden, Aichhalden, Baden-Württemberg
• Anne-Frank-Realschule, München, Bayern
• SchlaU-Schule, Schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge, München, Bayern
• Elinor Ostrom Schule, Berlin
• Erich Kästner Schule, Hamburg
• Römerstadtschule, Frankfurt am Main, Hessen
• Albert Schweitzer Schule, Hannover, Niedersachsen
• IGS Wilhelm Bracke Gesamtschule, Braunschweig, Niedersachsen
• Geschwister-Scholl-Gymnasium, Lüdenscheid, Nordrhein-Westfalen
• Alice Salomon Schule, Linz, Rheinland-Pfalz
• Gymnasium am Kurfürstlichen Schloss, Mainz, Rheinland-Pfalz
• Gemeinschaftsschule Freisen, Freisen, Saarland
• Sekundarschule Friedrichstadt, Wittenberg, Sachsen-Anhalt
• Freiherr vom Stein Schule, Neumünster, Schleswig-Holstein
• Regionales Berufsbildungszentrum Wirtschaft Kiel, Schleswig-Holstein

(In einer früheren Fassung war uns leider eine Schule abhanden gekommen.)

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