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Finanzkrise: Ausgetrickst und ausgeraubt

Mit miesen Tricks versuchen Betrüger, die Angst der Menschen vor dem Bankencrash auszunutzen. Telefonisch raten sie, schnell das Geld von der Bank zu holen. Wenig später sind die ahnungslosen Opfer ihre Ersparnisse los - so wie Irene F. aus dem Rheinland, die 4000 Euro verlor.

Von Manuela Pfohl

Vorsicht bei Anrufern, die behaupten, sie wollten Ihnen einen Geldtipp geben

Vorsicht bei Anrufern, die behaupten, sie wollten Ihnen einen Geldtipp geben

Als in der vergangenen Woche bei Irene F. aus dem Rheinland das Telefon klingelt, ahnt sie nicht, dass sie gleich den Fehler ihres Lebens machen wird. Am anderen Ende der Leitung meldet sich ein Mann, der behauptet, er sei ein Mitarbeiter des für sie zuständigen Finanzamtes. Er sagt, er wolle sie warnen, schon morgen würden wegen der Finanzkrise sämtliche Banken schließen. Ihr als guter Kundin gebe er deshalb den Rat, so schnell wie möglich das Geld vom Konto zu holen.

Irene F. ist furchtbar aufgeregt. Sie bedankt sich vielmals für den netten Tipp und eilt sofort zu ihrer Bank. 4000 Euro hebt die 58-jährige Früh-Rentnerin ab. Ihre gesamten Ersparnisse. Sie packt die Geldscheine in ihre Handtasche, läuft nach Hause und sieht schon von Weitem, dass vor der Tür ihres kleinen Häuschens ein Handwerker in blauen Arbeitsklamotten wartet.

Geld und Papiere sind verschwunden

Er erklärt, dass wohl irgendwas mit der Heizung nicht in Ordnung sei. Er müsse das rasch im Keller überprüfen. Die allein lebende Frau lässt den vermeintlichen Handwerker ins Haus, legt ihre Tasche auf die Garderobe im Flur und holt, als er sie darum bittet, auch noch die letzte Heizkostenabrechnung aus dem Wohnzimmer. Der Monteur schaut kurz darauf, stellt fest, dass doch alles in Ordnung sei und verabschiedet sich.

Minuten später stellt Irene F. fest, dass ihre Tasche nicht mehr da ist. Ihr Geld und ihre Papiere sind verschwunden. Die Frau hat alles verloren - und ist kein Einzelfall.

"Seit etwa zwei bis drei Wochen registrieren wir, dass bundesweit, aber vor allem im Rheinland, im Bereich zwischen Aachen und Düsseldorf, Trickbetrüger unterwegs sind, die sich die Angst vor der Bankenkrise zunutze machen und von ängstlichen Bürgern Geld ergaunern", bestätigt Veit Schiemann vom Weißen Ring in Mainz. Der Verein, der sich seit Jahren um Hilfe für Kriminalitätsopfer bemüht, hat festgestellt, dass die Betrüger sich als vermeintliche Bank- und Kassenangestellte, oder - wie im Fall von Irene F. - als Mitarbeiter der örtlichen Finanzämter ausgeben. "Die Masche ist immer die gleiche", sagt Schiemann. "Telefonisch behaupten die dreisten Betrüger, dass die Banken kurz vor dem Aus stünden und man schnell alles Geld abheben müsse, bevor es weg ist."

Irene F. ist pleite

Neu sei der Trick nicht. Schon seit etwa dreißig Jahren funktioniere die Masche. Im Zuge der Bankenkrise habe sie aber "an trauriger Aktualität" gewonnen. Und die Opfer seien längst nicht nur ältere Menschen. "Allerdings klappt der Trick bei denen besonders gut", weiß Schiemann. "Wer in der Vergangenheit schon einmal miterlebt hat, dass Banken pleite gehen können, glaubt den Warnungen eines angeblich gut meinenden Anrufers eher."

Das Raffinierte an dem Betrug sei die Kombination des vermeintlichen Anrufs der Bank und eines "Handwerker"- Besuchs, die scheinbar in keinem Zusammenhang stünden. Auch Irene F. hätte im Leben nicht daran gedacht, dass der Monteur irgendetwas von dem vielen Geld in ihrer Handtasche wissen könnte.

In ihrer Not wendet sie sich schließlich an den Weißen Ring und schildert das Erlebte. Die Mitarbeiter informieren die Polizei, die nimmt die Anzeige auf und hofft, möglichst bald die Betrüger zu fassen. Bis dahin raten Polizei und Opferverband, keinem fremden Anrufer zu trauen und nur Handwerker in die Wohnung zu lassen, die man selbst bestellt hat und die sich ausweisen können. "Im Zweifelsfall fragen Sie besser bei Ihrem Vermieter oder der Hausverwaltung nach", rät Schiemann.

Irene F. nutzt das alles nichts mehr. Sie ist pleite und muss sehen, wie sie künftig mit ihrer winzigen Rente auskommt. Um die schlimmsten Engpässe vorübergehend zu überbrücken, hat sie vom Weißen Ring eine Spende bekommen. So konnte sie sich wenigstens ihre dringend benötigten Medikamente besorgen und einige Lebensmittel einkaufen.

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  • Manuela Pfohl