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Giftiges Spielzeug: "Profitgier geht vor Sicherheit"

Wie können Eltern ihre Kinder vor bleihaltigem oder gefährlichem Spielzeug aus chinesischer Produktion schützen? Wenig bis gar nicht, sagt Verbraucherschützer Dirk Petersen im Interview mit stern.de, denn Kontrollmaßnahmen würden nicht ausreichen.

Was können Sie Eltern raten, die kein gesundheitsschädliches Spielzeug kaufen wollen?

Es ist sehr schwierig, da eine Handlungsanweisung zu geben. Die Rückrufaktionen von Mattel bezogen sich auf Waren aus chinesischer Produktion. Und die sind fast immer im Verdacht, dass da etwas nicht stimmt.

Ist Spielzeug aus China giftig oder gefährlich?

Bekannt ist, dass von den kontrollierten und als mangelhaft eingestuften Produkten etwa 50 Prozent aus China kommen. Diese hohe Zahl, die von Instituten wie dem Hamburger Amt für Marktüberwachung ermittelt werden, mahnt zur Vorsicht.

Also einfach nicht mehr "Made in China" kaufen?

Nein, auch das geht nicht. Das Problem: Man kann den Produktionsort nicht mehr ohne weiteres erkennen. Die Zeiten, in denen auf jedem chinesischen Spielzeug "Made in China" stand, sind vorbei. Das ist keine Lösung.

Eltern können nichts tun?

Doch, es gibt Ansätze. Zum Beispiel das "Spiel Gut"-Gütesiegel. Das gibt eine gewisse Orientierungshilfe. Auch kleinere Hersteller, die bewusst in Deutschland produzieren, sind oft eine gute Wahl, auch wenn sie teurer sind. Von chinesischen Waren würde ich die Finger lassen.

Gibt es keine Kontrollen?

Im Massenmarkt billiger Spielzeuge, und um den geht es vor allem, sind keine vernünftigen Kontrollen vorhanden. Es gibt nicht genug Kontrollinstitute, die der immensen Warenflut Herr werden könnten. Die Kontrollmechanismen reichen nicht aus.

Warum gibt es überhaupt immer wieder gefährliches oder giftiges Spielzeug am Markt?

Die Profitgier ist die Ursache. Obwohl es Kontrollen gibt, gibt es ein Mentalitätsproblem bei den Herstellern: Sie schieben die Verantwortung für Sicherheit und Qualität der Spielzeuge auf die Produzenten. Die Kinder sind die Leidtragenden.

Interview: Christoph M. Schwarzer
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