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HAMBURG: Anlaufstelle Uni-Shop

Mehr Sein als Schein

Mehr Sein als Schein

Ein Sommertag in Hamburg. Die Zeit: Mitte August. An der Uni Hamburg herrscht gähnende Leere – es sind Semesterferien. Nur wenige Studenten wagen sich in dieser Zeit auf den Campus vor. Die meisten von ihnen, die den Unikontakt auch während der so genannten vorlesungsfreien Zeit suchen, erscheinen mehr auf Stippvisite: um Bücher für die Hausarbeit abzuholen, sich für Sprechstunden einzutragen, in der Mensa zu essen, weil es dort so schön billig ist. Die Uni erscheint wie im Halbschlaf, ein ungewohnter Anblick verglichen mit dem sonstigen Trubel.

Wer immer vor Ort ist, unabhängig vom Semester, ist Detlef Zellmer. Wer ist Detlef Zellmer? Ihm gehört der Uni-Shop gegenüber dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Eigentlich kennt ihn fast jeder, doch keinesfalls individualisiert und also namentlich. Vielmehr ist sein Laden Anlaufstelle für die kleinen und großen Bedürfnisse des studentischen Alltags: Denn nicht nur Blöcke, Stifte, Mappen und Karteikarten kann man hier noch schnell vor der Vorlesung erwerben: Zwei Kühlschränke mit Getränken und ein großes Regal mit Schokolade sichern das Überstehen des nächsten Seminars. Spätestens an der Kasse begegnet man dann Detlef Zellmer, der einen mit einem freundlichen Schmunzeln verabschiedet.

Wer verbirgt sich denn nun hinter diesem Namen? Er ist Berliner, über Kiel und Itzehoe hat es ihn nach Hamburg gezogen. Seit 35 Jahren ist er im Papierwarengeschäft und seit fünf Jahren gehört ihm der Uni-Shop. Das Personal ist von Beginn an dabei. Alle gemeinsam haben sie schon so ein paar Kapitel studentischer Biographien begleitet. »Schade, dass man sich nicht immer so viel Zeit nehmen kann«, bedauert Frau Rentsch. Im Semester sei immer so viel los, dass für die Beratung kaum Zeit verbliebe. Dennoch: Die Atmosphäre an der Uni schätze sie sehr. Dabei suchen auch zahlreiche Studenten den Kontakt zum Uni-Shop, berichtet Frau Rentsch. So werden sie zum Beispiel gebeten, für Klausuren Daumen zu drücken. Einige Studenten verabschieden sich am Ende ihres Studiums und erzählen, dass sie sich immer sehr wohl gefühlt haben, ergänzt Herr Zellmer nicht ohne Stolz. Der Uni-Shop war Teil ihres Studienalltags geworden. Deshalb sei sein Job – auch wenn man durch ihn »nicht gerade Millionär« werden könne - auch so etwas wie »Liebhaberei«. Natürlich nur bis zu einem gewissen Grad, »denn letztendlich sind wir ja Geschäftsleute«.

Der Uni-Shop »lebt« in Zyklen. Auf eine leichte Flaute während der vorlesungsfreien Zeit folgt in geregelten Abständen die Hochkonjunktur des Semesters. Dies macht die Einnahmen kalkulierbar. Auf diese Weise sind Shop und Universität eine Symbiose eingegangen, teilen denselben Rhythmus zwischen Betriebsamkeits- und Ruhephasen. Auch das Personal nimmt seinen Urlaub ausschließlich in der »Ruhephase«, denn während des Semesters werden alle Hände gebraucht. Das kommende Wintersemester ist nicht mehr weit entfernt – es ist die Ruhe vor dem Sturm, der spätestens am 1. Oktober einsetzen wird. (mw)

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