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Henriette Hell: Was ich über Sex gelernt habe: Wie es wirklich ist, mit dem besten Freund zu schlafen

Beste Freunde haben einen Nachteil: Heimlich träumt man davon, wie es wohl wäre, mit ihnen zu schlafen. Das kriegt man nicht aus dem Kopf. Außer, man tut es endlich.

Zwei junge Menschen stehen in einer Bar und trinken Alkohol

Erst ein paar Frustdrinks auf dem Kiez, danach einen Absacker zu Hause und dann passiert's schon mal: Sex mit dem besten Kumpel

In der Regel läuft es so: Man zieht gemeinsam los. Frustsaufen! Wahrscheinlich, weil gerade einer von beiden verlassen oder gefeuert wurde. Man ist nervlich am Ende, underfucked und will sich jemanden aufreißen. Dafür ist man aber irgendwann zu betrunken oder zu faul. Außerdem ist es mit dem "Besti" sowieso viel lustiger. Ihr versteht euch blind, habt schon so viel zusammen erlebt (Wacken 2003, Abi 2005, Goa 2009), seid im Grunde Seelenverwandte. Hicks! Komisch, dass euch das erst jetzt auffällt, nach fünf Gin-Tonic. Jedenfalls torkelt ihr um fünf Uhr morgens nach Hause und du lallst: "Willsu noch 'n Absacker trinken?" Klar will er, also geht ihr in deine Wohnung und es passiert. Weil es die Natur so will.

Sexkiller Alkohol

Knutsch hier. Fummel da. So weit, so gut. Doch als es an die Feinarbeit geht: Blackout! Er bekommt vor Aufregung keinen hoch und versucht, die Misere mit schlechter Zungenarbeit auszugleichen. Du bereust die ganz Aktion eigentlich schon von der dritten Sekunde an, weil dir relativ schnell klar wird, dass die schmutzigen Phantasien, die du seit Jahren gegen deinen Willen immer mal wieder hattest, totaler Quatsch sind. Trotzdem denkst du, dass du das jetzt durchziehen musst - der Freundschaft wegen. Man will ja nicht unhöflich sein.

Aber irgendwann erträgst du das Elend einfach nicht mehr und fängst innerlich an zu schreien: "Hör auf! Geh weg! Verschwinde!" Weil du plötzlich merkst, dass sich seine Küsse falsch anfühlen. So, als würde man seinen Bruder küssen. Und das findest du (im Gegensatz zu den Leuten aus "Game of Thrones") gar nicht sexy. Also krächzt du zwei Sekunden vor eurer Vereinigung: "Es tut mir leid – ICH KANN NICHT!" Und das war es dann.

Freundschaft auf dem Prüfstand

Der Vorteil so einer peinlichen Aktion: Wenn ihr hinterher dazu in der Lage seid, euch wieder zusammenzuraufen, dann sagt das einiges über die Qualität eurer Freundschaft. Nämlich, dass ihr euch wirklich liebt! Platonisch allerdings. Auch wenn ihr gewisse Erinnerungen wohl nie wieder aus dem Kopf bekommen werdet ...

Fakt ist, dass die meisten von uns gar nicht anders können, als eines Tages über ihren best buddy herzufallen: "Aus evolutionärer Perspektive ist jede halbwegs gleichaltrige Person des anderen Geschlechts ein potenzieller Fortpflanzungspartner - wenn Mann auf Frau trifft, steht das einfach im Raum", bestätigt der Psychologe Lars Penke von der Georg-August-Universität Göttingen. Eine andere Studie zweier Psychologinnen der Universität Oldenburg ergab ebenfalls, dass 44 Prozent der befragten Männer sich erotisch zur besten Freundin hingezogen fühlen. Unter den Frauen lag der Anteil immerhin bei 31 Prozent.

Eine Erfahrung, die nicht sein muss

Ich bin schon zwei Mal mit einem sehr guten Kumpel im Bett gelandet. Jedes Mal war es der blanke Horror! Aber meine Freundschaften zu diesen Männern sind heute besser als je zuvor. Weil wir es endlich hinter uns gebracht und sämtliche erotischen Spannungen auf diese Weise eliminiert haben.

Wer sich das trotzdem ersparen will - und das würde ich jedem dringend empfehlen! - der sollte seinen besten Freund einfach nie nach einer durchzechten Kieznacht auf einen Absacker mit nach Hause nehmen. DAS ist das ganze Geheimnis.  

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