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Internationale Schule: "Zitronen blühen auch im Norden"

Bilinguale Erziehung ganz praktisch: in der Hamburger Grundschule Döhrnstraße können Kinder ab der ersten Klasse in Italienisch und Deutsch unterrichtet werden.

Der Tag beginnt mit einem Lied. "Buongiorno, Buongiorno, Guten Morgen, guten Morgen" singen die Schüler der 3a. Die Lehrerin Frau Josenhans spielt die Gitarre dazu. Ihre italienische Kollegin Letizia Accinelli ermuntert die Kinder zum mitsingen. Nach der Begrüßung wird die Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt. Die "delfini" bleiben im Klassenzimmer, die "pinguini" gehen mit Lehrerin Letizia Accinellii in einen anderen Raum. Denn für sie beginnt der Italienisch-Unterricht schon in der ersten Stunde.

Im August 1999 wurde die erste Deutsch-Italienische Grundschule Hamburgs in der Schule Döhrnstraße eingerichtet. Das Kooperationsprojekt zwischen dem italienischen Außenministerium und der Behörde für Bildung und Sport der Stadt Hamburg erweist sich seitdem großer Beliebtheit. Von den rund 100 Anmeldungen in diesem Jahr wollten nur 14 keinen Italienisch-Unterricht für ihre Kinder. Oft muss gelost werden, weil es mehr Anmeldungen als Plätze gibt. Für die übriggebliebenen Kinder hat Schuldirektor Friedrich Heß ein "Sonderangebot" entwickelt: Statt sechs, erhalten die Kinder nur drei Stunden Unterricht in italienischer Sprache.

"Die Schule wird immer italienischer"

"Come eri appena nato?" Hausaufgabenkontrolle bei den "pinguini". Zusammen mit ihren Eltern sollten die Kinder herausfinden, wie sie aussahen, als sie geboren wurden. Ob sie schon Haare hatten und wenn ja, welche Farbe. Wie groß sie waren und was sie direkt nach der Geburt wogen. Lehrerin Letizia Accinelli fragt jeden nacheinander auf Italienisch ab. Die Mädchen sitzen heute alle an einem Tisch und antworten besonders schnell und flüssig. Bei den Jungen geht alles noch etwas langsamer. Die Lehrerin muss helfen. Danach schreibt sie neue Fragen an die Tafel. Jetzt dürfen sich die Kinder untereinander befragen.

Im laufenden Jahr gibt es insgesamt fünf bilinguale Klassen an der Grundschule Döhrnstraße. Im Sommer kommen wieder zwei Klassen hinzu. "Soviel Anmeldungen wie in diesem Jahr hatten wir noch nie. Die Schule wird immer italienischer", freut sich der Direktor. Daneben hat sich die Schule einige "normale" Klassen bewahrt, in denen Italienisch keine Rolle spielt.

Doch was ist die Motivation einer deutschen Familien, ihr Kind mit der Zweitsprache Italienisch aufwachsen zu lassen? "Die Deutschen haben eine besondere Beziehung zum Italienischen, weil es eine sehr schöne Sprache ist. Natürlich ist es keine Weltsprache wie Englisch oder Mandarin, aber die Deutschen haben eine gewisse Sehnsucht nach dem Land, wo die Zitronen blühen. Italienisch möchten fast alle können", sagt Schulleiter Heß.

Welches Kind würde schon Bordeaux richtig schreiben

Noch dazu hält er Italienisch für besonders gut geeignet als erste Zweitsprache. "Die Unterschiede zwischen dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort sind nicht so groß wie in einigen anderen Sprachen. Im Französischen zum Beispiel wird sehr viel geschrieben, was nicht gesprochen wird. Und welches Kind würde schon Bordeaux richtig schreiben?"

Im zweiten Teil der Stunde wird gespielt. Auf einer Matte im hinteren Teil der Klasse setzen sich die Kinder im Kreis auf den Boden. Letizia Accinelli packt ein Kartenspiel aus, das so ähnlich wie Memory funktioniert. Die eine Hälfte der Karten teilt sie an die Kinder aus, die andere behält sie in der Hand. "Il mercato è aperto", ruft sie. Der Markt ist eröffnet. Jetzt haben die Kinder Zeit ihre Karten mit den anderen zu tauschen. Es geht zu wie auf einem römischen Flohmarkt: Es wird gefeilscht, gebettelt und gejauchzt. Die "Verhandlungen" müssen die Kinder natürlich auf Italienisch führen, was erstaunlich gut klappt. Nur selten fällt ein Kind zurück ins Deutsche.

"Für die italienischen Kinder ist es ungeheuer bedeutsam, dass ihre eigene Sprache in der Schule so eine große Rolle spielt. Man müsste für alle Sprachen bilinguale Schulen einrichten", meint Friedrich Heß. Und als hätte der Hamburger Senat seinen Wunsch erhört, werden im Sommer eine deutsch-türkische und eine deutsch-polnische Grundschule eingerichtet. Eine spanische und eine portugiesische Variante gibt es schon. Wichtig ist vor allem, dass die Kinder lernen, ihre eigene Sprache nicht nur zu sprechen, sondern auch richtig zu schreiben. Das erhöht auch die Fähigkeiten, das Deutsche richtig zu lernen. "Sonst besteht die Gefahr, dass junge Leute sowohl ihre Herkunftssprache, als auch die Sprache des Gastlandes nicht richtig können. Das führt dann zu doppeltem Halbanalphabetismus", sagt der Schulleiter.

Die Grundschule kann nur das Fundament legen

Die deutschen Kinder lernen zunächst verstehen. Eine Leistung, die oft unterschätzt wird, denn oft dauert es ein bis zwei Jahre bis die Kinder mit dem Sprechen der fremden Sprache beginnen. "Für das Verstehen müsste man den Kindern mehr Zeit geben", findet Friedrich Heß. Und manchmal werden die Eltern ungeduldig. Dann müssen die Lehrer ihnen erklären, dass zuhören, verstehen und Anweisungen befolgen eine ungeheure Leistung bedeuten. Das stellen auch die Wissenschaftler der Beratungsstelle für interkulturelle Bildung der Universität Hamburg fest. In jährlichen Sprachstandsfeststellungen beobachten sie das Vorankommen der Kinder und stellten fest: Für das Erlernen einer neuen Sprache benötigt man sechs bis acht Jahre. Die Grundschule kann da nur das Fundament legen. Das Grundschulalter hält Friedrich Heß für ideal zum Erlernen einer zweiten Sprache. "Der Mutterspracherwerb ist weitestgehend abgeschlossen, die Kinder haben aber die Techniken noch drauf, wie man sich eine Sprache aneignet."

Für den Fremdsprachenunterricht stellt der italienische Staat drei Muttersprachler, die das vorleben, was die Kinder erreichen sollen. Aufnahmekriterien für die Kinder gibt es nicht. Es müssen lediglich genügend Kinder mit italienischem Sprachhintergrund in jeder Klasse sein. Schließlich ist die Grundschule Döhrnstraße eine bilinguale Schule und keine, in der frühes Fremdsprachenlernen alleiniges Ziel ist. Die italienischen Eltern nehmen oft weite Wege in Kauf, um ihre Kinder hier einzuschulen. Eine Schülerin wird sogar jeden Morgen aus Steilshoop bis nach Lokstedt gebracht. "Ihr Vater ist Italiener, aber hier geboren. Wenn es zu seiner Zeit eine solche Schule gegeben hätte, hätte ihn sein Vater auch quer durch die Stadt gefahren", erzählt Schulleiter Heß.

Für die Kinder bedeutet die neue Sprache nicht nur Grammatik und Vokabeln, sondern auch eine neue Kultur. "Die Kinder finden es unglaublich spannend mit zwei Sprachen umzugehen und sind schon nach kurzer Zeit sehr geübt darin mit Sprache zu jonglieren", erklärt der Schulleiter.

Das Projekt trägt Früchte

"Il mercato è chiuso!" Der Markt ist geschlossen. Jetzt wird es spannend. Letizia Accinelli nimmt die erste Karte vom Stapel und beschreibt das Bild. Wer eine seiner Karten wieder entdeckt, muss sie abgeben. Wer als letztes noch eine Karte hat, hat gewonnen. Heute siegt der "cervo", der Hirsch. Die kleine Ilaria reißt die Arme in die Höhe. Ihre Mitschüler jubeln.

Schuldirektor Heß will mit seiner Schule vor allem eins erreichen: Es soll Menschen geben, die in beiden Kulturen gut Bescheid wissen und Verständnis für andere Mentalitäten entwickeln. Das Projekt trägt Früchte. Ab dem Sommer wird die erste der Italienisch-Klassen ihren Unterricht am nahegelegenen Gymnasium Corveystraße fortführen können.

Maike Dugaro
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.