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Daddylicious: "Lassen Sie mich durch, ich bin ein Super-Papa!"

Alle reden über das neue Rollenbild des Vaters. Es wird Zeit, dass Medien und Politik sich mal wieder ein wenig beruhigen – und auch mal MIT den Vätern reden.

Vater backt mit seiner Tochter Muffins

Super-Papas leben ganz normal unter uns. Sie tragen keinen extra Umhang – aber manchmal eine pinke Krone.

Eine Pumpernickel-Bäckerei kürte im März den "Spitzenvater des Jahres". Ein renommiertes Nachrichtenmagazin befasste sich vor Kurzem mehr schlecht als recht mit "den neuen Vätern" und jetzt bringt das Wissenschaftsmagazin "nano" auf am 18. Mai eine Folge mit dem Titel "Super-Papa. Chancen und Grenzen des Vaterseins". Auch hier suchen Soziologen, Psychologen und Biologen nach dem Superpapa-Gen, dass doch irgendwo in den Tiefen der maskulinen Jäger-DNA schlummern muss. Ich kann es nicht mehr hören.

In der Ankündigung des Senders finden sich wieder die alten Herleitungen zu diesem mittlerweile auf Nanopartikel durchgekautem Thema: In Zeiten des Wirtschaftswunders war der Mann nur bei der Zeugung des Nachwuchses zugegen, hat um jede Stoffwindel einen großen Bogen gemacht und setzte sich abends an den reich gedeckten Tisch mit kaltem Buffet und Salzstangenspender. Das Kind hatte die Mama natürlich schon eng gepuckt im Gitterbett verstaut. Der Versorger der Familie – damals streng, emotionslos und spaßbefreit. Ja, das ist überholt. Außerdem ist die Frage, ob diese Darstellung überhaupt der Wahrheit entspricht. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass auch diese ihre Kinder genauso geliebt haben, wie der "neue Papa" über den in allen Medien so wohlwollend gesprochen wird. Müssen wir allen Ernstes so negativ über das 60 Jahre alte Rollenbild des Vaters sprechen?

Mich würde ja mal interessieren, wie die Väter von damals darüber denken oder wie sie sich gefühlt haben. In einem engen Korsett des Arbeitgebers und am Wochenende gefangen zwischen Familie und Skat-Runde. Das besonders Schlimme an der ganzen Sache ist das Hinzuziehen von vermeintlichen Experten und die Diskussion über "die Väter" in der dritten Person. Nur zu selten, lässt man diese Spezies selbst zu Wort kommen und die Behandlung gleicht der Diskussion über eine Randgruppe mit ansteckender Krankheit.

Wer sind wir eigentlich?

Zwischen dem Familienalltag zu Zeiten des Wirtschaftswunders und der Gegenwart gesellte sich dann die Emanzipation der Frau. Vom Wahlrecht bis zur Gleichstellungsbeauftragten. Weg vom Herd in die Berufswelt mit Lohnscheck und Rentenversicherung. Inzwischen gibt es abends Sushi vom Lieferhelden oder veganes Nackensteak. Natürlich Bio. Und schwuppdiwupp befinden wir uns in der heilen Welt der Neuzeit. Die Regierung beschert den Papas Elternzeit und plötzlich reden alle vom neuen Vater, der aus seiner Höhle kriechend und windelwechselnd den Haferbrei auf Betriebstemperatur kocht. Wer sind wir eigentlich und wenn ja, wie viele? Eine berechtigte Frage, denn nicht jeder neue Papa kann Elternzeit so mir nichts dir nichts in Anspruch nehmen. Oder gar in Teilzeit gehen. Meist steht die finanzielle Absicherung der Familie im Weg. Die Realität in Deutschland sieht einfach anders aus, als sie sich die Medien und die Politik vorstellen. Es gibt mindestens genauso viele Malocher, die auf die Frage nach Elternzeit nur schräg vom Chef angelächelt werden wie Väter, die auf ihr Recht danach pochen können. Von Männern in Selbstständigkeit mal ganz zu schweigen.

Zu empfehlen ist das drei Generationen-Interview in der aktuellen "Men's Health DAD". Zuerst dachte ich bei dem Blick auf die zweite Ausgabe, sie würden tatsächlich auf den Zug der nervenden Stempelaufdrücker aufspringen. Doch weit gefehlt. Eine wirklich gut aufbereitete Story zu diesem Thema.

"Ist ein Super-Papa an Bord?"

Bevor die Hochstilisierung der Väter so leidlich weitergeht, plädiere ich dafür, wieder einen Gang runterzuschalten. Den Vätern zu diesem Thema eine Stimme zu geben. Und plötzlich werden Redakteure und Parteigenossen merken, dass dieses Thema gar nicht so heiß gekocht werden muss. Wir brauchen keine Durchsagen wie "Ist hier ein Super-Papa an Bord? Ein Kind in der vorletzten Reihe hat einen Heulanfall und seine Mama kann ihn nicht beruhigen. Bitte melden Sie sich beim Bordpersonal!". Weder im Zug noch im Flugzeug. Das "Lassen Sie mich durch, ich bin ein Super-Papa!" würde dann wohl auch wegfallen.

Alle reden von Elternzeit, Teilzeit oder Homeoffice. Muss ich mich jetzt schlecht fühlen, wenn ich mal eine Woche lang erst um 19:30 Uhr nach Hause komme? Ich glaube genauso wenig, wie Väter in Teilzeit oder als Hausmann Minderwertigkeitskomplexe bekommen sollten. Und ich bin sicher, dass Kinder ihre Väter lieben und eben die Väter die Kinder. Heute und genauso vor 60 Jahren. Ende der Durchsage!


Kommentare (1)

  • Mathias Eichler
    Mathias Eichler
    Amen Bruder.
    Ich bin seit 10 und 7 Jahren einer der "neuen" Väter und finde das Rollenbild, so man überhaupt davon sprechen kann, super. Schon als Kind habe ich mir fest vorgenommen, später mal nicht so spaßbefreit wie alle Väter die ich damals kannte, meiner eingeschlossen, zu sein. Ich habe meinen Vater deshalb trotzdem sehr geliebt Aber das klassische Rollenbild unter dem ich aufgewachsen bin, Vater Maloche, dann Essen und dann in Frieden lassen und die Mutter in der Küche, dann Hausaufgaben, dann Haushalt, dann Essen machen, mit den Kinder beschäftigen und auf den Herrn des Hauses warten, geht überhaupt nicht mehr finde ich. Wo bleibt die Selbstbestimmung meiner Frau und wo bleiben die Kinder? Für mich stellte sich die Frag nie. Auch alle meine Freunde leben unter dieser Prämisse und es ist völlig normal. Mein Frau schläft am WE selbstverständlich aus und ich orgel mit den Kids durchs Haus. Meine Frau macht die Wäsche, ich mach die Küche. Meine Frau macht die Steuer ich geh mit den Kinder 1x die Woche Schwimmen. Ich bin im Elternbeirat der Grundschule, gehe zu den Elternabenden meiner Kinder und meine Frau ist im Beirat der Mittagsbetreuung. Das alles macht uns großen Spaß, weil wir aktiv am Leben unsere Kinder teilnehmen können und sie dadurch auch völlig anders, intensiver wahrnehmen. Thats it. Mehr ist nicht dabei. Das aktive Leben mit meiner Familie erfüllt mich und gibt mir einen Großteil meiner Energie für den Job. Mir wird das abnabeln meiner Kinder genau so weh tun wie Ihnen wahrscheinlich, auch wenn sie es sich für sie anders anfühlt. Es bleibt spannend, aber nicht aussergewöhnlich. Auf zur nächsten Challenge.

    LG Mathias

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